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München - Philipp Grubauer ist nach Startproblemen bei den Colorado Avalanche angekommen - und wird mit sensationellen Paraden immer mehr zum Schrecken der NHL-Stars.

Die Audienz bei Donald Trump für den Stanley-Cup-Triumph der Vorsaison passte so gar nicht in den Zeitplan von Philipp Grubauer.

Während seine Ex-Kollegen von den Washington Capitals beim traditionellen Präsidenten-Empfang im Weißen Haus waren, gab der Rosenheimer beinahe zeitgleich dem NHL-Internetradio ein Interview. "Es wurde in letzter Minute geplant, das wäre für mich gar nicht möglich gewesen", sagte Grubauer.

Am Mittwoch trifft er mit den Colorado Avalanche auf die Vegas Golden Knights. Jedes Spiel zählt mitten im Kampf um die Playoffs, ein spontaner Kurztrip an die Ostküste kommt da ungelegen. Abgesehen davon, dass ihm diese Tatsache auch einen unangenehmen inneren Konflikt ersparte - angesichts des Images des US-Präsidenten in Deutschland.

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Philipp Grubauer gewann mit den Washington Capitals in der Vorsaison den Stanley Cup
Philipp Grubauer gewann mit den Washington Capitals in der Vorsaison den Stanley Cup © Getty Images

Grubauer glänzt in der NHL für Colorado Avalanche

Und es ist für den Eishockey-Nationaltorhüter ohnehin gerade viel schöner in der "Mile High City", die Fans in Denver haben ihren neuen Goalie aus Bayern inzwischen lieben gelernt. Bei den teils unfassbaren Paraden, die Grubauer im Augenblick zeigt, fällt das nicht schwer. Grubauer hat sinnbildlich heiße Hände, immer öfter tönt ein lautes "Gruuuuu" durch das Pepsi Center, die Heimstätte der Avalanche.

Bei der knappen 1:2-Niederlage nach Overtime gegen die Chicago Blackhawks staunten auch die US-amerikanischen Fernsehkommentatoren nicht schlecht, angesichts der zahlreichen Paraden, mit denen Grubauer sein Team lange Zeit im Spiel hielt. "Toews wird Grubauer heute Nacht in seinen Albträumen sehen", meinten die NBC-Reporter gar, nachdem Chicagos Jonathan Toews zum wiederholten Male am Deutschen gescheitert war - und bescheinigten Grubauer eine "absolut fabelhafte Torhüterleistung".

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Sechs Mal versuchte es Toews insgesamt vergeblich, an Grubauer vorbeizukommen, Blackhawks-Kollege Patrick Kane gar sieben Mal. Einige Tage zuvor war Dallas' Jamie Benn bei neun Versuchen verzweifelt, sein Mitspieler Tyler Seguin war immerhin mit einem seiner zehn Versuche erfolgreich gewesen. Es war der einzige von 45 (!) Torschüssen, die Grubauer in jenem Spiel passieren ließ. 

Kein Wunder, dass er sich immer mehr zum Schrecken der gegnerischen Stars entwickelt - und dass die NHL den 27-Jährigen am Montag als einen der drei besten Spieler der Vorwoche auszeichnete.

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Seine Bilanz: drei Siege bei vier Einsätzen, 1,49 Gegentore im Schnitt, 96,1 Prozent Fangquote. Wenn man die Bilanz erweitert auf Grubauers letzte zehn Einsätze, wird es noch eindrucksvoller: Dann stehen da ein Schnitt von 1,1 Gegentoren pro Spiel, 96,6 Prozent Fangquote und drei Zu-Null-Spiele. Unüberwindbar wie eine Mauer.

Avalanche dank Grubauer auf Playoff-Kurs

"Gruby wird die Eishockey-Version von Manuel Neuer", schrieb ein Fan bei Twitter unter dem Hashtag #Grupower. Der Schlussmann räumt ein, er sei durch die Erfolgsserie selbstbewusster, und auch eine taktische Anpassung hätte Wirkung gezeigt. "Wir haben unser Spiel etwas defensiver angelegt, ich sehe die Pucks besser, das macht meinen Job deutlich einfacher", erklärte er.

Grubauer ist der Hauptgrund, dass der zweimalige Champion, den Ex-Bundestrainer Uwe Krupp 1996 zum ersten Stanley-Cup-Triumph der Franchise-Geschichte schoss, auf Playoff-Kurs liegt. Noch sechs Spiele stehen in der Hauptrunde aus, die Avalanche besitzen im Moment ein kleines Polster von zwei Punkten.

Dabei war aller Anfang schwer. Nach seinem Wechsel im Sommer von Washington nach Denver hatte Grubauer trotz der Meisterschaft im Rücken große Anlaufschwierigkeiten, seine statistischen Werte waren unterdurchschnittlich, der Russe Semjon Warlamow lange die klare Nummer eins.

Grubauer denkt auch an Eishockey-WM

"Es war eine Achterbahnfahrt dieses Jahr", sagte er zu Recht. Vergessen, findet auch Verteidiger Erik Johnson: "Er sollte zum besten NHL-Spieler in diesem Monat gewählt werden, echt beeindruckend."

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Auch Bundestrainer Toni Söderholm hat sich am letzten Samstag davon ein Bild gemacht. Klar, dass er begeistert war und Grubauer liebend gern bei der WM vom 10. bis 26. Mai in der Slowakei dabei hätte. Der Goalie, der auch bei der Heim-WM vor zwei Jahren sensationell stark spielte, ist jedoch erst mal auf die NHL fokussiert.

"Sollten wir unser Ziel verfehlen", sagte Grubauer aber dem SID, "dann bin ich bereit für Deutschland zu spielen. Das habe ich schon immer gesagt."

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