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München - Legende Markus Wasmeier übt bei SPORT1 Kritik am umgemodelten Ski-Alpin-Weltcup - und ist zuversichtlich, dass Felix Neureuther ersetzt werden kann.

Wenn sich der Oktober dem Ende zuneigt, richten die Wintersport-Fans ihre Blicke nach Sölden ins Ötztal. Dort wird die lange Wintersaison traditionell mit dem Riesenslalom des alpinen Skizirkus' eröffnet.

Eigentlich alles wie immer, möchte man meinen - und doch ist in dieser Saison irgendwie vieles anders.

Die viel kritisierte Kombination wurde nicht, wie von zahlreichen Fans, Athleten und Experten gefordert, abgeschafft, sondern die Regeln modifiziert. Zudem können die Athleten erstmals im Parallel-Rennen eine weitere Kristallkugel gewinnen. Außerdem muss der Skizirkus die Rücktritte absoluter Weltstars verkraften: Dauer-Dominator Marcel Hirscher, DSV-Star Felix Neureuther sowie die Speedchampions Aksel Lund Svindal und Lindsey Vonn hingen nach der vergangenen Saison ihre Skier an den Nagel.

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Ungeliebte Disziplinen werden fortgesetzt, Identifikationsfiguren gehen verloren - befindet sich der Skisport in der Krise?

Wasmeier übt Kritik: "Das ist lächerlich"

Zumindest was die Disziplinen betrifft, fordert Ski-Legende Markus Wasmeier im Gespräch mit SPORT1 ein Umdenken - vor allem hinsichtlich Kombination und Parallel-Events: "Ich finde die Kombination gut, wie sie früher war. Man bestreitet an einem Wochenende beide Spezialdisziplin, Abfahrt und Slalom. Jetzt wird die Kombination an einem Tag für ein paar wenige Athleten abgehalten, das ist nicht mehr attraktiv. Stattdessen sollte vermehrt das Augenmerk auf den Parallel-Events liegen. Das ist die Disziplin der Zukunft."

Doch diese Disziplin wird vom Internationalen Skiverband (FIS) noch stiefmütterlich behandelt. Zwar wird der Parallel-Slalom in dieser Saison erstmals als eigene Disziplin gewertet, doch angesichts zwei Rennen bei den Herren und drei Rennen bei den Damen ist die Planung des Rennkalenders alles andere als progressiv. Zum Vergleich: Die ungeliebte Kombination kommt bei den Herren auf drei Rennen, bei den Damen sogar auf vier.

"Das ist lächerlich. Mit nur zwei Rennen brauche ich keine Kristallkugel vergeben. Entweder ich mach mindestens fünf bis sechs Wettkämpfe oder ich lass es. Bei der Kombi in der letzten Saison waren es nur zwei. Da machen sie (FIS, Anm. d. Red.) sich keine Freunde", untermauert der zweimalige Olympiasieger seinen Standpunkt.

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Die Attraktivität des Skisports muss laut Wasmeier erhöht werden, dies ginge über die Parallel-Events. "Wir haben erstmals eine Disziplin, die wir beispielsweise mit Damen und Herren gemeinsam ausrichten können. Auch Staffeln wären möglich. Der Parallel-Slalom hat ein gestalterisches Potenzial und eine Attraktivität, die dem Skisport guttun würde. Aber prinzipiell sind zwei bis drei Rennen für eine Disziplin zu wenig."

Der Skisport habe keine andere Wahl, als sich zu verändern, meint der 56-Jährige. "Lieber die Kombination in der Form abschaffen, als den Parallel-Slalom nicht weiter zu forcieren."

Verlust von Hirscher oder Svindal wird kompensiert

Entspannter sieht Wasmeier den Verlust von den Identifikationsfiguren Svindal, Hirscher oder Neureuther. Auch in der Vergangenheit habe man gute Sportler und Charakterköpfe gehen sehen, doch eine Veränderung des Skisports habe nie stattgefunden. Im Gegenteil, der Abgang großer Namen ließe Platz für neue, junge Sportler - dies sei auch für die Fans ein Gewinn.

"Es wird wieder spannend. Ich persönlich freue mich noch mehr auf die neue wie auf die alte Saison. Jetzt werden einige neue Sportler kommen, die man vorher gar nicht erwartet hätte."

Das bedingt natürlich der Abgang Hirschers, der als achtfacher Gesamtweltcupsieger ein großes Machtvakuum bei den Herren hinterlässt. Vor allem Alexis Pinterault aus Frankreich wird von Experten zugetraut, den Thron des Dauersiegers aus Österreich zu übernehmen. Auch der Norweger Henrik Kristoffersen könnte Hirschers Erbe antreten.

Wasmeier will sich nicht festlegen: "Es kann auch einen lachenden Dritten geben. Das macht die Saison ja so attraktiv."

Wasmeier: Drei Kandidaten für Neureuther-Nachfolger

Auch für den DSV? Mit Neureuther verliert das deutsche Team schließlich sein Zugpferd der letzten Jahre - eine Lücke, die schwer zu füllen ist.

Wasmeier weiß um die Besonderheit, sieht aber potenzielle Kandidaten: "Der Stefan (Luitz, Anm. d. Red.) ist einer, der in Felix' Fußstapfen steigen wird. Doch auch im Speedbereich haben wir richtig gute Athleten, vor allem mit Josef Ferstl und Thomas Dreßen. Ich bin bei den Herren sehr zuversichtlich."

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Anders sieht es bei den Damen aus. Mit Viktoria Rebensburg ist eine Athletin im DSV-Kader mit dem Format Weltklasse, auch eine Kira Weidle konnte im letzten Skijahr überzeugen - und danach? "Momentan sieht es aber wirklich sehr mau aus", so Wasmeier, der aber auch bei diesem Thema optimistisch bleiben will: "Ich hab die Hoffnung, dass wir in ein, zwei Jahren wieder eine Athletin haben, die auch oben mitfahren kann."

Möglicherweise dann mit einem veränderten Weltcup-Format.

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