vergrößernverkleinern
Richard Freitag flog auf den zweiten Platz
Richard Freitag flog auf den zweiten Platz © Getty Images
teilentwitternE-MailKommentare

Der bärenstarke Richard Freitag trumpft auch in Engelberg auf, verpasst den Sieg aber knapp. Andreas Wellinger holt im zweiten Durchgang auf.

Richard Freitag starrte gebannt auf die Anzeigetafel, dann blies der Sachse im wilden Schneetreiben die Backen auf: Um die Winzigkeit von einem Zehntelpunkt hat Deutschlands derzeit bester Skispringer in Engelberg seinen dritten Saisonsieg verpasst - lumpige 5,5 Zentimeter lag Freitag hinter dem norwegischen Sieger Anders Fannemel zurück.

"Es fuchst mich nicht. Der erste Sprung war nicht ganz so, wie er sein sollte", sagte Freitag nach seinem erneut starken Auftritt bei schwierigen Bedingungen in der Schweiz: "Es ist eben ganz eng da oben. Ich kann trotzdem das Podest genießen."

Der 26-Jährige baute zudem seine Führung im Gesamtweltcup mit 440 Punkten vor Andreas Wellinger (359). Damit wird erstmals seit 17 Jahren ein deutscher Skispringer im Gelben Trikot in die Vierschanzentournee starten.

Trainer Schuster zufrieden

Freitag kam bei der Generalprobe für die Tournee (30. Dezember bis 6. Januar) mit Sprüngen auf 124,5 und 129,5 m auf 253,5 Punkte. Fannemel rettete mit 133,0 und 127,5 m ein knappes Polster. Dritter wurde Tourneesieger Kamil Stoch (Polen).

"Wir haben im Moment eine extrem starke Mannschaft", sagte Bundestrainer Werner Schuster, der dem so knapp verpassten dritten Saisonsieg Freitags ebenfalls keine Träne nachweinte: "Ritschi kann absolut zufrieden sein. Er ist nicht ganz auf allerhöchstem Niveau gesprungen. Vielleicht war es ein wenig zu sehr auf Sicherheit. Wir sollten jetzt das eine Zehntel nicht suchen."

Freitag hatte 2014 in Engelberg gewonnen, danach aber trotz eines Tagessieges in Innsbruck nur Platz sechs bei der Vierschanzentournee belegt. Derzeit ist er so stabil wie noch nie in seiner Karriere, erreichte in der Schweiz zum vierten Mal in Serie das Podium. "Im Moment ist einfach die Sicherheit da", sagte die Nummer eins der DSV-Adler.

Wellinger selbstkritsch

Für den Rest der DSV-Adler setzte es zwei Wochen vor dem Tournee-Auftakt kleiner Dämpfer. Vizeweltmeister Wellinger, im Vorjahr nur 13. und 15. auf der von ihm nicht unbedingt geliebten Gross-Titlis-Schanze, rückte von Platz 21 nach dem ersten Durchgang mit starken 133,5 m und insgesamt 242,2 Punkten noch auf Platz sechs vor.

"An den Bedingungen hat es im ersten Versuch nicht gelegen. Der zweite Sprung war dann deutlich besser", meinte Wellinger.

Karl Geiger (Oberstdorf) als Elfter (235,9) und Markus Eisenbichler (Siegsdorf) als Zwölfter (235,8) sprangen solide. Stephan Leyhe (Willingen) kam auf Platz 25 (211,5), Pius Paschke (Kiefersfelden) landete auf Rang 27 (205,9). Constantin Schmid (Oberaudorf), zuletzt noch glänzender Achter in Titisee-Neustadt, verpasste als 33. die Entscheidung der besten 30.

Kasai und Schlierenzauer patzen

Die zunehmend schwierigen Bedingungen forderten im ersten Durchgang prominente Opfer. Wellinger als 21. und Österreichs Doppel-Weltmeister Stefan Kraft als 20. - letztlich auf Rang 13 vor dem umjubelten Lokalhelden Simon Ammann - verspielten schon alle Siegchancen.

Nicht einmal den zweiten Durchgang erreichten Japans Schanzen-Methusalem Noriaki Kasai als 42. und Rekord-Weltcupsieger Gregor Schlierenzauer aus Österreich auf Platz 46.

Sloweniens Wunderkind Domen Prevc, der 2016 in Engelberg seinen vierten und bislang letzten Weltcupsieg gefeiert hatte, zeigte sich bei seinem ersten Saisonauftritt noch weit von seiner Vorjahresform entfernt und kam nur auf Rang 29.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel