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Romed Baumann schrie seine Freude über Silber laut heraus
Romed Baumann schrie seine Freude über Silber laut heraus © Imago
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München - Romed Baumann gewinnt die erste WM-Medaille im Super-G seit Markus Wasmeier. Die Legende erklärt bei SPORT1, warum Baumann mit 35 so gut ist wie noch nie.

Romed Baumann wusste schon wenige Sekunden nach seiner Zieldurchfahrt, was ihm da für ein sensationeller Lauf gelungen war.

Als er auf die Anzeigetafel blickte und die "2" aufleuchten sah, rief er ein laut vernehmbares "Jawohl" in die Kameras am Zielhang. (Hier zum Liverticker der Ski-WM)

Die Silbermedaille im Super-G war für den Deutschen Ski-Verband der so sehnlichst erhoffte Start nach Maß in diese Weltmeisterschaft in Cortina d'Ampezzo. Für Baumann selbst aber bedeutet er viel mehr.

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Baumann trifft die richtige Entscheidung

Es war die späte Gewissheit, dass er vor zwei Jahren doch die richtige Entscheidung getroffen hatte, indem er seine Heimat Österreich für Deutschland verließ.

"Ich war ganz unten, sportlich gesehen, jetzt bin ich fast ganz oben - unglaublich", sagte der 35-Jährige sichtlich angefasst: "Da waren doch sehr viele, die gesagt haben, da geht nix mehr, der ist zu alt, der traut sich nicht mehr, der attackiert nicht, seit er Familie hat, zieht er zurück."

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Doch genau das tat er nicht auf der neuen Piste Vertigine. Gerade zu Beginn am Steilhang fuhr er sehr aggressiv und legte damit die Basis für diesen unglaublichen Ritt hinunter ins Ziel, wo er nur seinem ehemaligen ÖSV-Teamkollegen Vincent Kriechmayr den Vortritt lassen musste.

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Wasmeier über Baummann: "Sensationell"

Gefreut hat sich über diesen Erfolg auch die deutsche Ski-Legende Markus Wasmeier. "Genial, sensationell", sagt der Olympiasieger von 1994 bei SPORT1 über Baumanns Traumfahrt zu Silber.

"Das war überhaupt ein sehr spannender Super-G. Es ist selten der Fall, dass man so taktisch fahren muss. Der Romed hat das sensationell gelöst. Das war eine richtig gute Nummer, das freut mich sehr für ihn", so Wasmeier weiter.

Der Schlierseer ist ja sozusagen Baumanns Vorgänger. Nur er konnte zuvor für Deutschland eine WM-Medaille im Super-G erringen. Vergleichen würde er seine Fahrt damals 1987 aber eher mit der von Mikaela Shiffrin in Cortina. (SERVICE: Alles zum Ski alpin)

"Sie ist ja bei einem Tor so weit weg gewesen, dass sie eine Sekunde verloren und damit den Sieg hergeschenkt hat. Ich bin damals gestürzt und war auch schon fast draußen, bin danach noch Dritter geworden", erinnert sich der heute 57-Jährige noch genau an seinem Lauf in Crans-Montana.

Auch Baumann wird sich wohl sein ganzes Leben lang an diesen 11. Februar in den Dolomiten erinnern. An diesem Tag erlebte er den vorläufigen Höhepunkt einer Reise, die im Sommer 2019 ihren Anfang nahm.

Baumann für Österreich zu schlecht

Der Österreicher fasste damals den Entschluss, beim Deutschen Ski-Verband nachzufragen, ob man ihm dort eine neue sportliche Heimat geben könne. Zuvor war er vom ÖSV rausgeworfen worden, weil dieser ihn für nicht mehr gut genug hielt.

Nur einmal, vor zehn Jahren, hatte Baumann in einem Super-G auf dem Podest im Weltcup gestanden. Zwei Mal hatte er eine WM-Medaille gewonnen - 2011 Silber mit dem Team und 2013 Bronze in der Kombination. Für die Ansprüche in Österreich zu wenig.

"Bei uns ist es Gott sei Dank so, dass wir nicht das Motto haben: 'Friss oder stirb.' Das ist in Österreich ja gang und gäbe, weil da auch die Konkurrenz sehr stark ist", sagt Wasmeier und äußert Verständnis für Baumanns Entschluss, nach Deutschland zu wechseln.

"Wenn du dich wohl fühlst und das Vertrauen von den Trainern bekommst, dann kannst du viel Leistung herausholen", erklärt er. Dies gelte übrigens nicht nur für Baumann, sondern habe auch für den mittlerweile zurückgetretenen Fritz Dopfer gegolten, so Wasmeier.

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Auch Dopfer mit WM-Medaille nach Wechsel

Auch der Slalom-Spezialist wechselte 2007 von Rot-Weiß-Rot zum DSV. Acht Jahre später holte er bei der WM in Vail und Beaver Creek Silber im Slalom.

Dopfer und Baumann haben übrigens noch eine Gemeinsamkeit. Beide haben eine Freundin beziehungsweise eine Frau aus Deutschland. Dopfer ist mit der Rennläuferin Lena Dürr liiert, Baumann heiratete im April 2019 die ehemalige Skirennfahrerin Vroni Eller.

Ihr und ihren zwei Töchtern schickte er gleich beim Sieger-Interview noch einen besonderen Gruß: "Ich liebe euch."

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