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Wenn die Green Bay Packers und die Chicago Bears aufeinandertreffen, sind heiße Duelle meist vorprogrammiert
Wenn die Green Bay Packers und die Chicago Bears aufeinandertreffen, sind heiße Duelle meist vorprogrammiert © Getty Images
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Die Green Bay Packers und Chicago Bears verbindet nun schon eine fast 100-jährige Rivalität. Zu Ehren der 100. NFL-Saison dürfen sie daher den Season-Opener bestreiten.

Der Lieblingssport der US-Amerikaner feiert dieses Jahr gleich zwei große Jubiläen!

Die National Football League NFL geht in ihre 100. Saison und die Green Bay Packers feiern das hundertjährige Bestehen. Was liegt da näher, als das Team aus Wisconsin den Season-Opener bestreiten zu lassen?

Die NFL hat damit sogar mit einer Tradition gebrochen. Üblicherweise bestreitet der Super-Bowl-Sieger das erste Match. Doch aufgrund der historischen Bedeutung dieser Festtage hat man sich dazu entschlossen, nicht die New England Patriots starten zu lassen, sondern Aaron Rodgers und seine Männer in Grün und Gold.

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Packers vs. Bears - ein besonderer Season-Opener

Um dem Jubiläum den würdigen Rahmen zu verleihen, hat man den Packers nicht irgendein Team gegenübergestellt: Green Bay gastiert bei den Chicago Bears. Das Team aus der "Windy City" und die Packers verbindet die älteste Rivalität der NFL-Geschichte.

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Green Bay liegt im Duell vorne

Bereits seit 1921 duellieren sich die beiden Franchises. Seit 1933 konkurrieren sie in den gleichen Divisions um die Krone. Aktuell haben die Packers in der meistgespielten Paarung der Liga-Geschichte knapp die Nase vorne. Ihren 97 Siegen stehen 95 Erfolge der Bears gegenüber, sechs Mal gab es ein Remis.

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Satte 13 Mal konnte sich Green Bay bereits zum NFL-Meister küren, vier Mal davon in der Super-Bowl-Ära. Dazu kommen noch acht Conference- und 18 Divisions-Titel.

Chicago feierte bisher acht NFL-Championships und einen Super Bowl. Die Conference konnte man lediglich drei Mal für sich entscheiden, zumindest bei den Divisions-Titel (19) haben die Bears knapp die Nase vorn.

1921: Die Rivalität beginnt mit einem Blowout

Im Gegensatz zu anderen Rivalitäten zieht diese Rivalität ihre Brisanz aber nicht aus einer geographischen Nähe (wie z.B. "The Battle of the Bay"). Zwar liegen beide Städte am Lake Michigan, dennoch liegen über 300 Kilometer zwischen den beiden Städten. Vielmehr wurde die Rivalität im ersten Spiel geboren, als die Packers 1921 bei den Bears (damals noch Chicago Staleys genannt) einen 0:20-Blowout verpasst bekamen.

Diese Schmach saß tief am Fox River und so waren die folgenden Aufeinandertreffen von einer besonderen Emotionalität geprägt. Wie groß die Abneigung der beiden Teams war, zeigte sich bereits drei Jahre später. Beim 3:0-Sieg der Packers mussten die ersten Spieler in der NFL-Geschichte wegen einer Prügelei des Feldes verwiesen werden. Noch in der ersten Hälfte artete eine verbale Auseinandersetzung zwischen Frank Hanny (Bears) und Tillie Voss (Packers) in eine Schlägerei aus.

Lambeau und Halas prägen die Teams

Zusätzlich angeheizt wurde die Rivalität noch durch zwei charismatische Personen, die die Identitäten ihrer Teams bis heute prägen sollten. Von 1920 bis 1967 war George Halas als Spieler und Coach bei den Bears tätig. Der "Papa Bear" genannte Halas lebte Chicago. Er war in der Stadt geboren und spielte an der University of Illinois Football, Baseball und Basketball. Ihm zu Ehren bekommt der NFC Champion seit 1984 die Georg Halas Trophy überreicht.

