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Benedikt Doll gehört zu den deutschen Stars im Biathlon
Benedikt Doll gehört zu den deutschen Stars im Biathlon © Getty Images
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München - Die neue Biathlon-Saison steht in den Startlöchern. Benedikt Doll spricht vorab im Interview mit SPORT1 über seine Ziele, die WM und die großen Favoriten.

Die neue Weltcup-Saison im Biathlon steht vor der Tür.

Am Samstag starten die deutschen Biathleten in Jahr eins nach Laura Dahlmeier im schwedischen Östersund wieder in die Loipe. Der Start zieht sich dabei erstmals über neun Tage.

Der zerpflückte Zeitplan erntete Kritik - auch von Bundestrainer Mark Kirchner. Trotzdem haben sich die deutschen Biathleten viel vorgenommen und wollen auch nach dem Karriereende von Dahlmeier die deutschen Fahnen hochhalten. Bei den Männern gibt es in Arnd Peiffer, Benedikt Doll und Erik Lesser mehrere Anwärter auf das Podest.

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Im Interview mit SPORT1 blickt Doll auf die anstehende Saison sowie die WM im Februar voraus, nennt seine Ziele und analysiert die Topfavoriten um Johannes Thingnes Bö und Martin Fourcade.

SPORT1: Herr Doll, die vergangene Saison haben Sie auf Platz sieben im Weltcup beendet. Was sind die Ziele für diese Saison?

Benedikt Doll: In der vergangenen Saison hatte ich das Ziel, die Top 6 zu erreichen. Ein paar Punkte haben auf den sechsten Platz gefehlt. Daher sind die Top 6 im Gesamtweltcup wieder das Ziel.

Doll über Ziele bei WM 2020

SPORT1: Was nehmen Sie sich für die WM 2020 in Antholz vor?

Doll: Eine Einzelmedaille ist auf jeden Fall möglich. Aber dafür muss alles zusammenpassen. Bei den Herren sind es schließlich 20 bis 30 Athleten, die eine Medaille holen können.

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SPORT1: Wie bereiten Sie sich allgemein auf die WM vor? Lässt man auch den einen oder anderen Weltcup aus?

Doll: Wir haben uns intensiv auf die ersten Weltcups vorbereitet. Aber nicht so, als wäre der erste Weltcup das absolute Highlight. Wir blicken schon auf die WM. Die ersten Weltcups wird es daher vielleicht ein bisschen schwerer gehen, aber dann kommt man umso besser rein und hat genügend Energie für die WM im Februar. Vor der Weltmeisterschaft haben wir zwei Wochen Zeit zur Vorbereitung, das reicht auch. Wir haben zwar sehr viele Rennen, aber zwischen den Dreierblöcken an Weltcups auch genug Zeit, zu trainieren.

SPORT1: Laura Dahlmeier hat ihre Karriere beendet. Nun werden andere, unter anderem Sie, stärker in den Fokus rücken. Freuen Sie sich darauf?

Doll: Laura hat viel erreicht. Aber sie ist ja nicht die einzige, die etwas gewonnen hat. Arnd (Peiffer, Anm. d. Red.) ist Olympiasieger und wurde letztes Jahr Weltmeister. Das Team steht im Fokus. Meine Philosophie ist folgende: Ich gehe in jedes Rennen und gebe mein Bestes, aber es kann nicht jeden Tag funktionieren. Umso schöner ist es doch für Deutschland, wenn man sechs starke Biathleten hat, die sich abwechseln können. Bei mir ist es mittlerweile so, dass ich wie Arnd, Erik (Lesser, Anm. d. Red.), Simon (Schempp, Anm. d. Red) schon länger etabliert bin und zu den Älteren gehöre. Natürlich trägt man da eine gewisse Verantwortung. Der möchten wir auch gerecht werden. Das heißt, stabil gute Rennen zu machen. Das ist mein Ziel.

Doll: Bö und Fourcade mit Favoriten-Rolle

SPORT1: Johannes Thingnes Bö hat die vergangene Saison nach Belieben dominiert. Erwarten Sie ähnliches oder trauen Sie den Verfolgern zu, ihn herauszufordern?

