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Vierschanzentournee: Noriaki Kasai zum 27. Mal dabei - und gefeiert wie nie

27. Tournee! Kasai gefeiert wie nie

Noriaki Kasai will sich auch noch mit 50 Jahren die Schanzen dieser Welt hinunterstürzen

Jonas Nohe

Vor seiner 27. Tournee hat Noriaki Kasai noch zwei Träume. Bei SPORT1 kündigt er noch eine lange Karriere an - und sogar die Gegner schwärmen vom Phänomen "Nori".

Seit 29 Jahren (!) segelt Noriaki Kasai im Weltcup von den Skisprung-Schanzen der Welt. Zwei große Träume aber konnte er sich noch nicht erfüllen.

Da wäre zum einen der Olympiasieg: 1994 in Lillehammer holte er mit der japanischen Mannschaft Silber, 2014 in Sotschi reichte es mit der Mannschaft zu Bronze, auf der Großschanze im Einzel auch "nur" zu Silber.

Wer krönt sich zum neuen König der Lüfte? Zum 66. Mal kämpfen die besten Skispringer der Welt vom 29. Dezember bis 6. Januar in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen um den Tourneesieg © Getty Images
Vor dem Auftakt der Vierschanzentournee wirft SPORT1 einen Blick zurück - und zeigt, wie der Mythos der legendären Veranstaltung entstand © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images/Imago
1953 wird die Vierschanzentournee zum ersten Mal ausgetragen - zum einzigen Mal innerhalb eines Jahres vom 1. bis 11. Januar. Danach dauert die Tournee immer vom 30. Dezember bis 6. Januar © Imago
Helmut Recknagel (l.) ist der erste deutsche Skispringer, der die Tournee gewinnt © Imago
Bei seinem ersten Sieg 1958 ist sein Autogramm heiß begehrt. Auch 1959 und 1961 gewinnt Recknagel den prestigeträchtigen Wettbewerb © Imago
In den 60ern springt man noch waghalsig mit den Armen nach vorne gestreckt, so wie Max Bolkart © Imago
Der in Oberstdorf geborene Bolkart gewinnt die Tournee im Winter 1959/60 © Imago
Die Anlage in Oberstdorf Mitte der 60er Jahre © Imago
Der Norweger Björn Wirkola (r.) gewinnt Ende der 60er die Tournee drei Mal hintereinander © Imago
Die 80er-Jahre werden geprägt vom Duell des Finnen Matti Nykänen (Bild) mit Jens Weißflog aus dem sächsischen Oberwiesenthal. Nykänen gewinnt 1983 und 1988 © Imago
Nykänen (l.) macht aber auch abseits der Schanzen Schlagzeilen - meist negative. Er verfällt dem Alkohol und wird wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe verurteilt © Imago
Jens Weißflog gewinnt in den 80ern ebenfalls zwei Mal die Tournee-Wertung. In den 90ern versucht der "Floh vom Fichtelberg", seine dritte Vierschanzentournee erst noch im Parallelstil zu gewinnen © Imago
Doch der V-Stil wird immer populärer, so dass auch Weißflog nicht daran vorbeikommt. Er packt die Umstellung auf die neue Technik und gewinnt die Tournee noch zwei Mal (1991 und 1996) © Imago
Der inzwischen verstorbene Skisprung-Trainer Reinhard Hess (l.) bespricht sich 1995 mit Schützling Weißflog © Imago
Bei der Materialpflege packt der viermalige Tournee-Sieger selbst mit an © Imago
Ein Skispringer, den man nicht vergisst: Eddie the Eagle ist jahrelang Englands Skispringer Nummer eins © Imago
Für seine Flugkünste ist Eddie aber nicht gerade berühmt - die sind nämlich eher beschränkt © Imago
Georg Thoma gewinnt in den 60er-Jahren viele Springen, aber nie die Tournee... © Imago
Sein Neffe Dieter Thoma macht es da besser: 1989/90 holt er sich die Tournee-Wertung © Imago
In den 90ern sieht es auch in Oberstdorf schon wesentlich moderner aus © Imago
Die Pressegespräche werden beim Skispringen - wie hier mit Weißflog (r.) - gleich neben dem Backen gemacht © Imago
Einer, den man in der Geschichte der Vierschanzen-Tournee unbedingt erwähnen muss, ist Janne Ahonen: Zwischen 1998 und 2008 steht der Finne fünf Mal und damit öfter als jeder andere Springer auf Platz eins der Gesamtwertung © Getty Images
Ebenfalls einer der besten und beständigsten der Szene ist lange Zeit Adam Malysz. Zum großen Wurf bei der Vierschanzen-Tournee reicht es aber nur einmal (2000/01) © Getty Images
Bei der 50. Ausgabe in der Saison 2001/02 gelingt Sven Hannawald das Meisterstück... © Getty Images
Er gewinnt als erster Springer überhaupt alle vier Springen in einer Tournee. Da zieht sogar der damalige Bundestrainer Reinhard Heß den Hut © Getty Images
Hannawald schreibt damit Geschichte und wird vor allem von den weiblichen Fans wie ein Superstar gefeiert © Imago
Im Jahr 2006 gibt es erneut ein Novum: Das erste Mal überhaupt in der Geschichte der Tournee gibt es zwei Springer, die genau dieselbe Punktzahl in der Gesamtwertung haben. Jakub Janda (Tschechien) und Janne Ahonen (rechts, Finnland) teilen sich also den ersten Platz © Getty Images
Der lange Zeit letzte Deutsche, der es nach den vier Springen auf das Treppchen schafft, ist Michael Neumayer in der Saison 2007/08 © Getty Images
