Nächste heftige Klatsche: HSV am Boden
HSV-Keeper reagiert auf Klatsche
Wie in der Vorwoche kassiert der Hamburger SV eine deutliche Niederlage. In Leipzig fallen die Norddeutschen vor allem im zweiten Durchgang völlig auseinander. Merlin Polzin gibt sich nach Abpfiff kämpferisch.
Erst 0:5 gegen Mainz, nun auch noch 0:5 (0:2) bei RB Leipzig – der Hamburger SV wird in der Fußball-Bundesliga abgeschossen und steckt früh in der Saison tief in der Krise. Nach der neuerlichen Abreibung am dritten Spieltag hat der HSV als Tabellenletzter null Punkte auf dem Konto und ein Torverhältnis von 0:12. Es ist der schlechteste Bundesligastart der Vereinsgeschichte.
Vor allem in der zweiten Hälfte zeigte das Team von Merlin Polzin Auflösungserscheinungen und kassierte drei Gegentore in sechs Minuten. Tidiam Gomis (17.) und Antonio Nusa (28.) befreiten die Leipziger schon in der ersten Halbzeit nach zuletzt zwei bitteren Niederlagen in Bremen und Como. Willi Orban (72.), Christopher Nkunku (74.) und Romulo (77.) bauten das Ergebnis dann zum Kantersieg aus, Trainer Martin Demichelis kann durchatmen.
Bundesliga: Leipzig überrollt HSV
Direkt nach Abpfiff versammelte HVS-Trainer Merlin Polzin seine Mannschaft in einem gemeinsamen Kreis: Dort hielt der Coach mit weit aufgerissenen Augen eine intensive Ansprache. Dabei startete der HSV noch ordentlich ins Spiel und störte Leipzig früh im Aufbau. Ungenaue Zuspiele und Ballverluste machten es den Gastgebern zusätzlich schwer. In der 12. Minute setzten die Hamburger RB so unter Druck, dass Torhüter Maarten Vandevoordt bei der Spieleröffnung einen eigenen Mitspieler traf und der frühere Leipziger Yussuf Poulsen in seinem 250. Bundesliga-Spiel beinahe zum Abschluss kam.
Und doch waren es die Gastgeber, die zuerst jubelten. Brajan Gruda spielte einen haargenauen Steckpass auf Ezechiel Banzuzi, der wiederum blitzschnell auf Gomis querlegte. Der Franzose traf zum ersten Mal für RB.
HSV-Debakel: „Das darf uns nicht passieren“
Dieser Treffer zeigte Wirkung – zumindest auf Leipziger Seite. Hatte Demichelis vor dem Spiel noch erklärt, man müsse „eine Reaktion zeigen“ und es sei „eine Verpflichtung, zu gewinnen“, machte seine Mannschaft genau das. Nach einem Pass von HSV-Torhüter Heuer Fernandes verlor Shafiq Nandja den Ball im Aufbauspiel an Nusa, der eiskalt verwandelte.
Nach der Pause war es dann der schnelle Dreifach-Schlag von Orban, Nkunku und Romulo, der den Hamburgern endgültig den Zahn zog. „Das darf uns nicht passieren“, sagte HSV-Sportdirektor Claus Costa bei DAZN angesprochen auf die Gegentreffer. Von einer möglichen Debatte um Cheftrainer Polzin wollte Costa aber nach dem historisch schlechten Saisonstart nichts wissen: „Ich halte gar nichts von Aktionismus. Ich halte nichts von unnatürlichen Dingen.“
Polzin: „Das hört sich beschissen an“
Polzin selbst gab sich nach Spielende kämpferisch: „Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt, dass mir heute eine Sache ganz wichtig ist: Dass man heute ein anderes Gesicht sieht von der Art und Weise, wie wir auftreten. Und das habe ich heute gesehen“, erklärte der 35-Jährige. „Das hört sich beschissen an nach einem 0:5, was sehr wehtut. Und eines steht fest: Wir stehen brutal zusammen.“
Bis zum 3:0 habe der HSV ein „sehr vernünftiges Auswärtsspiel“ gemacht. „Aber dann geht’s zu schnell, das steht außer Frage“, gab Polzin zu. „Dann darfst du dir diese Anzahl an Gegentoren nicht einfangen.“ Man müsse intern nun den Spagat schaffen, nicht alles schlechtzureden und das Spiel dennoch kritisch aufzuarbeiten.
Sorge um RB-Star: Ouédraogo verletzt raus
Schon in der 35. Minute musste auf Leipziger Seite Assan Ouédraogo das Spielfeld verletzungsbedingt verlassen. Der Nationalspieler, der auch bei der anstehenden Nominierung am Donnerstag ein Kandidat gewesen sein dürfte, muss somit nach seiner Schulterverletzung womöglich den nächsten Rückschlag verkraften.
Deswegen war der Leipzig-Sieg so wichtig
Der erste Abschluss der zweiten Hälfte gehörte dem HSV. David Möller Wolfe setzte sich auf der linken Außenbahn durch und flankte auf Terem Moffi, doch Vandevoordt parierte. Die Hamburger waren nun deutlich besser im Spiel, belohnten sich für ihre Druckphase aber nicht.
Besonders HSV-Offensivkraft Moffi, der zur zweiten Halbzeit zwei für Poulsen reingekommen war, belebte das Spiel. Ein Treffer war jedoch auch ihm nicht vergönnt. Stattdessen machten die Leipziger den Deckel drauf: Orban traf nach einem Freistoß von Nusa, nur zwei Minuten später tat dies auch Rückkehrer Nkunku – 1205 Tage nach seinem letzten RB-Tor. Dann wurde es richtig bitter: Auch der kurz zuvor eingewechselte Romulo kam noch zu seinem Treffer. Die Hamburger fielen in dieser Phase völlig in sich zusammen.