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München - Was Romed Baumann im Vorfeld der Abfahrt von Kitzbühel erleiden musste, war unter der Gürtellinie. Doch der Skiläufer, der früher für Österreich startete, antwortet sportlich.

Als Romed Baumann im Zielstadion von Kitzbühel abschwang, ballte er die Faust, seine neuen Teamkollegen klatschten anerkennend Beifall. Die Reaktion des 34-Jährigen wirkte befreiend.

Der Abfahrer war gerade beim spektakulärsten Skirennen der Welt auf den siebten Platz gefahren und hat damit sein mit Abstand bestes Resultat in dieser Saison erreicht.

Nach einer harten Zeit, die in der Vorbereitung auf die Streif ihren emotionalen Tiefpunkt erreichte, hat Baumann endlich wieder Grund zur Freude.

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Wechsel im Sommer 2019 zum DSV

Im vergangenen Sommer hat der zweimalige WM-Medaillengewinner die Nation gewechselt. Nach 13 Jahren beim österreichischen Skiverband startet Baumann seit dem Winter 2019/20 unter der deutschen Fahne.

Dieser Schritt kam nicht bei allen Fans gut an. Bereits im Zuge seines Nationenwechsels musste er sich Beleidigungen gefallen lassen. Diese gipfelten in der Woche vor dem Klassiker, als er in den sozialen Medien unter anderem als "Verräter" bezeichnet wurde.

Am Samstagmorgen wurde der Routinier sogar verbal angegangen. "Vor dem Rennen haben mich ein paar österreichische Fans als Judas beschimpft. Das hat mich noch einmal angespornt", erzählte Baumann in der ARD.

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Startschwierigkeiten in die Saison

Doch warum hatte er den ÖSV verlassen? Baumann tat sich in den vergangenen Jahren zunehmend schwer, mit der Weltspitze mitzuhalten. Er war es leid, ständig das aufwändige Qualifikationsprozedere im österreichischen Team zu durchlaufen.

Da seine Ehefrau Vroni aus Bayern stammt und der ÖSV ihm die Freigabe erteilte, war eine Änderung der Nationalität kein Problem. Der Weltverband FIS stellt in solchen Fällen keine hohen Hürden in den Weg.

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Nach weitgehend enttäuschenden Resultaten in der laufenden Saison - bestes Ergebnis war zuvor ein 13. Platz in der Kombination von Bormio - erntete Baum nun erstmals die Früchte seines mutigen Schritts.

"Bester Deutscher ist immer ein super Titel, meine Teamkameraden sind ja auch keine Nasenbohrer", sagte der gebürtige Österreicher schmunzelnd, "es ist ungewohnt, aber es fühlt sich gut an."

Ferstl freut sich mit Baumann

In die Freude mischte sich bei Baumann das Gefühl der "Genugtuung" - ausgerechnet in Kitzbühel. Dort hatte ihm der Österreichische Skiverband im vergangenen Jahr den Start verweigert, "das war sicher ein Tiefpunkt meiner Karriere", berichtete Baumann mit bewegter Stimme: "Da bin ich rumgelaufen wie ein geschlagener Hund und hab' nimmer g'wusst, wie ich mich aus dem Loch herausbringe."

Der Wechsel über die Grenze, wo der Familienvater mit Ehefrau und den beiden Kindern in Kiefersfelden lebt, war für den 34-Jährigen ein Neubeginn. Baumanns Dank in Kitz galt dem DSV - und seinen Teamkollegen.

"Das ist echt Bombe", sagte er über die Verneigung von Dreßen und Co., "ich habe das nicht gekannt, im ÖSV herrscht von Kindheit an Konkurrenz." Im deutschen Abfahrtsteam dagegen sei er vom ersten Trainingslager an aufgenommen worden, "als ob ich schon immer dazugehört hätte".

Josef Ferstl, hinter Baumann und dem guten Elften Andreas Sander als 25. drittbester DSV-Starter, schwärmte vom neuen Kollegen. "Das ist Wahnsinn, eine Hammergeschichte", sagte er, "man muss sich vorstellen: Der wird vom ÖSV in Anführungsstrichen entlassen, kommt zu uns - und ist jetzt der beste Deutsche!"

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