Im selben Jahr wird auch erstmals in der Geschichte der Vierschanzen-Tournee ein Springen komplett abgesagt. In Innsbruck kann wegen eines Föhnsturms nicht gesprungen werden, der Wettkampf wird am 5. Januar in Bischofshofen nachgeholt. Da die Tournee damit erstmals nur auf drei Schanzen, wenn auch mit vier Springen, ausgetragen wird, nennt man die Tournee scherzhaft schon die "Dreischanzentournee" © Getty Images
In den folgenden zwei Jahren gewinnen mit den Österreichern Wolfgang Loitzl (l.) und Andreas Kofler (Mitte) nicht die ausgemachten Favoriten © Getty Images
Bei der Tournee 2010/11 macht Thomas Morgenstern den Hattrick für Österreich perfekt. Mit seinem Auftaktsieg in Oberstdorf legt der spätere Gesamtsieger den Grundstein für den Erfolg. Auch in Innsbruck siegt Morgenstern © Getty Images
In der Liste aller Springer, die auf jeder der vier Schanzen mindestens einmal gewinnen können, steht mit Schlierenzauer nur noch ein derzeit aktiver Springer. Rang eins dieser Tabelle teilen sich der Norweger Björn Wirkola und Skisprung-Ikone Jens Weißflog, Ahonen ist Dritter © Getty Images
Im Winter 2012/13 können sich die deutschen Skispringer endlich wieder einmal berechtigte Hoffnungen auf den ersten Gesamtsieg seit Hannawalds Coup 2002 machen. Severin Freund geht als Weltcup-Zweiter ins Auftaktspringen in Oberstdorf... © Getty Images
Doch die Tournee entwickelt sich zum Duell der beiden Überflieger Gregor Schlierenzauer und Anders Jacobsen. Beide teilen die Siege unter sich auf. Der Norweger gewinnt die ersten beiden Stationen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen, der Österreicher in Innsbruck und Bischofshofen © Getty Images
Am Ende gewinnt Schlierenzauer die Tournee mit einem knappen Vorsprung vor dem Norweger. Es ist sein zweiter Gesamtsieg bei der Tournee © Getty Images
Zum Auftakt der Ausgabe 2013/14 gibt es gleich ein vielbeachtetes Comeback: Eddie the Eagle (bürgerlich Eddie Edwards) springt auf einer kleinen Schanze gegen Kinder. Die dicke Brille von früher ist inzwischen überflüssig: Der kurioseste Skispringer aller Zeiten ließ sich die Augen lasern © Getty Images
Simon Ammann, der bis dahin noch nicht überzeugt hat, verzückt die Skisprung-Welt und sichert sich den Sieg in Oberstdorf © Getty Images
Noch überraschender ist dieser Rookie. Thomas Diethart springt bei seinem dritten Weltcupeinsatz gleich aufs Podium. Er wird hinter Ammann und Anders Bardal Dritter © Imago
Beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, dem traditionsreichsten Springen des Weltcupkalenders, setzt der Österreicher noch einen drauf: Diethart siegt und übernimmt die Spitze in der Gesamtwertung. Das Schwein in seiner Hand entwickelt sich zum Kultobjekt - sein Vater streichelt es vor jedem Sprung des Sohnemannes © Getty Images
"Adieu" sagt einer der ganz Großen im Skispringen: Martin Schmitt verabschiedet sich mit dem 27. Rang von der Skisprung-Bühne und beendet seine Karriere © Getty Images
Seine ambitionierten Teamkollegen um Severin Freund enttäuschen bei der Tournee. In Innsbruck verpasst Freund sogar den zweiten Durchgang und fällt weit zurück. Bester Deutscher wird am Ende Andreas Wellinger auf Rang zehn © Getty Images
Geschichte schreibt ein anderer: Diethart holt in Bischofshofen seinen zweiten Einzelsieg bei der Tournee und sichert sich damit auch den Gesamtsieg © Getty Images
Im nächsten Jahr strahlt zumindest in Innsbruck ein Deutscher: Richard Freitag siegt auf der Bergiselschanze. Doch in der Gesamtabrechnung schafft es wieder einmal kein Deutscher auf das Podest © Getty Images
Geschichte wiederholt sich nicht? Von wegen! Ein Jahr nach dem Triumph von Diethart verblüfft erneut ein österreichischer Senkrechtstarter die Experten. Stefan Kraft gewinnt zuerst das Auftaktspringen in Oberstdorf und holt sich dann auch den Tourneesieg © Getty Images
Doch irgendwann muss es auch einmal gut sein mit der Dominanz der Österreicher. In der Saison 2015/16 lässt Severin Freund endlich einmal alle Springer aus dem Nachbarland hinter sich - doch zu Platz eins reicht es dennoch nicht © Getty Images
Denn ein Springer ist noch besser als der Deutsche: Der Slowene Peter Prevc gewinnt gleich drei Springen und holt sich verdient den Gesamtsieg. Nur Wind-Pech in Oberstdorf verhindert wohl, dass er Hannawalds Kunststück von 2002 wiederholt © Getty Images
Im Januar 2017 nimmt der Pole Kamil Stoch die Trophäe für den Gesamtsieg in Empfang. Mit einem Sieg in Bischofshofen zieht er noch am Norweger Daniel Andre Tande vorbei, der am Ende hinter Stochs Landsmann Piotr Zyla Dritter in der Gesamtwertung wird © Getty Images

