Vierschanzentournee: Richard Freitag Vierter bei Quali in Garmisch

Tournee: Freitag in Quali stark

Richard Freitag bestätigte beim Qualispringen in Garmisch seine gute Form

Sport1 News Reporter

Richard Freitag hat in der Qualifikation für das Neujahrsspringen in Garmisch seine gute Form bestätigt. Beim Sieg des Norwegers Johann Andre Forfang wurde der Deutsche Vierter.

Als Richard Freitag auch den letzten Sprung des Jahres souverän ins Tal gebracht hatte, atmete Deutschlands Skisprung-Star kurz durch.

"So kann man das Jahr 2017 ausklingen lassen. Ich bin hier richtig gut reingekommen", sagte der Sachse nach seinem vierten Platz in der Qualifikation für das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, mit dem er seine Ambitionen für die Gesamtwertung der 66. Vierschanzentournee einmal mehr untermaurte.

Keine 20 Stunden nach seinem zweiten Platz beim verregneten Tournee-Start Oberstdorf flog Freitag auf 135,0 m und weckte Hoffnungen für den Wettkampf am Montag (ab 14 Uhr im LIVETICKER).

"Es hat Spaß gemacht, auch wenn noch nicht alles zu 100 Prozent geklappt hat. Wir werden jetzt analysieren, an welchen Schrauben wir noch drehen können", sagte der Weltcup-Spitzenreiter bei strahlendem Sonnenschein. Der Sieg ging an Johann Andre Forfang aus Norwegen mit einem starken Satz auf 140,5 m.

"...dann ist er vorne dabei"

Zufrieden mit seinem Vorflieger war auch Werner Schuster. "Richards Sprünge sind auf einem hohen Niveau, müssen aber noch etwas sauberer werden. Dann ist er vorne dabei", sagte der Bundestrainer im ZDF: "Jetzt werden wir einen gemütlichen Silvesterabend verbringen, die Sprünge analysieren und dann frisch angreifen."

