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Bei Alexander Loginov fand eine Doping-Razzia statt
Alexander Loginov startet nicht im Massenstart © Getty Images
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Arnd Peiffer spricht über die Doping-Razzia bei Alexander Loginov und hofft auf dessen Unschuld. Den Zeitpunkt der Durchsuchung kritisiert er scharf.

Die Nachricht über die Doping-Razzia in den frühen Morgenstunden erwischte auch Arnd Peiffer kalt.

Wie eine dunkle Wolke überschattete der Verdacht gegen den ehemaligen Dopingsünder und neuen Sprint-Weltmeister Alexander Loginov die strahlende WM in Antholz, und Olympiasieger Peiffer zeigte sich besorgt. "Ich hoffe einfach", sagte der 32-Jährige mit ernster Miene, "dass da nicht wieder was ist und sich keine Verdachtsfälle erhärten. Das wäre mein Wunsch."

Am Sonntag entschied sich Loginov gegen einen Start im abschließenden Massenstart (Biathlon-WM: Massenstart ab 15 Uhr im LIVETICKER).

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"Die aktuellen Ereignisse haben Alexander dazu gezwungen, nicht zu starten", teilte der russische Biathlon-Verband (RBU) auf Twitter mit. Der 28-Jährige befinde sich "aufgrund der jüngsten Umstände nicht in einem optimalen psychologischen Zustand" für das Rennen.

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Bei einer Polizei-Aktion war am Samstagmorgen unter anderem das Hotelzimmer des Russen Loginow durchsucht worden. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Bozen. Nur eine Woche zuvor hatte der 28-Jährige, der 2014 des Epo-Dopings überführt und für zwei Jahre gesperrt worden war, mit seinem überraschenden WM-Titel im Sprint schon die Gemüter erhitzt.

Peiffer: "Konkrete Anhaltspunkte notwendig"

"Ich tippe mal, dass bei den Italienern auch konkrete Anhaltspunkte notwendig sind, sonst würden die ja nicht einfach so in ein Hotelzimmer gehen", mutmaßte Peiffer. Die Staatsanwaltschaft führte die Durchsuchung auf Basis von Paragraph 586 des Strafgesetzbuches durch. Dieser untersagt die Verwendung oder Verabreichung von Dopingmitteln. Wie Wladimir Dratchev, Präsident des russischen Biathlon-Verbandes RBU, der russischen Nachrichtenagentur Interfax sagte, richtete sich die Aktion auch gegen Loginovs persönlichen Trainer Alexander Kasperovitch.

Der Zeitplan der Biathlon-WM

"Sie haben mein Handy, meinen Laptop und persönliche Dinge von mir beschlagnahmt", berichtete Loginov, der in der Vorwoche einen Tag nach Sprint-Gold auch Bronze in der Verfolgung geholt hatte, beim russischen Sender Match-TV. Die Razzia fand nur wenige Stunden vor dem WM-Staffelrennen statt, in dem Loginov als Schlussläufer das russische Quartett auf Rang vier führte - und teilweise Pfiffe und Buhrufe aus dem Publikum erntete.

Loginov erzählte weiter, er und sein Teamkollege Evgeniy Garanichev seien "um sechs Uhr davon aufgewacht, dass sie versucht haben, die Tür aufzubrechen. Sie haben sofort unsere Waffen an sich genommen, als wären wir gefährliche Kriminelle." Die Ermittler hätten beide Sportler gebeten, "ruhig sitzen zu bleiben in unseren Unterhosen. Sie waren nur an meinen Sachen interessiert. Ich bat darum, einen Dolmetscher zu bekommen. Das macht mich sehr wütend."

"Das Wichtigste ist jetzt, sein psychisches Gleichgewicht wiederherzustellen", sagte Kasperovitch der russischen Nachrichtenagentur TASS über seinen Schützling. "Was er sich jetzt am meisten wünscht, ist die Wiedervereinigung mit seiner Familie", fügte er hinzu.

"Für die Burschen schon hart"

Aus dem deutschen Lager gab es Kritik am Zeitpunkt und der Durchführung der Operation. "Es ist natürlich für die Burschen schon hart", sagte Peiffer, "wenn da morgens um sechs die Polizei steht, ohne Dolmetscher, und man weiß gar nicht, was los ist - und man muss dann noch eine Staffel laufen." Auch sein Teamkollege Erik Lesser merkte an: "Das hätten sie wann auch immer machen können, nur nicht vor einem Mannschaftsrennen. Das fand ich ein bisschen fehl am Platz."

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Schon seit seiner Sperre wird Loginov in der Szene kritisch beäugt. Dieser sei "wieder auf einem Niveau wie zu den Zeiten, als er diesen Epo-Missbrauch durchgeführt hat. Da ist natürlich schon immer ein bisschen ein Geschmäckle dabei", sagte Peiffer nach dem Sprint. Andererseits müsse "man die Unschuldsvermutung walten lassen. Das fällt nicht immer leicht." Schwedens Staffel-Olympiasieger Sebastian Samuelsson hatte Loginows Sieg gar als "Schande für den Sport" bezeichnet.

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