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München - Das Karriereende von Viktoria Rebensburg trifft den DSV hart. Maria Höfl-Riesch spricht bei SPORT1 über das Aus und die Zukunft des deutschen Ski-Sports.

Das Karriereende von Viktoria Rebensburg kam überraschend - und trifft den Deutschen Skiververband (DSV) mit voller Wucht.

Denn dem deutschen Ski-Team ist nach Maria Höfl-Riesch, Felix Neureuther und Fritz Dopfer ein weiterer Star verloren gegangen. Die Vorzeigeathletin und erfolgreichste Fahrerin der vergangenen Jahre hört auf.

Rebensburgs Bilanz liest sich beeindruckend: einmal Gold (2010) und einmal Bronze (2014) bei Olympia, zweimal Silber bei einer WM (2015 und 2019/jeweils im Riesenslalom), 19 Siege im Weltcup und dreimaliger Gewinn der Riesenslalom-Gesamtwertung.

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Rebensburg fehlt DSV als Galionsfigur

Der Grund für den Rücktritt der 30 Jahre alten Bayerin ist simpel. "Von klein auf war es immer mein Anspruch und mein Ansporn, um Siege mitzufahren, aber dem Anspruch kann ich jetzt nicht mehr gerecht werden", erklärte sie. Daher sei es "unausweichlich, diese Entscheidung zu treffen".

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Der DSV muss nun also eine neue Galionsfigur ermitteln. Doch die Suche könnte sich schwierig gestalten - schließlich sind Sieganwärterinnen rar. Das weiß auch Höfl-Riesch.

Die dreimalige Olympiasiegerin spricht im Interview mit SPORT1 über das Karriereende ihrer langjährigen Weggefährtin, mögliche Nachfolgerinnen und die Zukunft des DSV.

SPORT1: Frau Höfl-Riesch, können Sie die Entscheidung von Viktoria Rebensburg verstehen? 

Maria Höfl-Riesch: Der Zeitpunkt war schon ein bisschen überraschend. Ihr engstes Umfeld hat bestimmt Bescheid gewusst, dass sie sich damit befasst. Aber ansonsten kam es eher überraschend. Wen man sie auf Social Media verfolgt hat, wusste man, dass sie sich ganz normal und total motiviert vorbereitet hat, war auf den Gletschern unterwegs und hat trainiert. Aber wenn man ihr Statement hört, dass sie nach ihrer Verletzung nicht mehr die 100-prozentige Form gefunden hat, über den Sommer versucht hat, das wieder hinzubekommen aber es nicht geklappt hat, dann kann ich die Entscheidung schon nachvollziehen.

Höfl-Riesch: "Finde nicht, dass sie Team im Stich lässt"

SPORT1: Was könnte sie davon abgesehen zu dem Schritt bewegt haben?

Höfl-Riesch: Vielleicht haben auch die ganzen Umstände momentan einen Teil dazu beigetragen. Mit Corona ist schließlich alles sehr beeinträchtigt. Da hatte sie sich ja auch vor einigen Monaten mal geäußert. Das hat vielleicht auch eine kleine Rolle gespielt, aber das kann ich nicht beurteilen, könnte es mir aber vorstellen.

SPORT1: Lässt sie damit ihr Team bzw. den DSV im Stich?

Höfl-Riesch: Im Prinzip muss jeder machen, was für einen selbst das Beste ist. Als ich damals aufgehört habe, wäre es den Trainern und DSV-Funktionären sicherlich auch lieber gewesen, ich hätte noch ein oder zwei Jahre weitergemacht. Aber jeder muss diese Entscheidung für sich treffen. Es ist das eigene Leben. Und Vicky (Viktoria Rebensburg; Anm. d. Red) hat so viele intensive Jahre hinter sich, hat dem DSV viele Erfolge beschert und irgendwann ist es nun mal vorbei. Wenn nicht jetzt wäre es vielleicht nach der Saison oder nach der nächsten gewesen. Irgendwann kommt der Zeitpunkt und leider sind sie im Damenteam nicht so gut aufgestellt, dass sie die Lücke, die Vicky hinterlässt, kurzfristig schließen können. Das wäre aber in ein oder zwei Jahren wahrscheinlich nicht so viel anders. Von daher finde ich nicht, dass sie das Team im Stich lässt. Es war eine lange, intensive Karriere. Wenn der Zeitpunkt da ist, ist er da – unabhängig von irgendwelchen anderen Meinungen.

SPORT1: Wer könnte beim deutschen Team in Viktoria Rebensburgs Fußstapfen treten?

Höfl-Riesch: Kira Weidle hat eine gute Entwicklung in den letzten Jahren durchgemacht und einige Top-Resultate erzielt. Aber eine, die wirklich in Vickys Fußstapfen treten und in mehreren Disziplinen ums Podium mitfahren kann, sehe ich im Moment nicht. Kira Weidle ist an einem guten Tag in den Speed-Disziplinen sicherlich ganz vorne mit dabei, wenn sie an ihre Form vom letzten Jahr anknüpfen kann. Aber Vicky war ja wirklich in drei Disziplinen eine Podiumsläuferin und speziell im Riesenslalom über viele Jahre eine der Besten überhaupt. Das sehe ich in naher Zukunft nicht.

Rebensburg-Rücktritt "reißt riesige Lücke"

SPORT1: Was bedeutet der Rücktritt für das deutsche Ski Alpin, das ja mit Felix Neureuther und Fritz Dopfer zuletzt schon zwei Aushängeschilder verloren hat? 

Höfl-Riesch: Das reißt natürlich eine riesige Lücke. Ich habe auch einen Post zu ihrem Rücktritt abgesetzt. In vielen Kommentaren hieß es: 'Wem sollen wir jetzt noch die Daumen drücken?' oder 'Jetzt wird in Deutschland gar nichts mehr gewonnen im Ski Alpin.' Das sind sehr verfrühte Urteile. Ich denke, man muss erst einmal die nächste Saison beobachten. Vielleicht taucht ja eine Überraschung auf und jemand macht einen großen Sprung und den nächsten Schritt Richtung Weltspitze. So negativ darf man es nicht sehen. Man muss einfach die nächste Saison abwarten.

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SPORT1: Vor ihrer Verletzung im vergangenen Februar hatte Alpindirektor Maier Kritik an ihrem Trainingsfleiß geäußert. Glauben Sie, dass das bei ihrer Entscheidung auch eine Rolle gespielt hat?

Höfl-Riesch: Ich glaube nicht, dass das eine Rolle gespielt hat. Sie hat ja direkt im Anschluss eine starke Antwort auf der Piste gegeben. Das war bei mir früher auch ab und an so. Wenn ich mich zu unrecht kritisiert gefühlt habe, hat mich das eher motiviert. Natürlich ärgert es einen in dem Moment, aber es gibt auch zusätzliche Motivation.

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