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Felix Neureuther spricht im Interview über sein Leben als "Skirentner", den Rücktritt von Marcel Hirscher und benennt die Probleme des deutschen Ski-Nachwuchs.

Felix Neureuther hat seine Karriere als Ski-Rennläufer beendet. Das bedeutet aber nicht, dass er aktuell nichts zu tun hat.

Nun ist er als Familienvater eingespannt und verfasst nebenbei Kinderbücher. Sein aktuellstes Werk "Ixi, Mimi und das Zaubermüsli" hat er gemeinsam mit seiner Frau Miriam Neureuther verfasst.

Im SPORT1-Interview spricht er über sein Leben als Skirentner, den Rücktritt von Marcel Hirscher und verrät, was er sich auf keinen Fall vorstellen kann.

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SPORT1: Herr Neureuther, wann dürfen wir denn mit Ihrem ersten Schlageralbum rechnen?

Neureuther: Um Gottes Willen. Da könnt ihr lange warten. Das wird definitiv nicht der Fall sein. Das eine Lied, das war eine schöne Geschichte. Es ist alles für den guten Zweck und ich meine, wenn das jetzt noch ein bisschen aufgegriffen wird auf diversen Volksfesten und dadurch nochmals Geld generiert wird für die Stiftung, dann ist das etwas sehr Schönes, aber die Schlagerkarriere, die ist erstmal hinten angestellt.

SPORT1: Kein Schlagersänger, aber Kinderbuchautor – wie sehen ansonsten Ihre Zukunftspläne aus?

Neureuther: Ich werde für das Fernsehen arbeiten im Winter, als Skiexperte der ARD und darauf freue ich mich schon total, weil ich dann trotzdem noch ein Teil vom Ski-Zirkus bin, das habe ich so viele Jahre gemacht und deswegen bin ich heilfroh, dass ich weiterhin dabei sein darf. Dann habe ich diverse andere Termine, es steht ein zweites Kind bei uns an – uns wird es sicherlich nicht langweilig Zuhause werden. Es gibt wirklich noch ein paar schöne Projekte, unter anderem auch meine Stiftung, in die ich sehr viel Zeit reinstecke und wo neue Dinge anstehen.

Neureuther: "Immer so ein hin und her"

SPORT1: Wie gestaltet sich sonst Ihr Leben als Skirentner?

Neureuther: Ich dachte, dass es ein bisschen entspannter wird, ehrlich gesagt. Nein, es ist ja auch schön, dass was los ist, aber ich merke schon, dass es die richtige Entscheidung war, die Karriere zu beenden. Es beginnt jetzt einfach eine Zeit für etwas Neues, für neue Aufgaben und da freue ich mich auch total drauf, auf die Herausforderungen. Es ist definitiv anders, mit wesentlich weniger Nervenkitzel, aber dafür umso schönere private Momente.

SPORT1: Sie haben gesagt, dass Sie Ihr Karriereende als Befreiung gesehen haben – inwiefern?

Neureuther: Du beschäftigst dich mit so einem Karriereende nicht nur ein oder zwei Wochen. Das dauert ja schon ziemlich lange, bei mir hat es anderthalb Jahre gedauert, in denen ich immer hin und her überlegt habe. An einem Tag, wenn wieder alles wehgetan hat: 'Es ist vorbei, es geht nicht mehr'. Am nächsten Tag ist es besser gegangen: 'Nein, ich pack jetzt voll an'. Das war immer so ein hin und her - das kostet unheimlich viel Energie.  Das hatte aber gar nichts mit dem Sport zu tun, weil ich den Skisport noch nach wie vor genauso liebe.

SPORT1: Ziehen Sie nun einen Job als Trainer in Erwägung?

Neureuther: Jetzt noch nicht, eben weil ich noch so viel unterwegs bin. Ich helfe wirklich gerne den Nachwuchsathleten, auch den Jugendlichen, wenn sie Fragen haben oder komme auch gerne mal zu Trainingskursen oder auch zu Rennen, aber das würde jetzt noch zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich war so viel unterwegs, mein Leben lang. Es ist jetzt auch wirklich mal an der Zeit, mehr für die Familie da zu sein und da wäre ein Trainerjob sicher nicht das richtige im Moment.

SPORT1: Aber in Zukunft denkbar?

Neureuther: Ja, aber hauptberuflich kann ich es mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen.