Die Chancen auf den Gesamtsieg bei der 66. Vierschanzentournee stehen für die DSV-Adler so gut wie lange nicht mehr. Mit Richard Freitag und Andreas Wellinger haben die Deutschen gleich zwei Mitfavoriten in den Reihen. SPORT1 stellt das Tournee-Aufgebot vor © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Picture Alliance/ iStock
RICHARD FREITAG: Erstmals seit Jahren ist mit Freitag ein Deutscher Topfavorit auf den Titel. Der 26-Jährige hat drei der sieben Saisonspringen gewonnen und belegte in den letzten fünf Springen entweder den ersten oder zweiten Rang. Freitag ist in der Form seines Lebens und fährt als erster Deutscher seit Martin Schmitt vor 17 Jahren als Führender des Gesamtweltcups zur Tournee © Getty Images
Mit seiner neunten Teilnahme an der Tournee ist der gebürtige Sachse einer der Erfahrensten im DSV-Aufgebot. Seine beste Platzierung holte der Sportsoldat 2015, als er Sechster wurde. In diesem Jahr spricht vor allem seine Konstanz für ihn: In den sieben Saisonspringen war er nie schlechter als Sechster © Getty Images
ANDREAS WELLINGER: Auch Wellinger ist ein Kandidat für den Gesamtsieg. Der 22-Jährige reist als Weltcup-Zweiter zum ersten Springen nach Oberstdorf. Hinter Freitag (550) hat Wellinger 399 Punkte auf seinem Weltcup-Konto. Für den 1,83 m großen Skispringer ist es bereits die fünfte Tournee-Teilnahme © Getty Images
Wellinger, von Beruf Zollbeamter, konnte in diesem Jahr zwei Springen gewinnen und schaffte es 2013 bereits einmal in die Top Ten der Tournee-Gesamtwertung. Bis 2010 startete er in der Nordischen Kombination, bevor er sich fürs Skispringen entschied © Getty Images
MARKUS EISENBICHLER: Auch Eisenbichler ist für einen Podestplatz gut. Der 26-Jährige nimmt bereits zum sechsten Mal an der Vierschanzentournee teil. Sein bestes Resultat in dieser Saison war ein vierter Platz beim Springen in Nischni Tagil. "An der Konstanz meiner Sprünge habe ich in den Trainingstagen vor Weihnachten gearbeitet. Jetzt fühle ich mich gut vorbereitet für das erste Highlight des Winters", sagt Eisenbichler © Getty Images
Bereits bei der vergangenen Tournee zeigte Eisenbichler, dass mit ihm zu rechnen ist. Der Bundespolizist belegte den siebten Platz. Zudem wurde er in diesem Jahr Weltmeister mit dem Mixed-Team und WM-Dritter auf der Normalschanze. Auf der Flugschanze von Planica stellte er mit 248 Metern sogar einen neuen deutschen Weitenrekord auf © Getty Images
KARL GEIGER: Geiger gehört mit bislang fünf Tournee-Teilnahmen zu den Erfahrerenen im DSV-Team. 2016/17 wurde er immerhin 18. Zuvor hatte der 24-Jährige eher schlechte Erfahrungen gemacht: 2012 und 2013 scheiterte er hauchdünn in der Qualifikation auf seiner Heimschanze in Oberstdorf © Getty Images
Erst 2015 konnte er seinen "Fluch" beenden und erreichte den zweiten Durchgang. In diesem Jahr scheint seine Form zu stimmen, in der Weltcup-Gesamtwertung liegt er auf dem 14. Platz. Sein bestes Resultat erzielte er in Nischni Tagil, als er auf den sechsten Rang sprang © Getty Images
STEPHAN LEYHE: Leyhe hat sich bei der Tournee stetig gesteigert. Während er im vorletzten Jahr nur 26. wurde, erreichte er im vergangenen Jahr einen starken achten Rang. Die Tendenz zeigt also nach oben. In dieser Saison lieferte er seine beste Leistung auf der Schanze in Kuusamo ab, als er Neunter wurde © Getty Images
Ein großer Einzelerfolg fehlt dem 25-Jährigen aber noch. Mit dem Team konnte er bei der Skiflug-WM 2016 immerhin die Silbermedaille holen. Das Besondere für ihn an der Tournee sind jedoch die Fans: "Mit ihrer Unterstützung springen zu dürfen, ist Gänsehaut pur und ein einzigartiges Erlebnis" © Getty Images
PIUS PASCHKE: Mit seinen 27 Jahren gehört Paschke zu den älteren DSV-Adlern im Tournee-Aufgebot. Trotzdem ist es für den Landespolizisten erst der dritte Auftritt bei der Vierschanzentournee. 2015/16 holte er mit Rang 39 seine beste Platzierung © Getty Images
In den vergangenen Jahren war für Paschke immer nach dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen Schluss. Das Ziel in diesem Jahr: Bis zum letzten Springen in Bischofshofen durchspringen. Sein 12. Platz beim Weltcup-Auftakt in Wisla lässt dabei durchaus hoffen © Getty Images
CONSTANTIN SCHMID: Am wenigsten Erfahrung in der Weltcup-Gruppe hat Constantin Schmid. Der 19-Jährige gab erst im vergangenen Jahr sein Debüt bei der Vierschanzentournee und belegte am Ende den 51. Platz. In Titisee-Neustadt gelang ihm in dieser Saison das erste Mal der Sprung in die Punkteränge im Weltcup - und das mit einem tollen achten Platz © Getty Images
Nachdem Schmid im letzten Jahr schonmal reinschnuppern konnte, will er bei der 66. Tournee nun punkten. Seine größte Chance sieht er selbst in Garmisch-Partenkirchen, denn diese Schanze liegt ihm. "Ein Traum wäre es, auch noch bei den letzten beiden Stationen dabei sein zu dürfen", sagt Schmid © Getty Images
FELIX HOFFMANN: Neben der Weltcup-Gruppe befinden sich bereits sechs weitere Springer in der nationalen Gruppe, die bei den ersten beiden Stationen an den Start gehen. Ein Platz ist noch offen. Einer von ihnen ist Hoffmann, der wie Schmid erst zum zweiten Mal bei der Tournee dabei ist und beim ersten Versuch 2015 ohne Punkte blieb © Getty Images
DAVID SIEGEL: Siegel hatte 2016 seine zwei größten Erfolge zu feiern: Er wurde Junioren-Weltmeister im Einzel und Team. Sein bestes Resultat in dieser Saison war der 23. Platz in Wisla. Auch für ihn ist es erst die zweite Tournee-Teilnahme © Getty Images
MORITZ BAER: Der 20-Jährige ist der einzige Tournee- und Weltcup-Debütant im Aufgebot des DSV. Beim Continental-Cup-Wettbewerb in Whistler wurde er in diesem Jahr 13. © Imago
ANDREAS WANK: Er ist der erfahrenste DSV-Adler und nimmt bereits zum elften Mal an der Tournee teil. Der Team-Olympiasieger von Sotschi 2014 gibt sein Saisondebüt im Weltcup, zuletzt war er im Continental Cup unterwegs, da er seine Topform sucht © Getty Images
MARTIN HAMANN: Hamann war bereits 2014/15 dabei, blieb aber wie Hoffmann ohne Punkte. In diesem Jahr durfte der 20-Jährige bereits seine zweiten Plätze bei der Junioren-WM im Team und Mixed feiern © Imago
TIM FUCHS: Der 20-Jährige holte bei der Junioren-WM 2017 Silber im Mannschaftswettbewerb. Rutschte als letzter Springer in den Kader, weil er beim Continental Cup in Engelberg an beiden Tagen unter die Top 30 kam © Imago

