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Noriaki Kasai absolvierte 105 Springen bei der Vierschanzentournee. Schon 1990/91 nahm der Japaner teil
Noriaki Kasai absolvierte 105 Springen bei der Vierschanzentournee. Schon 1990/91 nahm der Japaner teil © Imago
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München - Am 17. Dezember 1988 stürzte sich Noriaki Kasai erstmals eine Skisprung-Schanze im Weltcup hinunter. Sein nächstes Ziel sind die Olympischen Spiele 2022.

Wer erinnert sich noch an Skispringen ohne Noriaki Kasai? Wohl nur die wenigsten.

Seit 30 Jahren springt und fliegt der Japaner inzwischen von den Schanzen dieser Welt – und der 46-Jährige denkt noch lange nicht ans Aufhören. 

Alles begann 1980 im Alter von acht Jahren, als der kleine Noriaki sich erstmals im Skispringen versuchte. Acht Jahre später gab er am 17. Dezember 1988 in Sapporo sein Weltcup-Debüt – also noch vor der Wiedervereinigung Deutschlands.

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Bei diesem Wettkampf siegte die finnische Skisprung-Legende Matti Nykänen vor Dieter Thoma. Am Folgetag gewann mit dem Schweden Jan Boklöv sogar der Erfinder des V-Stils im Skispringen.

Kasai beginnt mit dem Parallelstil

Allein diese Begebenheit zeigt, wie lange Kasai in diesem Sport aktiv ist. Er selbst sprang zu Beginn seiner Karriere übrigens noch in dem damals üblichen Parallelstil.

Die Umstellung auf den V-Stil gelang Kasai aber problemlos. Er schraubte damals selbst an seinen Ski und setzte die Bindung weiter nach außen als alle anderen. So sprang es sich besser, aber eben auch gefährlicher, weshalb ihn viele für verrückt hielten.

Mit Gold bei der Skiflug-WM 1992 in Harrachov gelang ihm mit dieser Technik sein bis heute größter Erfolg. 16 weitere Weltcup-Siege sollten danach folgen - sein letzter im November 2014 mit 42 Jahren in Kuusamo.

Altersrekord im Weltcup und bei Olympia

Damit ist Kasai der mit Abstand älteste Skispringer, der einen Weltcup gewonnen hat. Der älteste Medaillengewinner bei Olympia ist er ebenfalls: In Sotschi holte er 2014 eine Silber- und eine Bronzemedaille. (Der Stand im Skisprung-Gesamtweltcup)

Noriaki Kasai gewann bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi zwei Medaillen
Noriaki Kasai gewann bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi zwei Medaillen © Getty Images

Bei den nächsten Olympischen Spielen 2018 wurde Kasai zum ersten Athleten, der achtmal am wichtigsten sportartenübergreifenden Event des Sports teilgenommen hat. 543 Einzel-Weltcups und 105 Springen bei der Vierschanzentournee hat er inzwischen auf seinem Konto.

Öfter als jeder andere hat er dabei auch die perfekte Note 20,0 von der Jury erhalten. Zwar fliegen andere Skispringer oft noch etwas weiter, doch in einem sind sich alle einig: Keiner fliegt schöner und eleganter durch die Lüfte als Kasai.

Kasai sammelt Spenden für Kinder

Kasai weiß aber, dass es im Leben mehr als Skispringen gibt. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 sammelte er Spenden für Kinder aus der betroffenen Region und lud Familien zum Sommer-Springen in Hakuba ein.

Im Alter von 43 Jahren wurde Kasai selbst erstmals Vater. Erst zwei Jahre zuvor hatte er seine Ehefrau Reina Harima geheiratet. In seiner Wohnung steht übrigens nur die kleine Trophäe der Skiflug-WM in Harrachov.

Kein Wunder, den ehrgeizigen Kasai interessieren eben nur große Erfolge: "Mein Kopf, mein Herz und meine Gedanken drehen sich seit 46 Jahren um Goldmedaillen. Und daran hat sich nichts geändert."

Traum von Olympia-Gold lebt weiter

Sein nächstes Ziel sind die die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Dann wäre Kasai fast 50 Jahre alt. Ursprünglich hatte er sogar mit Olympia 2026 in seiner Heimat Sapporo geliebäugelt, doch nach dem Rückzug Sapporos hat sich dieser Traum für ihn zerschlagen.

Allerdings soll Sapporo an einer Ausrichtung der Winterspiele 2030 interessiert sein. Kasai wäre dann 57 Jahre alt. Eigentlich ist eine Teilnahme Kasais dort unvorstellbar - doch es wäre nicht das erste Mal, dass der "Skisprung-Opa" die Grenzen des Vorstellbaren sprengt.

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