Zum anderen würde Noriaki Kasai gerne einmal die Vierschanzentournee gewinnen. Auch das hätte er zwei Mal fast geschafft, 1993 (hinter Andreas Goldberger) und 1999 (hinter Janne Ahonen) landete er jeweils auf Platz zwei.

27. Vierschanzentournee für Kasai

Am Freitag startet "Nori" in Oberstdorf in seine 27. Tournee (alle Springen im LIVETICKER). Und auch mit sage und schreibe 45 Jahren will der älteste Springer im Weltcup-Zirkus vor allem eines: erfolgreich sein.

"Natürlich hoffe ich, dass ich auf das Podest springen kann", erklärt Kasai bei SPORT1: "Die Vierschanzentournee ist für mich immer noch etwas ganz Besonderes - und daher hoffe ich, dass ich meine beste Leistung bringen kann."

Aber was ist seine beste Leistung gegen die deutlich jüngere Konkurrenz noch wert? Als beste Platzierung steht für Kasai in dieser Saison bislang ein zehnter Platz in Titisee-Neustadt zu Buche. Zuletzt in Engelberg verpasste er zwei Mal das Finale der besten 30.

Thoma: "Nori ist etwas Besonderes"

Der Begeisterung für den Skisprung-Oldie tut all das keinen Abbruch. Selbst gestandene Männer um die 60 harren stundenlang an den Schanzen aus, um ein Foto oder ein Autogramm zu ergattern. Das Phänomen Kasai fasziniert eben Jung und Alt.

