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Stephan Leyhe zog sich bei der Raw Air in Trondheim im März einen Kreuzbandriss zu
Stephan Leyhe zog sich bei der Raw Air in Trondheim im März einen Kreuzbandriss zu © Getty Images
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Nach zahlreichen Kreuzbandrissen ist im Skispringen eine Materialdebatte entbrannt. Ex-Stars fordern Änderungen, einige Springer verteidigen die moderne Ausrüstung.

Die Olympiasieger Severin Freund, Andreas Wellinger und Carina Vogt, zuletzt Team-Weltmeister Stephan Leyhe - die Krux der Kreuzbandrisse hat in jüngerer Vergangenheit auch die Elite des deutschen Skispringens getroffen.

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Die Vielzahl schwerer Kniefälle befeuert die Sicherheitsdiskussion im Schanzensport, die elf Monate vor der Heim-WM in Oberstdorf vor allem die DSV-Adler in ihrer Flugpause umtreibt.

"Wir hatten immer mal einen Kreuzbandriss, aber jetzt ist es gehäuft aufgetreten. Es gibt schon intern Gespräche, woran das liegt und woher das kommt", sagte Freund. Und auch Karl Geiger, Deutschlands bester Skispringer, zeigte sich besorgt: "Das beschäftigt einen, das ist auch wirklich nicht schön."

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Freund leidet mit Leyhe

Freund hatte es besonders hart getroffen. Im Januar 2017 war er der erste prominente DSV-Adler, dem im Training das Kreuzband zerriss. Ein halbes Jahr später erwischte es ihn bei der Rückkehr auf die Schanze erneut - bis heute läuft der 31-Jährige alter Form hinterher und musste nur drei Wochen nach seinem Weltcup-Comeback miterleben, wie es seinen Teamkollegen Leyhe als bislang letzten Deutschen traf.

"So eine Verletzung geht einem nahe, wenn man das selbst mal erlebt hat", sagte Freund. Leyhe war am 11. März - dem letzten Tag der abgebrochenen Saison - in Trondheim schwer gestürzt, für Freund "extrem unnötig, es wäre extrem einfach zu verhindern gewesen, indem man einfach zwei, drei Luken niedriger anfährt."

Leyhe war zu hoch, zu schnell, zu weit - und damit chancenlos. Beim Gros der Verletzungsfälle ist die Sache weniger klar, das neuartige und auf Spektakel getrimmte Material gilt als Hauptverdächtiger: Für die ideale aerodynamische Flugposition verwenden Springer Keile und Einlagen in den Schuhen, dies erhöhe aber wohl die Lande-Belastung signifikant.

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Weißflog fordert FIS zum Handeln auf

Einstige Helden sehen darin den Quell des Übels. "Da es keine Regeln gibt, reizen die Springer das Material aus. Das geht auf Kosten der Gesundheit", sagte Sven Hannawald der Sport Bild, und Jens Weißflog forderte: "Der Weltverband muss eingreifen, Keile und Einlagen verbieten."

Heutige Helden sind skeptischer. "Ich glaube nicht, dass es direkt am Material liegt, da muss man nichts ändern", sagt Geiger: "Skispringen ist durch das offensivere Material sicherer geworden. Es gibt deutlich weniger Abspitzler, also wenn der Ski einsteckt und der Athlet einen Salto macht, das gab es früher viel öfter. Andererseits werden kleine Fehler ziemlich hart bestraft." 

Geiger: "Bleibt eine gefährliche Sportart"

Freund regt zwar an, "nochmal ein bisschen nachzuhaken und sich das gesamte Equipment anschauen. Die Stäbe sind aggressiver, die Ski kürzer geworden, irgendwann wirst du zu schnell."

Aber auch er verweist darauf, dass "wir wesentlich weniger Verletzungen durch instabile Sprünge haben, wo das Sprungsystem in der Luft zerfällt. Die Verbindung mit Ski, Schuh, Keil und Anzug ist so extrem stabil geworden ist, dass du bei widrigen Bedingungen immer noch extrem gut springen kannst."

Wie also auf die Kreuzbandmisere reagieren? "Wie man genau handeln kann, da bin ich auch überfragt", sagt Geiger, der sich mit dem Risiko arrangiert hat: "Ganz vermeiden kann man es nicht - es bleibt eine gefährliche Sportart." 

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