Doll: Das kann man schwer beantworten. Ich erwarte schon, dass er vorne mitläuft und eine dominante Rolle einnimmt. Wie dominant, weiß ich nicht. Aber ich denke, dass er um den Gesamtweltcup mitkämpfen wird.

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SPORT1: Was ist mit Martin Fourcade, der die Biathlon-Szene jahrelang dominierte und in der vergangenen Saison enttäuschte?

Doll: Fourcarde wird sicherlich auch um den Gesamtweltcup mitkämpfen. Die Franzosen haben mit Quentin Fillon Maillet und Simon Desthieux zwei weitere starke Athleten. Das ist auf jeden Fall ein starkes Team. Da wollen wir Deutschen natürlich mitmischen.

SPORT1: Wie sehen Sie das deutsche Team in dieser Saison aufgestellt?

Doll: Philipp Horn hat in Norwegen einen sehr guten Eindruck gemacht. Von ihm verspreche ich mir viel. Er muss seine Leistung nur auch im Wettkampf rüberbringen, das ist vielleicht seine Schwäche. Wenn das klappt, ist großes Potenzial da. Philipp Nawrath war auch richtig gut unterwegs. Johannes Kühn ist schon immer läuferisch gut dabei. Im deutschen Team sind sieben bis acht Biathleten, die sich auf Weltklasse-Niveau bewegen. In den letzten Jahren waren es immer nur fünf oder sechs.

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Doll kritisiert neue Wettkampf-Formate

SPORT1: Bundestrainer Mark Kirchner hat den Zeitplan beim Saisonauftakt in Östersund schwer kritisiert. Wie ist ihre Meinung dazu?

Doll: Es wird ein vorläufiger Plan erstellt. Aber der ist meistens schon so endgültig, dass Athleten und Trainer keinen Einfluss mehr haben. Vielleicht können wir bei ein paar Kleinigkeiten mitwirken, aber der Großteil steht schon. Der erste Weltcup ist alles andere als toll. Am Samstag findet die Staffel statt, bei der nur vier Deutsche laufen. Am Mittwoch haben wir dann unser Einzel und zwei dümpeln bis Sonntag rum, bis wir heimfliegen. Das wird so gelegt, wie es in den TV-Plan am besten reinpasst. Da haben wir sicherlich in den nächsten Jahren noch Verbesserungspotenzial. Aber wir haben eine starke Athletenstimme und können das auch beeinflussen.

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SPORT1: Gibt es grundsätzlich etwas, wo Sie sich Änderungen im Biathlon wünschen?

Doll: In den letzten zwei, drei Jahren hat sich viel getan. Was ich für die nächsten Jahre ein wenig kritisch sehe, ist, dass immer versucht wird, an den Wettkampf-Formaten rumzuschrauben. Klar gibt es unattraktivere und attraktivere Rennen. Aber ich glaube, dass ein Erfolgsgeheimnis des Biathlons in den letzten Jahren war, dass der Zuschauer wusste, worauf er sich einstellen kann. Im Fußball weiß der Zuschauer, dass zwei Mannschaften versuchen, das Runde ins Eckige zu schieben. Im Biathlon wussten die Zuschauer, die Athleten laufen im Kreis und müssen die Scheiben treffen. Es ist wichtig, dass es einfach zu verstehen ist.

SPORT1: Haben Sie dazu ein konkretes Beispiel?

Doll: Das neue Format des Super-Sprints, bei dem es einen Vorlauf und einen Hauptlauf mit einer Pause von sechs Stunden dazwischen gibt, ist absolut nicht optimal. Das, behaupte ich, brauchen beziehungsweise möchten die Zuschauer nicht und für die Athleten ist es sowieso nicht optimal. An den Rennformaten sollte man vielleicht daran festhalten, wie es momentan ist. Schließlich sieht es doch ganz gut mit unserer Sportart aus. Sollte es bergab gehen und Biathlon unattraktiv werden, muss man sich etwas überlegen. Aber aktuell besteht eigentlich kein Handlungsbedarf.

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