Die Chancen auf den Gesamtsieg bei der 66. Vierschanzentournee stehen für die DSV-Adler so gut wie lange nicht mehr. Mit Richard Freitag und Andreas Wellinger haben die Deutschen gleich zwei Mitfavoriten in den Reihen. SPORT1 stellt das Tournee-Aufgebot vor © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Picture Alliance/ iStock
RICHARD FREITAG: Erstmals seit Jahren ist mit Freitag ein Deutscher Topfavorit auf den Titel. Der 26-Jährige hat drei der sieben Saisonspringen gewonnen und belegte in den letzten fünf Springen entweder den ersten oder zweiten Rang. Freitag ist in der Form seines Lebens und fährt als erster Deutscher seit Martin Schmitt vor 17 Jahren als Führender des Gesamtweltcups zur Tournee © Getty Images
Mit seiner neunten Teilnahme an der Tournee ist der gebürtige Sachse einer der Erfahrensten im DSV-Aufgebot. Seine beste Platzierung holte der Sportsoldat 2015, als er Sechster wurde. In diesem Jahr spricht vor allem seine Konstanz für ihn: In den sieben Saisonspringen war er nie schlechter als Sechster © Getty Images
ANDREAS WELLINGER: Auch Wellinger ist ein Kandidat für den Gesamtsieg. Der 22-Jährige reist als Weltcup-Zweiter zum ersten Springen nach Oberstdorf. Hinter Freitag (550) hat Wellinger 399 Punkte auf seinem Weltcup-Konto. Für den 1,83 m großen Skispringer ist es bereits die fünfte Tournee-Teilnahme © Getty Images
Wellinger, von Beruf Zollbeamter, konnte in diesem Jahr zwei Springen gewinnen und schaffte es 2013 bereits einmal in die Top Ten der Tournee-Gesamtwertung. Bis 2010 startete er in der Nordischen Kombination, bevor er sich fürs Skispringen entschied © Getty Images
MARKUS EISENBICHLER: Auch Eisenbichler ist für einen Podestplatz gut. Der 26-Jährige nimmt bereits zum sechsten Mal an der Vierschanzentournee teil. Sein bestes Resultat in dieser Saison war ein vierter Platz beim Springen in Nischni Tagil. "An der Konstanz meiner Sprünge habe ich in den Trainingstagen vor Weihnachten gearbeitet. Jetzt fühle ich mich gut vorbereitet für das erste Highlight des Winters", sagt Eisenbichler © Getty Images
Bereits bei der vergangenen Tournee zeigte Eisenbichler, dass mit ihm zu rechnen ist. Der Bundespolizist belegte den siebten Platz. Zudem wurde er in diesem Jahr Weltmeister mit dem Mixed-Team und WM-Dritter auf der Normalschanze. Auf der Flugschanze von Planica stellte er mit 248 Metern sogar einen neuen deutschen Weitenrekord auf © Getty Images
KARL GEIGER: Geiger gehört mit bislang fünf Tournee-Teilnahmen zu den Erfahrerenen im DSV-Team. 2016/17 wurde er immerhin 18. Zuvor hatte der 24-Jährige eher schlechte Erfahrungen gemacht: 2012 und 2013 scheiterte er hauchdünn in der Qualifikation auf seiner Heimschanze in Oberstdorf © Getty Images
Erst 2015 konnte er seinen "Fluch" beenden und erreichte den zweiten Durchgang. In diesem Jahr scheint seine Form zu stimmen, in der Weltcup-Gesamtwertung liegt er auf dem 14. Platz. Sein bestes Resultat erzielte er in Nischni Tagil, als er auf den sechsten Rang sprang © Getty Images
STEPHAN LEYHE: Leyhe hat sich bei der Tournee stetig gesteigert. Während er im vorletzten Jahr nur 26. wurde, erreichte er im vergangenen Jahr einen starken achten Rang. Die Tendenz zeigt also nach oben. In dieser Saison lieferte er seine beste Leistung auf der Schanze in Kuusamo ab, als er Neunter wurde © Getty Images
