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Die Nordische Ski-WM wurde von Dopingfällen überschattet
Die Nordische Ski-WM wurde von Dopingfällen überschattet © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Imago
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München - Ein Doping-Skandal überschattet die Nordische Ski-WM. Wie geht es mit dem ÖSV weiter und ist Deutschland verwickelt? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Die Nordische Ski-WM in Seefeld wurde am Dienstag von einem Doping-Skandal überschattet.

Das österreichische Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft München haben eigenen Angaben zufolge ein international agierendes Dopingnetzwerk zerschlagen.

Dabei gab es 16 Hausdurchsuchungen, neun Festnahmen und einen auf frischer Tat ertappten Skilangläufer, der mit Bluttransfusionen im Arm angetroffen wurde.

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SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die sogenannte "Operation Aderlass" und beleuchtet mögliche Auswirkungen auf den Sport.

Wer sind die Festgenommen?

In einer Mitteilung des BKA heißt es: "Bei den festgenommenen Athleten handelt es sich um zwei österreichische, einen kasachischen und zwei estnische Spitzensportler."

Von den ÖSV-Langläufern wurden Max Hauke und Dominik Baldauf verhaftet. Das Duo belegte im Teamsprint überraschend Rang sechs. Danach schrieb Baldauf auf Instagram: "Was kostet es eigentlich, Träume wahr werden zu lassen? Mut – nur Mut!"

Noch pikanter ist die Geschichte von Hauke, der als Trainingspartner von Johannes Dürr den Dopingskandal um seinen Landsmann bei den Winterspielen in Sotschi 2014 hautnah miterlebte.

Bei den Olympischen Spielen 2018 sagte er der APA: "Ich habe für entschieden, ich bin sauber, ich mache das sauber und ich möchte meine Leistungen einfach bringen, aber mich nicht zu viel mit dem Thema auseinandersetzen." 

Zu den insgesamt neun Festgenommenen zählt auch der Sportmediziner Mark S. aus Erfurt sowie dessen Komplize. Bei den anderen Athleten handelt es sich um die Esten Andreas Veerpalu und Karel Tammjärv sowie den Kasachen Alexei Poltoranin.

Den fünf Athleten droht wegen Vergehen des Sportbetrugs eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren, teilte die Staatsanwaltschaft Innsbruck am Donnerstag mit.

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Wie reagiert der ÖSV auf den Skandal?

Die Folgen für den österreichischen Langlauf könnten gravierend sein - schließlich ist es nicht der erste Vorfall. Bereits bei den Olympischen Spielen 2002, 2006 und 2014 waren Teile des ÖSV-Langlaufteams in einen Dopingskandal verwickelt. (Pressestimmen aus Österreich zum Doping-Skandal)

Schon 2014 drohte ÖSV-Verbandspräsident Peter Schröcksnadel, den Langlauf-Spitzensport nicht mehr zu fördern und ausgliedern zu wollen. Diesmal könnte er tatsächlich Ernst machen.

"Ich werde in der nächsten Präsidiumssitzung den Ausschluss der Langläufer aus dem Verband fordern. Einen Sport, in dem es immer wieder zu solchen Vorfällen kommt, sollte man nicht auch noch unterstützen", sagte der 77-Jährige der Krone.

Unabhängig von einer möglichen Ausgliederung der Langlauf-Sparte soll laut Schröcksnadel auf jeden Fall ein Wandel eingeleitet werden. "Ich werde dem Präsidium vorschlagen, nach dieser Saison den Langlaufsport im ÖSV völlig neu zu organisieren."

Ist der DSV und Deutschland verstrickt?

Der Deutsche Skiverband (DSV) war nach eigenen Angaben zufolge nicht von der Anti-Doping-Aktion betroffen. Die Münchner Oberstaatsanwältin Anne Leidig bestätigte zudem dem SID, dass deutsche Sportler "bislang nicht im Fokus unserer Ermittlungen" stehen.

Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder war dennoch geschockt: "Trotz des engmaschigen Kontrollnetzes passiert so etwas Schockierendes. Wir müssen alles tun, dass so etwas nicht mehr geschehen kann."

Verwickelt ist Deutschland in den Fall, da die mutmaßlichen Köpfe des laut BKA "weltweit agierenden Dopingnetzwerks" von Erfurt aus arbeiten sollen. Der mutmaßliche Drahtzieher ist der Erfurter Sportmediziner Mark S., der sich bereits als Arzt des Radteams Gerolsteiner mit Dopingvorwürfen konfrontiert sah.

"Diese aus Erfurt agierende kriminelle Gruppierung ist dringend verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern und dadurch illegale Einkünfte zu lukrieren", heißt es in der BKA-Mitteilung.

Welche Folgen hat das für den Langlauf-Sport?

Immer wieder gibt es im Langlauf Dopingfälle, weshalb er von manchen bereits als der "Radsport des Winters" in Sachen Doping bezeichnet wurde. Langlauf-Befürworter entgegneten, dass die Dopingsünder Einzeltäter seien - dies muss nach den Ergebnissen der Razzia mehr denn je angezweifelt werden.

Noch verstärkt wurde der Generalverdacht im Langlauf durch die Doping-Beichte von Dürr. Dieser hatte der ARD gesagt, dass man nur mit Doping in die Weltspitze kommen könne.

Umso besorgniserregender ist es, dass nun Athleten erwischt wurden, die mit der Weltspitze wenig zu tun haben. Hat Dürr also Recht, dass es nur mit der Unterstützung von leistungssteigernden Mitteln geht?

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, holte am Tag der Razzia Martin Johnsrud Sundby Gold. Jener Norweger, der vor knapp drei Jahren wegen eines Dopingvergehens gesperrt war. Einen Tag zuvor hatte Landsfrau Therese Johaug triumphiert, die in dieser Saison nach einer Dopingsperre zurückgekehrt ist.

Die Leistungen von Langläufern werden daher wohl mehr denn je mit großer Skepsis betrachtet und der Sport einige Zuschauer verlieren.

Sind auch andere Sportarten betroffen?

Noch wurde kein Athlet aus einer anderen Sportart festgenommen. Doch eines ist klar: Doping ist kein reines Langlauf-Problem.

Beim BKA ist man sich jedenfalls sicher, dass das Doping-Netzwerk nicht nur Langläufer beliefert hat. "Es sind sicher auch noch andere Sportarten betroffen", sagte Dieter Csefan vom österreichischen Bundeskriminalamt am Mittwoch.

Der 40 Jahre alte Marc S. soll laut Süddeutscher Zeitung in den letzten Jahren auch Spitzensportler aus den Sportarten Schwimmen, Radsport, Fußball, Handball und Leichtathletik betreut haben.

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