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München - Frankfurt wird japanischer. Dafür sorgt ein Volleyballer der United Volleys. Masahiro Yanagida löst beim Bundesligisten einen regelrechten Hype aus.

Der Volleyball kämpft um Aufmerksamkeit. Ein Problem, was auch die United Volleys Frankfurt betrifft – zumindest in Deutschland. (Volleyball-Bundesliga: VfB Friedrichshafen - United Volleys Frankfurt am Dienstag ab 18.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM)

Seit der Verpflichtung von Masahiro Yanagida ist das Team in Japan eine große Nummer und könnte sich dort vermutlich problemlos vermarkten und in neue (finanzielle) Dimensionen vorstoßen. In den sozialen Netzwerken können sich die Hessen vor japanischen Liebesbekundungen und exorbitantem Fanzuwachs kaum noch retten.

Doch woher kommt dieser Hype, und ist die Verpflichtung des japanischen Nationalspielers nur ein Marketing-Gag?

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Volleyball-Land Japan

Um den Hype zu verstehen, muss man sich das Land genauer anschauen. Japan ist traditionell volleyballverrückt. Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2020 in Tokio genießt der Sport eine noch größere Aufmerksamkeit als ohnehin schon.

Um sich perfekt auf die Spiele vorzubereiten, trainieren und spielen nahezu alle Nationalspieler in der heimischen Liga, nur in Ausnahmefällen dürfen die Nationalspieler nach Europa wechseln. Ein solcher Ausnahmefall in Masahiro Yanagida, der Kapitän seiner Nationalmannschaft.

Er soll sich mit den Besten der Welt messen, um sein Team bei den Spielen in Tokio zu einer Medaille zu führen. Die Aufmerksamkeit der Medien und Fans, welche sich in der heimischen Liga auf eine ganze Liga konzentriert, fokussiert sich im Ausland auf nur einen Spieler.

Mehr Follower auf Social Media als Akanji

Yanagida ist eine Ausnahmeerscheinung in Japan, das macht ihn zum Star. Die United Volleys Frankfurt kündigten ihren "Masahero" gar als den "japanischen David Beckham" an.

Ein kleiner Blick auf die Zahlen verrät: In Sachen Social Media und PR hat sich der Transfer schon jetzt gelohnt. Über 200.000 Follower verfolgen die Karriere des Außenangreifers auf Instagram, das sind mehr als bei Manuel Akanji, der für Borussia Dortmund sogar in der Champions League aufläuft – und wir sprechen hier vom allmächtigen Fußball.

Auch auf Twitter kannten die Volleyballer bis zur Verpflichtung Yanagidas kaum Zahlen jenseits der 100 Likes. Laut Angaben der United Volleys sind die Followerzahlen des Instagram-Profils des Vereins von 6.000 auf 12.000 gestiegen, bei Twitter von 1.600 auf 4.300. Der Frauenanteil wuchs von 50 Prozent auf zwei Drittel.

Japan dreht durch, United wird dort nun nicht mehr nur mit dem fußballerischen Namensvetter aus Manchester verbunden. Gerüchten zufolge wurden bereits VIP-Dauerkarten für die laufende Saison nach Japan verkauft.

Was der Außenangreifer auch anpackt, es findet Gefallen in seiner Heimat. Zuletzt ging er sogar unter die Autoren und veröffentlichte ein Buch über seinen sportlichen Werdegang, um Jugendliche in seiner Heimat zu inspirieren. Japanische TV-Teams sind ab sofort in der Fraport Arena keine Seltenheit mehr.

In Frankfurt hat man reagiert und twittert mittlerweile auch auf japanisch.

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Kein Marketing-Gag

Doch neben der gestiegenen (und weiter steigenden) Aufmerksamkeit steht die Verpflichtung auch sportlich in einem guten Licht. (Tabelle der Volleyball-Bundesliga)

Bereits in der Saison 2017/18 verzauberte der Japaner die Volleyball-Bundesliga mit seinem Spiel, erreichte mit Außenseiter Bühl sogar das Pokalfinale in Mannheim und wurde zum wertvollsten Spieler gewählt. Auch schlug der 27-Jährige mit Abstand die meisten Asse der Saison (56), der Zweitplatzierte dieser Wertung landete bei gerade einmal 34 direkten Aufschlagpunkten.

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"Ich hatte nie die Chance mit japanischen Spielern zu arbeiten. Er hat extrem viel Spaß am Spiel. Man kann gut mit ihm arbeiten, es ist eine Ehre für mich", bekennt auch Stelio DeRocco, Trainer der United Volleys. Der Kanadier, der seine zweite Saison am Main absolviert, möchte mit Yanagida ganz oben angreifen.

Mit Yanagida zum Titel?

Angreifen ist ein gutes Stichwort, denn mit seinen gerade einmal 1,86 Meter ist Yanagida fast zu klein, doch mit den gefühlten Sprungfedern in seinen Schuhen schafft er es immer wieder, dem gegnerischen Block ein Schnippchen zu schlagen. Dazu kommen seine Qualitäten in Annahme und Abwehr, die ihn zu einem der komplettesten Außenangreifer der Liga machen.

Die Verpflichtung Yanagidas ist also alles andere als ein Marketing-Gag. Vielmehr unterstreicht sie, dass die Frankfurter es diese Saison so richtig ernst meinen. In Friedrichshafen sollten sie vor dem Match gegen die noch ungeschlagenen Hessen gewarnt sein.

Einen letzten Vorteil hat die Verpflichtung für Trainer DeRocco dann noch: "Ich wollte schon immer ein gutes japanisches Restaurant in Frankfurt finden. Ich denke, das wird jetzt einfacher."

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