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München - Felix Neureuther zu ersetzen, wird schwer: Ex-Skirennläufer Markus Wasmeier spricht im SPORT1-Interview über dessen Karriere und wer in seine Fußstapfen treten kann.

Mit dem siebten Platz beim Slalom in Adorra beendete Felix Neureuther seine Karriere. Nach 16 Jahren im Ski-Alpin-Zirkus kündigte der 34-Jährige seinen Rücktritt an. Neureuther hinterlässt eine große Lücke. Doch es gibt Hoffnung auf eine neue, erfolgreiche Zeitrechnung im deutschen Ski-Alpin-Team.

Das zumindest ist die Meinung von Markus Wasmeier. Im SPORT1-Interview spricht der ehemalige Skirennläufer über die außergewöhnliche Karriere von Felix Neureuther, dessen Zukunft und mögliche Nachfolger auf der Piste.

SPORT1: Nach 16 Jahren hat Felix Neureuther seine Karriere beendet. Welchen Stellenwert hatte er für den Deutschen Ski-Verband in den letzten Jahren?

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Markus Wasmeier: Felix Neureuther war nicht nur für den DSV immens wichtig, sondern für den ganzen Skisport. In den vergangenen zehn bis zwölf Jahren gehörte er immer zu den Topfahrern. Die Bodenhaftung hat er trotzdem behalten. Dabei war es nicht immer leicht für ihn. Bei Misserfolgen musste er alles ausbaden. Gleichzeitig hat er der Truppe sportlich und menschlich so viel gegeben. Er war ein richtiger Teamplayer. Das passiert selten.

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Wer Neureuthers Lücke schließen kann

SPORT1: Was bedeutet sein Karriereende für seine Rolle als Vorbild?

Wasmeier: Um jeden, der so erfolgreich war und dabei so menschlich geblieben ist, ist es schade. Aber Felix wird immer wieder mit seiner Leidenschaft auftauchen. Ich hoffe, er bleibt dem Skisport damit treu.

SPORT1: Wer kann die Lücke von Felix Neureuther schließen?

Wasmeier: Felix Neureuther zu ersetzen, wird sehr schwer. Jemand muss über einen längeren Zeitraum hineinwachsen. Vielleicht schafft Stefan Luitz das nach seinem Comeback. Für mich ist es ohnehin der Wahnsinn, was mit ihm gemacht wurde: Die Geschichte um seinen aberkannten Sieg, was nun wieder zurückgenommen wurde. Diese Unsicherheit hat ihn meiner Meinung nach aus der Bahn geworfen, was auch zur Verletzung führte. Ich hoffe, dass Linus Straßer weiterhin seinen Weg geht. Auch Alexander Schmid liefert kontinuierlich Ergebnisse. Das Abfahrts-Team ist mit Thomas Dreßen und Andreas Sander eine schlagkräftige Truppe. Vielleicht kommt ja auch Fritz Dopfer nochmal zurück. Natürlich tut Felix' Verlust weh, aber das deutsche Skifahren steht heute viel besser da, als vor einigen Jahren.

"Als Mensch faszinierend": Neureuthers Zukunft

SPORT1: Wie könnte die Zukunft von Felix Neureuther aussehen?

Wasmeier: Ich glaube, Felix ist kein Athlet für Verbandsarbeit. Er ist zu selbständig, um immer erst nachzufragen, was er tun darf. Im Nachwuchssport kann er sehr wichtig werden. Mit seiner Initiative "Beweg dich" setzt er sich schon für Kinder und Jugendliche ein. Daher denke ich nicht, dass er für den Sport verloren ist. Im Gegenteil: Mit seiner Art kann er Menschen motivieren. Diese Fähigkeit setzt er besonders gern im Nachwuchsbereich ein. Diese Kinder sind die Zukunft unseres Sports. Neben diesem Engagement ist er greifbarer für seine Sponsoren, weshalb eine aktive Zeit auf ihn zukommt. Aber ich habe keine Bedenken. Er ist als Mensch so faszinierend, dass er viel mit Vorträgen und Ähnlichem unterwegs sein wird.

SPORT1: Sehen Sie Parallelen zu Ihrem eigenen Karriereende?

Wasmeier: Ich habe nach meiner Karriere direkt beim TV angefangen und bin 20 Jahre geblieben. Seine Pläne kenne ich nicht, aber wir haben viele Parallelen. Sportlich und menschlich ähneln wir uns sehr, auch wenn wir unterschiedliche Interessen haben. Wie ich bei meinem Karriereende, hat Felix eine junge Familie. Ab einem bestimmten Alter will man seine Kinder aufwachsen sehen. Wenn man 300 Tage im Jahr unterwegs ist, ist das schwer möglich. Ich habe das Glück, mit ihm befreundet zu sein. Felix und seine kleine Familie mit Miriam und Matilda sind einfach das Größte. Für mich ist jedes Treffen mit ihnen ein Geschenk.

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