Vor 11.000 Zuschauern belegten der Oberstdorf-Dritte Dawid Kubacki und Stefan Hula die Ränge zwei und drei. Kamil Stoch (alle Polen), der am Samstag den Tournee-Auftakt am Schattenberg gewonnen hatte, musste sich mit 131,5 m und Rang sechs begnügen.

Doppel-Weltmeister Stefan Kraft (Österreich) folgte gar erst auf dem 17. Rang. "Es sollte nicht sein, ich habe mir das etwas leichter vorgestellt. Aber so Tage gibt es auch", sagte Kraft. (SERVICE: Die Gesamtwertung der Vierschanzentournee)

Markus Eisenbichler (Siegsdorf), der vor einen Jahr die Qualifikation gewonnen hatte, und Andreas Wellinger (Ruhpolding) blieben auf den Rängen zwölf und 15 etwas hinter den Erwartungen zurück. "Es war nicht top, aber es passt schon. Ich bin noch nicht ganz so gut in Form wie letztes Jahr", sagte Eisenbichler. Wellinger, im Gesamtweltcup Zweiter, sagte: "Es fehlt eine Kleinigkeit, damit es speziell auf dieser Schanze ein paar Meter weiter geht. Ich komme nicht so locker ins Gleiten."

Eisenbichler verpasst Top 10

Insgesamt qualifizierten sich neun der 13 deutschen Skispringer für den Wettbewerb. Mit dabei sind am Montag auch Karl Geiger (Oberstdorf/13.), Stephan Leyhe (Willingen/20.), Pius Paschke (Kiefersfelden/25.), David Siegel (Baiersbronn/36.), Constantin Schmid (Oberaudorf/38.) und Andreas Wank (Hinterzarten/45.).

Etwas länger ins neue Jahr feiern dürfen dagegen Moritz Baer (Gmund-Dürnbach), Tim Fuchs (Degenfeld), Martin Hamann (Aue) und Felix Hoffmann (Heidersbach), die allesamt den Wettkampf verpassten. Ausgeschieden sind auch Japans 45 Jahre alter "Flugsaurier" Noriaki Kasai und der Schweizer Simon Ammann (36).

Freitags bestes Ergebnis in Garmisch ist bislang ein sechster Rang an Neujahr 2016, vergangene Saison war er nicht über den 15. Rang hinaus gekommen. "Das ist jetzt nicht meine Lieblingsschanze, aber ich springe hier eigentlich ganz gerne. Wir trainieren hier ja auch nicht so selten. Es gibt keine Garantie, aber ich freu mich darauf", sagte er.

Die Paarungen mit deutscher Beteiligung:

Richard Freitag (Aue/4.) - Alex Insam (Italien/47.)
Markus Eisenbichler (Siegsdorf/12.) - Jakub Wolny (Polen/39.)
Karl Geiger (Oberstdorf/13.) - Constantin Schmid (Oberaudorf/38.)
Andreas Wellinger (Ruhpolding/15.) - Clemens Aigner (Österreich/36.)
Stephan Leyhe (Willingen/20.) - Halvor Egner Granerud (Norwegen/31.)
Pius Paschke (Kiefersfelden/25.) - Taku Takeuchi (Japan/26.)
David Siegel (Baiersbronn/37.) - Anders Fannemel (Norwegen/14.)
Andreas Wank (Hinterzarten/45.) - Kamil Stoch (Polen/6.)