Ein großer Einzelerfolg fehlt dem 25-Jährigen aber noch. Mit dem Team konnte er bei der Skiflug-WM 2016 immerhin die Silbermedaille holen. Das Besondere für ihn an der Tournee sind jedoch die Fans: "Mit ihrer Unterstützung springen zu dürfen, ist Gänsehaut pur und ein einzigartiges Erlebnis" © Getty Images
PIUS PASCHKE: Mit seinen 27 Jahren gehört Paschke zu den älteren DSV-Adlern im Tournee-Aufgebot. Trotzdem ist es für den Landespolizisten erst der dritte Auftritt bei der Vierschanzentournee. 2015/16 holte er mit Rang 39 seine beste Platzierung © Getty Images
In den vergangenen Jahren war für Paschke immer nach dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen Schluss. Das Ziel in diesem Jahr: Bis zum letzten Springen in Bischofshofen durchspringen. Sein 12. Platz beim Weltcup-Auftakt in Wisla lässt dabei durchaus hoffen © Getty Images
CONSTANTIN SCHMID: Am wenigsten Erfahrung in der Weltcup-Gruppe hat Constantin Schmid. Der 19-Jährige gab erst im vergangenen Jahr sein Debüt bei der Vierschanzentournee und belegte am Ende den 51. Platz. In Titisee-Neustadt gelang ihm in dieser Saison das erste Mal der Sprung in die Punkteränge im Weltcup - und das mit einem tollen achten Platz © Getty Images
Nachdem Schmid im letzten Jahr schonmal reinschnuppern konnte, will er bei der 66. Tournee nun punkten. Seine größte Chance sieht er selbst in Garmisch-Partenkirchen, denn diese Schanze liegt ihm. "Ein Traum wäre es, auch noch bei den letzten beiden Stationen dabei sein zu dürfen", sagt Schmid © Getty Images
FELIX HOFFMANN: Neben der Weltcup-Gruppe befinden sich bereits sechs weitere Springer in der nationalen Gruppe, die bei den ersten beiden Stationen an den Start gehen. Ein Platz ist noch offen. Einer von ihnen ist Hoffmann, der wie Schmid erst zum zweiten Mal bei der Tournee dabei ist und beim ersten Versuch 2015 ohne Punkte blieb © Getty Images
DAVID SIEGEL: Siegel hatte 2016 seine zwei größten Erfolge zu feiern: Er wurde Junioren-Weltmeister im Einzel und Team. Sein bestes Resultat in dieser Saison war der 23. Platz in Wisla. Auch für ihn ist es erst die zweite Tournee-Teilnahme © Getty Images
MORITZ BAER: Der 20-Jährige ist der einzige Tournee- und Weltcup-Debütant im Aufgebot des DSV. Beim Continental-Cup-Wettbewerb in Whistler wurde er in diesem Jahr 13. © Imago
ANDREAS WANK: Er ist der erfahrenste DSV-Adler und nimmt bereits zum elften Mal an der Tournee teil. Der Team-Olympiasieger von Sotschi 2014 gibt sein Saisondebüt im Weltcup, zuletzt war er im Continental Cup unterwegs, da er seine Topform sucht © Getty Images
MARTIN HAMANN: Hamann war bereits 2014/15 dabei, blieb aber wie Hoffmann ohne Punkte. In diesem Jahr durfte der 20-Jährige bereits seine zweiten Plätze bei der Junioren-WM im Team und Mixed feiern © Imago
TIM FUCHS: Der 20-Jährige holte bei der Junioren-WM 2017 Silber im Mannschaftswettbewerb. Rutschte als letzter Springer in den Kader, weil er beim Continental Cup in Engelberg an beiden Tagen unter die Top 30 kam © Imago

"Nori ist wirklich etwas ganz Besonderes. Irgendwie hat er es geschafft, den Alterungsprozess zu stoppen", meint der einstige Tourneesieger Dieter Thoma bei SPORT1: "Das begeistert natürlich das Publikum, weil man sieht, was Sportler auch mit 45 Jahren imstande sind zu leisten."