Neureuther über Hirscher-Rücktritt: "Sehr schade"

SPORT1: Thema Karriereende: Es hat kürzlich noch jemand seine Karriere beendet, Marcel Hirscher. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Neureuther: Ich habe es schon sehr schade gefunden, weil ich ihm gerne beim Skifahren zuschaue, weil er den Sport auf ein anderes Level gehoben hat und ich jetzt sozusagen auf der anderen Seite der Kamera stehe und ihn echt total gerne analysiert hätte, um dem Zuschauer das auch näher zu bringen: 'Was macht er besser als die anderen?' Jetzt hat er leider Gottes aufgehört, deswegen hat es mir schon sehr weh getan.

SPORT1: Können Sie die Entscheidung nachvollziehen?

Neureuther: Ich finde es absolut nachvollziehbar und gratuliere ihm auch zu der Entscheidung.

SPORT1: Neben Marcel Hirscher hat sich auch noch Lindsey Vonn verabschiedet…

Neureuther: Aksel Svindal ist auch zurückgetreten. Das ist natürlich schon ein harter Schlag für den Skisport, aber auch eine Riesenchance für die Jugendlichen oder für die Jungen, die nachkommen, sich jetzt ein eigenes Denkmal aufzubauen. Die Chance, die müssen sie auch nutzen, denn so groß wie jetzt wird sie nicht noch einmal werden.

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SPORT1: Wer kann diese große Lücke jetzt füllen?

Neureuther: Da gibt es schon ein paar, aber klar, die müssen sich auch erstmal entwickeln, aber wer sicher von den Erfolgen her ziemlich durchstarten wird, ist der Henrik Kristoffersen, Alexis Pinturault und dann kommen wirklich noch ein paar gute Junge nach, speziell auch bei den Schweizern. Ich hoffe natürlich, dass der Stefan Luitz wieder richtig gut zurückkommt, wie auch Thomas Dreßen nach einer Verletzung und dass wir Deutschen ein richtiges Wörtchen mitreden. Es ist auch für uns eine Chance.

Neureuther: Schulsystem sportfreundlicher gestalten

SPORT1: Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft des deutschen Skisports?

Neureuther: Sorgen jetzt noch nicht, aber es ist schon im Allgemeinen so, dass wir einfach in Deutschland sicher nie die Masse an Nachwuchskräften nach oben bringen. Das liegt schon alleine an den Bergen und so weiter, an der Wettersituation und an der Schneelage in Deutschland. Das ist einfach so, dass das in Österreich, in der Schweiz, in Frankreich, Italien vor allem auch in Norwegen ganz anders ist und da sind auch die Schulsysteme ganz andere, wo die Jugendlichen gefördert werden – da können wir einfach nicht mithalten, aber vereinzelt können definitiv schon gute nach oben kommen.

SPORT1: Und wie können wir dem entgegenwirken?

Neureuther: Das Schulsystem muss sportfreundlicher werden, dass die Kinder nicht den ganzen Tag in der Schule sitzen, dass sich Kinder während des Schulunterrichts auch bewegen, aber das ist sowieso insgesamt ein Thema, dass man unbedingt angehen muss, dass Kinder auch vom Kopf her sicher nicht so viel weiter kommen, wenn sie sechs Stunden am Tag nur auf dem Stuhl sitzen und vollgeknallt werden mit irgendwelchem Wissen, sondern dass man explizit auch Teile rausnimmt vom Unterricht, wo ein Bewegungsprogramm stattfindet - das wäre sehr wichtig.

SPORT1: Was sagen Sie als Bayern-Fan zum aktuellen Kader und was glauben Sie, wie weit sie kommen in dieser Saison?

Neureuther: Ich finde den Kader wirklich stark, auch sehr breit aufgestellt, es sind noch ein paar Schräubchen, an denen gedreht werden muss, dass das Gesamtsystem passt, auch dass sie für sich selber ein System gefunden haben, wo sie wissen: Okay, darauf können wir immer zurückgreifen und es funktioniert und dann können sie schon weit kommen. Der Kader ist gespickt mit Top-Leuten, die international auch mithalten können, auch wenn es schwer wird.

SPORT1: Noch eine letzte Frage. Sie sind Autor, TV-Experte, Synchronsprecher, gibt es etwas, was Sie sich nicht vorstellen könnten?

Neureuther: Schwierige Frage. Es gibt schon vieles – ich kann mir niemals vorstellen, ins Dschungelcamp zu gehen, das würde ich niemals machen. Also ich kenne meine Grenzen.

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