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München und Cincinnati - Mit seinem Wechsel zu den Cincinnati Bengals änderte Moritz Böhringer auch seine Position. Im SPORT1-Interview erklärt er, welche Folgen dies für ihn hatte.

Aller Anfang ist bekanntlich schwer.

Vor drei Jahren startete der deutsche Football-Profi Moritz Böhringer als Rookie in das Abenteuer NFL, jetzt geht er in seine mittlerweile vierte Saison - und hat einiges dazugelernt.

"Im ersten Jahr war ich oft nervös. Ich wusste nicht, wo ich hin muss, kannte die Abläufe und Leute nicht. Aber jetzt habe ich mich an alles gewöhnt und bin sicherer. Es ist alles automatisiert und eine Routine da", sagte der gebürtige Stuttgarter im Interview mit SPORT1.

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Vikings draften Böhringer 2016

Der heute 25-Jährige begann sein USA-Abenteuer bei den Minnesota Vikings, die ihn 2016 im NFL Draft in der sechsten Runde ausgewählt hatten. Böhringer wurde durch diesen Pick der erste Spieler, der direkt aus Europa in die NFL gedraftet wurde, ohne zuvor ein College besucht zu haben.

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Auch am jährlichen NFL Combine hatte er damals nicht teilgenommen. Allein durch seine herausragenden Leistungen beim eintägigen "Pro Day" in Florida hatte der Deutsche die Aufmerksamkeit der NFL-Teams auf sich gezogen.

Für den finalen Kader reichte es nicht, allerdings nahmen ihn die Vikings für die Saison 2016/17 in ihre Practice Squad auf.

Der Rookie-Vertrag garantierte "MoBo" 150.000 US-Dollar - mit denen er sparsam umgehen wollte. Aus diesem Grund verzichtete er in der Anfangszeit auf ein eigenes Auto und absolvierte die drei Meilen (ca. fünf Kilometer) von seiner Wohnung zum Trainingsgelände der Vikings zu Fuß.

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Böhringer über IPP-Programm zu den Bengals

Nach Böhringers Entlassung bei den Vikings im September 2017 - ohne ein einziges Spiel in der NFL bestritten zu haben - absolvierte er ein Probetraining bei den Cincinnati Bengals.

Für die Saison 2017/18 reichte es aber nicht für einen Platz in deren Practice Squad.

"MoBo" hielt sich über mehrere Monate fit und wurde im Mai 2018 für die Folgesaison bei den Bengals unter Vertrag genommen, da diese über das "International Player Pathway"-Programm (IPP-Programm) einen extra Practice-Squad-Platz bekamen.

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Tight End Böhringer muss 14 Kilo zunehmen

Der Wechsel nach Ohio brachte nicht nur eine lokale Veränderung mit sich, sondern auch eine positionelle: Im Team-Roster der Bengals wurde er nämlich statt als Wide Receiver als Tight End gelistet.

Eine Umstellung mit körperlichen Folgen für Böhringer: "Jetzt stehe ich nicht mehr ganz außen und spiele nicht mehr gegen die vergleichsweise schmächtigeren Cornerbacks, sondern stehe in der Mitte und habe die bulligen Safetys und Tackles vor meiner Nase. Dafür musste ich körperlich robuster werden", erklärt er: "Ich musste an Masse zulegen. Insgesamt bringe ich jetzt 30 Pfund (rund 14 Kilogramm) mehr auf die Waage".

Böhringer ein weiteres Jahr über IPP 

Da das IPP-Programm über zwei Jahre läuft, kann Böhringer auch in der anstehenden Saison wieder über den zusätzlichen elften Platz im Trainingsteam der Bengals - und damit noch ein weiteres Jahr in Ohio - bleiben.

Über den "International Player Pathway" dürfen neben den Teams aus der NFC North (Bengals, Ravens, Browns, Steelers) in der kommenden Saison 2019/20 auch die Teams der AFC East (Patriots, Dolphins, Bills, Jets) einen elften Spieler in ihre jeweilige Practice Squad aufnehmen.

Bei Super-Bowl-Champion New England um Star-Quarterback Tom Brady geht der elfte Platz - wie bei den Bengals - an ein deutsches Talent: Jakob Johnson (24 Jahre, Fullback).

Neuer Bengals-Headcoach Taylor setzt auf Offense

Aktuell ist Böhringer mit den Bengals im fast dreiwöchigen Trainingscamp (27. Juli bis 12. August), wo es hart zur Sache geht. Trainiert wird nach einem strengen Zeitplan, die erste Einheit steht täglich schon um 7 Uhr morgens an, der Tag geht anschließend bis 21 Uhr.

Der neue Headcoach Zac Taylor, der zuvor als Assistent unter dem hochgelobten Sean McVay bei den Los Angeles Rams war, bringt zudem ordentlich frischen Wind rein.

"Es ist einfach etwas Neues und anderes mit ihm. Marvin Lewis war eher auf die Defensive konzentriert. Taylor setzt dagegen auf die Offensive. Das ist für die Offense-Spieler natürlich gut", sagt Böhringer über den neuen Trainer.

Und hofft, dass sein NFL-Traum unter Taylor so richtig Fahrt aufnimmt.

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