Und auch die Konkurrenz gerät beim Namen Kasai regelrecht ins Schwärmen.

Kasai für Tande "mein Held"

"Er ist auch mit 45 noch wirklich ein frecher Hund", sagt Simon Ammann, immerhin auch schon 36 Jahre alt, im Gespräch mit SPORT1 lachend: "Es ist einfach schön, dass es ihn gibt."

Der Gesamtweltcup-Dritte Daniel Andre Tande, mit 23 Jahren rund halb so alt wie Kasai und erst sechs Jahre nach dessen Weltcup-Debüt geboren, geht sogar noch weiter.

"Noriaki Kasai ist mein Held. Ich versuche einfach nur, von ihm zu lernen", sagt der Norweger bei SPORT1.

Wie Kasai mit 45 immer noch auf Weltcup-Niveau springen kann, dafür hat auch Tande keine Erklärung.

Tande: "Keine Ahnung, wie er das macht"

"Ich habe keine Ahnung, wie er das macht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in dem Alter nicht mehr auf diesem Niveau springen werde - wahrscheinlich werde ich überhaupt nicht mehr springen können", prophezeit Tande lachend.

Selbst auf sein Geheimnis angesprochen, reagiert Kasai wie man ihn kennt: zurückhaltend und bescheiden.

"Ich mache eigentlich auch nichts Besonderes, was Training oder Ernährung angeht", beteuert er: "Ich denke, es ist mir einfach in die Wiege gelegt worden."

Hannawald lobt japanische Ruhe

Immerhin sein einstiger Konkurrent und heutiger Eurosport-Experte Sven Hannawald meint zumindest einen Teil des Erfolgsrezepts entschlüsselt zu haben: die japanische Ruhe.

"Dem sieht man ja nie Stress an. Er lässt sich nicht beirren und dreht auch nicht durch, wenn es mal nicht so funktioniert", erklärt Hannawald bei SPORT1: "Das ist bewundernswert und ich freue ich mich über jeden weiten Sprung und noch mehr über jede Podestplatzierung von ihm."

Der letzte deutsche Tourneesieger ist allerdings skeptisch, ob es für Kasai in den nächsten Tagen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck oder Bischofshofen nach ganz vorne reicht.

Spezielle Vorbereitung auf Olympia?

"In Sachen Fliegen ist er noch der Alte, aber der Absprung und die Abfahrtshocke funktionieren bei ihm im Moment nicht", analysiert Hannawald: "Da sitzt er viel zu hoch und hat somit keine Beschleunigung im Absprung."

Abschreiben will er seinen einstigen Rivalen aber noch lange nicht - schließlich habe der auch im vergangenen Jahr in der zweiten Saisonhälfte noch einmal zugelegt.

"Ich lasse mich gerne überraschen, ob es in der zweiten Saisonhälfte wieder besser wird. Es kommen im Saisonverlauf noch größere Schanzen, da kann er sein Fliegen wieder ausleben", meint Hannawald und mutmaßt: "Vielleicht bereitet er sich ja auch speziell auf Olympia vor - man kann nie wissen."

Kasai will springen, "bis ich 50 bin"

Im Februar in Pyeongchang geht es schließlich wieder um Kasais zweiten großen Traum - auch wenn es nicht seine letzte Olympia-Teilnahme sein soll.

Auf die Frage, wie lange er noch springen möchte, sagt Kasai bei SPORT1 ganz bestimmt: "Bis ich 50 bin."

Seinen Traum von Olympia-Gold könnte er sich also auch noch 2022 in Peking erfüllen.

Und das mit der Tournee kann bei einer der nächsten fünf Ausgaben ja auch noch klappen.