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München - Verletzungsprobleme spülen Quarterback Devlin Hodges ins Rampenlicht der Pittsburgh Steelers. Der 23-Jährige kann bereits einen WM-Titel vorweisen.

Als Devlin Hodges vor einem Monat zu Hause bei seiner Mutter in Alabama den Rasen mähte, hätte er sich wohl nicht erträumt, dass er nur vier Wochen später erstmals in der NFL als Starter auflaufen würde.

Mit 15 erfolgreichen Pässen für insgesamt 132 Yards und einem Touchdown-Pass führte der 23-Jährige die Pittsburgh Steelers in der Nacht auf Montag gegen die Los Angeles Chargers zu einem ungefährdeten 24:17-Sieg.

Dabei war Hodges bis vor kurzem – außer eingefleischten Football-Fans - wohl lediglich Entenfreunden ein Begriff.

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Hodges krönt sich zum Juniorenweltmeister im Entenrufen

Bereits seit seiner frühsten Kindheit ging der Quarterback mit seinem jüngeren Bruder und seinem Vater auf die Entenjagd und eignete sich dabei die Kunst des Enten-Lockrufs an, einer eigenwilligen, aber in den USA durchaus weit verbreiteten Disziplin.

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Auf einer Fahrt zum "Junior World Duck Calling Contest" lernte er im Alter von sieben Jahren schließlich Butch Richenback, eine Legende in der Entenjagd- und Rufgemeinschaft, kennen, der fortan begann, denn jungen Devlin unter seine Fittiche zu nehmen. Zwei Jahre später gewann Hodges dann tatsächlich den Titel und krönte sich somit zum Juniorenweltmeister im Entenrufen, im vergangenen Jahr sicherte er sich zudem den Titel beim "Alabama State Duck Calling Championship".

"Er kann Monate damit verbringen, nicht einen Entenruf zu praktizieren, um am Ende doch einen Wettbewerb zu gewinnen. Ich vergleiche das gern mit einem Musikinstrument. Entweder du kannst es oder eben nicht", fasste seine Mutter Amy das ungewöhnliche Talent ihres Sohnes bei ESPN zusammen.

Ex-Trainer zieht Vergleiche zu Jared Goff

Ähnlich früh wie das Ausstoßen von Entenrufen erlernte Hodges auch das Football-Spiel. Mit fünf Jahren stand er das erste Mal auf dem Feld und warf direkt seinen ersten Touchdown-Pass. Es sollte der Beginn einer Karriere werden, die ihn 18 Jahre später sogar in die NFL führte.

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Über die Mortimer Jordan High School kam er schließlich auf die Samford University, wo er für die Bulldogs in der NCAA spielte und mit 111 Touchdowns und 14.584 Yards einen internen Rekord aufstellte. Von seinem Trainer bekam er zudem den Spitznamen "Duck" verpasst, den seine Team- und Klassenkameraden schnell übernahmen.

"Wenn du hier bei uns Devlin schreist, wissen die Leute nicht, wen du meinst", erzählte sein ehemaliger Offensive-Coordinator bei den Bulldogs, Russ Callaway, ESPN und geriet sogleich ins Schwärmen: "Er ist vielleicht der beste Spieler der FCS-Geschichte. Er hat vielleicht nicht den unglaublichen Arm wie Jared Goff, aber er ist nicht weit davon entfernt. Sein Mut, sein Selbstbewusstsein, seine Schnelligkeit und sein Ballspiel machen für mich all das wett, was ihm fehlt".

NFL-Draft wird zunächst zur Enttäuschung

Trotz seiner guten Leistungen auf dem College ging Hodgers beim diesjährigen NFL-Draft leer aus, kein Team war an seinen Diensten interessiert.

Immerhin luden ihn die Pittsburgh Steelers anschließend zu einem Probetraining nach Pennsylvania ein und statteten ihn schließlich am 13. Mai mit einem Vorvertrag aus, nur um ihn am 31. August wieder zu entlassen.

Als er sich schon auf dem Weg zu einem weiteren Probetraining bei den New York Jets befand, erhielt er einen Anruf von seinem Berater. Nach der Ellbogenverletzung von Star-Quarterback Ben Roethlisberger und dem Wechsel von Joshua Dobbs zu den Jacksonville Jaguars wollten ihn die Steelers als zweiten Mann hinter Quarterback-Ersatz Mason Rudolph.

Rudolph-Verletzung macht Hodges zum Starter

Als Back-Up verzeichnete er in den ersten vier Spielen gute 646 Yards und warf dabei sieben Touchdowns, als plötzlich seine große Stunde schlug.

Im Spiel gegen die Baltimore Ravens erlitt Rudolph, nach einem harten Tackling von Earl Thomas, eine schwere Gehirnerschütterung, wodurch er zunächst auf unbesttimmte Zeit ausfiel und Hodges somit gegen die Chargers erstmals als Starter in der NFL aufs Feld ging.

Sorgen bereitete das im Lager der Steelers aber niemandem. "Wir haben alle volle Zuversicht und Vertrauen in ihn. Alles was ein Quarterback in der Offensive wissen muss, weiß er", erklärte Tight End Nick Vannett im Vorfeld der Partie und sollte damit Recht behalten.

Hodges sieht Zukunft im Entenrufen

Erstmal kehrt er nun zurück ins zweite Glied, denn Rudolph darf am Wochenende zurückkehren. Auch wenn Hodges' Karriere in der NFL gerade erst begonnen hat, so existieren bereits Pläne für die Zeit nach seiner aktiven Zeit auf dem Football-Feld.

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"In der Mittelschule und den ersten paar Jahren an der High School war ich stark vom Entenrufen angetan und übte ständig. Aber als ich aufs College ging, konnte ich nicht mehr so viel Zeit damit verbringen, weil ich mehr Zeit für Football und Schulaufgaben aufwenden musste. Wenn meine Football-Tage vorbei sind, möchte ich definitiv wieder mit dem Entenrufen weitermachen und an Wettbewerben teilnehmen", erklärte er.

Bis dahin wird er weiter daran arbeiten, sich auch außerhalb der Entenruf-Szene einen Namen zu Machen. Den Grundstein dazu hat die "Ente" nun zumindest schon einmal gelegt.

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