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Dieter Thoma hat Richard Freitag und Andreas Wellinger für die Vierschanzentournee 2017/18 auf der Rechnung
Dieter Thoma (r.) hat Richard Freitag (l.) und Andreas Wellinger für die Vierschanzentournee 2017/18 auf der Rechnung © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Getty Images/ Imago
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München - Dieter Thoma weiß, wie man die Vierschanzentournee gewinnt. Bei SPORT1 analysiert er vor dem Tournee-Auftakt den Höhenflug von Richard Freitag und die Konkurrenz.

Dieter Thoma weiß, wie Erfolg funktioniert.

Sein Onkel Georg Thoma war Olympiasieger in der Nordischen Kombination, Dieter machte es ihm im Skispringen nach. Seit seinem Karriereende ist er als TV-Experte erfolgreich und berichtet inzwischen für die ARD von den Schanzen. Seinen Zuhörern bringt er den Schlüssel zum Erfolg auch auf Vorträgen und Seminaren näher.

Und Dieter Thoma weiß, wie man die Vierschanzentournee gewinnt.

Thoma triumphiert bei Tournee 1990

Im Januar 1990 triumphierte der heute 48-Jährige beim alljährlichen Höhepunkt des Skisprung-Winters. Ein Kunststück, das seither aus deutscher Sicht nur Jens Weißflog (1990/91, 1995/96) und Sven Hannawald (2001/02) gelang.

Seit Hannawalds historischem Vierfach-Triumph vor 16 Jahren warten die DSV-Adler auf einen Gesamtsieg - Thoma aber macht den deutschen Fans vor dem Auftakt der 66. Vierschanzentournee mit der Qualifikation in Oberstdorf am Freitag (alle Springen im LIVETICKER) Hoffnung, dass die Durststrecke diesmal ein Ende findet.

"Das deutsche Team baut sich seit Jahren auf und gerade bei Richard Freitag, der ohne Zweifel ein Riesentalent hat, ist endlich der Knoten geplatzt", lobt Thoma bei SPORT1: "Er kann jetzt viel besser seine sehr guten Sprünge reproduzieren. Das gibt unglaublich viel Vertrauen für kommende Aufgaben."

Freitag auf den Spuren von Martin Schmitt

Fünf Podestplätze in den letzten fünf Springen, darunter drei Siege, stehen für Freitag zu Buche - und obendrein Platz eins im Gesamtweltcup. Als erster Deutscher seit Martin Schmitt vor 17 Jahren reist der 26-Jährige im Gelben Trikot zur Tournee. (Das deutsche Aufgebot für die Tournee)

Und Bundestrainer Werner Schuster hat sogar noch ein zweites Ass im Ärmel: Freitags erster Verfolger im Gesamtweltcup ist Andreas Wellinger - und auch der stand in den letzten sechs Wettkämpfen immerhin drei Mal auf dem Podium.

Kein Zufall, wie Thoma betont, "weil sehr gute körperliche und technische Voraussetzungen erarbeitet wurden". Zudem stünde den deutschen Springern "das bestmögliche Material mit Ski, Bindung, Schuhen und dem wichtigen Anzug zur Verfügung".

Vor allem aber stimmt für Thoma im DSV-Team die Mischung zwischen Harmonie und Kampfbereitschaft: "Wenn dann die Erfolgserlebnisse kommen, ist natürlich die gesamte Stimmung wesentlich besser und alles wirkt einfacher."

Über Vierschanzentournee zu Olympia

Nun also folgt nach knapp zweiwöchiger Weihnachtspause das erste von zahlreichen Saisonhighlights: Ehe im neuen Jahr die Skiflug-WM in Oberstdorf und die Olympischen Spiele in Pyeongchang auf dem Programm stehen, soll der erste deutsche Tourneesieg seit 2002 her.

Ein Selbstläufer, so viel ist klar, wird das für Freitag, Wellinger und Co. trotz des jüngsten Höhenflugs nicht.

"Auf diesem hohen Niveau darf man sich fast gar keine Fehler erlauben", warnt Thoma bei SPORT1. Unterschiedliche Wetter- und Windbedingungen und das mörderische Programm mit acht Wettkampfsprüngen an vier Orten in nur neun Tagen seien für die Athleten eine riesige Herausforderung.

Große Konkurrenz für Freitag und Wellinger

"Um das durchzustehen, bedarf es optimaler Vorbereitung für Körper und Material, aber vor allem für den Kopf, der alles lenkt", meint Thoma mit der Erfahrung seines Tourneesieges: "Das macht die Gesamtsituation schwierig, aber machbar für diejenigen, die sie als nicht so kompliziert wahrnehmen."

Und wer springt seiner Meinung nach neben Freitag und Wellinger um den Gesamtsieg mit?

In erster Linie die üblichen Verdächtigen, die sich im bisherigen Weltcup-Winter bereits hervorgetan haben: Vorjahressieger Kamil Stoch aus Polen, Daniel Andre Tande aus Norwegen, der letzte österreichische Tourneesieger Stefan Kraft und der Japaner Yunshiro Kobayashi.

"Ich glaube fest daran, dass einer der Genannten die Tournee gewinnen wird", sagt Thoma, denn: "Hohe Qualität mit den besten Voraussetzungen setzt sich irgendwann immer durch."

Forfang und Kubacki als Geheimtipps

Außenseiterchancen räumt er vor allem Tandes Landsmann Johann Andre Forfang und der zweiten polnischen Hoffnung Dawid Kubacki ein, die dank "außergewöhnlichen Fähigkeiten auch zu Besonderem in der Lage sind".

Thoma sieht bei ihnen aber ein anderes Manko: "Es ist nicht die Frage nach dem Können, sondern die Frage des Glaubens."

Und in der Hinsicht macht Richard Freitag aktuell niemand etwas vor. Denn in dieser Skisprung-Saison weiß vor allem Freitag ganz genau, wie Erfolg funktioniert.

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