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Markus Eisenbichler belegte beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstorf Rang zwei
Markus Eisenbichler belegte beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstorf Rang zwei © Getty Images
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Markus Eisenbichler ist die deutsche Hoffnung bei der Vierschanzentournee. In Oberstorf platzt bei ihm der Knoten, vor sechs Jahren stürzt er dort schwer.

Viel Zeit zum Feiern blieb Markus Eisenbichler nach seinem Traumstart in die Vierschanzentournee nicht.

Der Urbayer holte sich im Hotel ein paar Schulterklopfer ab, dann stieg er ins Auto und düste durch die regnerische Nacht von Oberstdorf nach Garmisch-Partenkirchen.

"Ich habe kaum geschlafen. Es geht hier Schlag auf Schlag. Aber das passt mir eigentlich ganz gut", sagte der 27-Jährige, der keine 20 Stunden nach seinem famosen zweiten Platz schon wieder auf die nächste Schanze musste. Dort flog er in der Qualifikation trotz kurzer Nacht auf Rang vier und unterstrich erneut seine Topform.

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An Neujahr (Vierschanzentournee: Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen ab 14.00 Uhr im LIVETICKER) soll das Wintermärchen des bislang in der zweiten Reihe stehenden "Eisei" daher seine Fortsetzung finden.

Horror-Sturz beendete fast die Karriere von Eisenbichler

Dass gerade in Oberstorf der Knoten in dieser Saison geplatzt ist, ist durchaus bemerkenswert. Denn die Schattenberg-Schanze spielte im September 2012 beinahe Schicksal für den Bayer.

Bei einem Trainingssprung verlor er die Kontrolle und stürzte kopfüber auf den Hang. Ein Brustwirbel war gebrochen, drei weitere angebrochen. "Als ich da unten lag und nichts mehr gespürt habe, habe ich schon mal gedacht, dass es das jetzt mit dem Skispringen war", erinnerte er sich. 

Er habe nach seinem Horror-Sturz damals im Krankenhaus viel Zeit zum Nachdenken gehabt. "Ich habe mir gesagt: Falls ich wieder fit werde, dann probiere ich es nochmal. Dann nicht mehr mit 80 Prozent. Sondern unter dem Motto Alles oder Nichts."

Kobayashi verhindert Coup nur haarscharf

Ganze 0,4 Punkte liegt der WM-Dritte von 2017 in der Gesamtwertung der Tournee hinter dem Topfavoriten Ryoyu Kobayashi aus Japan, der den Auftakt-Coup des Deutschen nur haarscharf verhinderte.

Und weil nun Schanzen folgen, die Eisenbichler "im Schlaf" beherrscht, wie Bundestrainer Werner Schuster flapsig meinte, lebt der Traum vom ersten deutschen Gesamtsieg seit Sven Hannawald vor 17 Jahren.

"Ich mag Garmisch extrem gerne. Die Schanze ist zwar ein bisschen knifflig, aber meistens hab ich sie im Griff", sagte Eisenbichler über die Olympia-Anlage von 1936. Vor zwei Jahren hatte er dort als Vierter schon einmal am Podest gekratzt, im vergangenen Winter im Dauerregen dagegen nur Rang 14 belegt.

Nun soll ihm vor allem das neue Selbstvertrauen helfen. "Markus hat wirklich die Voraussetzungen geschaffen, in einen Flow zu kommen", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Eisenbichler fehlt es an Konstanz

Es ist die Konstanz, die Eisenbichler bislang fehlte. Der "Trainings-Weltmeister" lieferte bislang viel zu selten, wenn es darauf ankam. WM-Bronze von der Normalschanze in Lahti war vor zwei Jahren eher ein Ausreißer nach oben. Im Weltcup stand er in Oberstdorf erst zum fünften Mal auf dem Podest, gewonnen hat er noch nie.

Das könnte sich bald ändern. "Wenn Markus so weiterspringt, hat er noch einige Chancen, einen Wettkampf zu gewinnen", sagte Schuster. Vielleicht ja schon an Neujahr?

Kobayashi scheint jedenfalls schlagbar. Der 22-Jährige ließ bei seinem fünften Saisonsieg im zweiten Durchgang perfekte Bedingungen ungenutzt. "Ich dachte, er geht mit 15 Punkten Vorsprung aus dem Wettkampf. Das ist das Menschliche am Skispringen", sagte Schuster.

Macht es Eisenbichler wie Diethart und Kraft?

Und so darf Eisenbichler auf den großen Coup hoffen, obwohl er eher mäßig in die Saison gestartet war. Erst Rang sechs im letzten Wettkampf vor der Tournee brachte die Wende. "Engelberg war der Knotenlöser", sagt Eisenbichler, der anschließend an Weihnachten noch einmal die Erholung auf dem Berg suchte. Mit Erfolg: "Ich habe da einfach die Aussicht genossen. Da konnte ich abschalten und den ganzen Trouble vergessen."

Und vielleicht gelingt dem Siegsdorfer ja sogar der große Coup. So wie den Österreichern Thomas Diethart (2013/2014) und Stefan Kraft (2014/2015), die ebenfalls ohne Weltcupsieg zur Tournee gereist waren und dort sensationell triumphierten.

"Diese ganz besonderen Geschichten gibt es immer wieder", hatte Schuster schon vor der Tournee gesagt: "Da wartet man jahrelang auf einen Gesamtsieg, bei Freitag, bei Wellinger, bei Freund - und vielleicht macht es dann ein ganz anderer."

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