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In Green Bay war es Curly Lambeau, der tiefe Spuren hinterlassen hat. Er gründete das Team mit dem Sportjournalisten George Whitney Calhoun. 30 Jahre war er für die Packers als Spieler und Trainer tätig und feierte in dieser Zeit sechs NFL Championships. Dazu verewigte er sich mit dem ersten Vorwärtspass in der Packers-Geschichte.

Dafür benannte das Team vom Fox River das Stadion in Lambeau Field um. Da der Pokal für den Super-Bowl-Sieger nach einer anderen Packers-Legende, Vince Lombardi, benannt ist, bedeutet in Green Bay der Super-Bowl-Triumph, dass man Lombardi heim ins Lambeau Field bringt.

Wenige Playoffs-Duelle und schmerzende Niederlagen

Da die Packers und die Bears aufgrund der NFL-Regeln nie im Super Bowl aufeinandertreffen können, ist das Conference Final das wichtigste Spiel, das sie zusammenführen kann. Da sich aber erst vier Mal beide Teams für die Playoffs qualifizieren konnten, traf man überhaupt erst zwei Mal in den Playoffs aufeinander.

Der Höhepunkt war die Saison 2010/11, als man das Spiel um die NFC Championship im Soldier Field (Chicago) bestritt. Für viele Fans ist es bis heute das größte Spiel dieser Rivalität. Der junge Aaron Rodgers beendete seinen ersten Drive direkt mit einem Touchdown und Green Bays Defense tat sein Übriges, um das Spiel zu gewinnen. Drei Interceptions, von denen eine direkt zu einem Touchdown führte, standen am Ende auf dem Konto der Packers-Verteidigung.

Dazu musste Bears-Quarterback Jay Cutler verletzungsbedingt das Spiel frühzeitig verlassen. Nachdem auch sein Backup Todd Collins ausfiel, musste der dritte Quarterback, Caleb Hanie, das Spiel übernehmen. Im Schlussviertel unterlief ihm die folgenschwere Interception, die zum Touchdown der Packers-Defense führte.

Die Bears starteten noch einen Comeback-Versuch, der aber nicht von Erfolg gekrönt war. Der Rivale aus Wisconsin siegte 21:14 und holte sich zwei Wochen später gegen die Pittsburgh Steelers den vierten Super Bowl-Triumph.

Aber auch die Packers mussten schon schmerzende Niederlagen hinnehmen. In den 1940er und 50er Jahren feierten die Bears ganze 35 Siege und gingen nur fünf Mal als Verlierer vom Platz. 1985 bis 1988 konnten sie mit acht Siegen in Folge erneut eine Serie hinlegen. Die Packers revanchierten sich, als sie den Rivalen von 1994 bis 1998 regelmäßig eine Abreibung schlugen.

1941 als emotionaler Höhepunkt

Das emotionalste Spiel dürfte das Aufeinandertreffen am 14. Dezember 1941 gewesen sein. Der japanische Überfall auf Pearl Harbour war erst sieben Tage her und die USA befanden sich nicht nur plötzlich im 2. Weltkrieg, sondern auch immer noch in Schockstarre.

Das erste NFL-Spiel nach dem nationalen Horrorerlebnis war ausgerechnet die Partie Packers gegen Bears. Dazu war es kein normales Spiel der Regular Season, sondern ein Playoff-Spiel. Da beide Teams mit einem Record von 10-1 aus der Saison gingen, musste der Teilnehmer der damaligen Western Division am NFL Championship Game zum ersten Mal in einem Entscheidungsspiel gefunden werden.

Die Bears schlugen die Packers 33:14 und holten sich anschließend gegen die Giants den NFL-Titel. Aber viel wichtiger als das Ergebnis, war das Spiel selbst. Die Packers und Bears gaben der Nation einen Anker, mit dessen Hilfe die USA wieder zu einer Art Normalität zurückfinden konnten. Damit hat das Spiel eine vergleichbare Wirkung auf die Seele Amerikas, wie das Austragen der MLB-Playoffs nach dem 11. September.

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