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1996 NBA Finals Game 6:  Seattle SuperSonics vs. Chicago Bulls
Mit seinem Wechsel in die NBA löste Detlef Schrempf vor 30 Jahren einen Basketball-Hype in Deutschland aus © Getty Images

Detlef Schrempf löst vor 30 Jahren mit seinem Wechsel in die NBA in Deutschland einen Basketball-Boom aus. Wolfgang Kleine erinnert an seinen sportlichen Aufstieg.

App, TV und Internet. Die Basketball-Fans in Deutschland sind über das Geschehen in den USA laufend informiert. Die Siege, Niederlagen und Statistiken von Dirk Nowitzki in der laufenden NBA-Saison sind präsent, sie werden diskutiert. Das Interesse ist groß.

Schuld an diesem Hype ist aber nicht allein "Dirkules" oder ein Dennis Schröder, der bei den Atlanta Hawks für Aufsehen sorgt, sondern ein heute 52-Jähriger.

Sein Name: Detlef Schrempf, genannt "Det the Threat". Der inzwischen in den USA eingebürgerte Ex-Leverkusener hat das große Interesse am Basketball in Deutschland eingeleitet.

Was in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren mehr oder weniger in Turnhallen praktiziert wurde, fand ab 1985 plötzlich im deutschen Sport größere Beachtung. Es war nicht nur die EM im eigenen Land, der Schrempf zuvor den Stempel aufdrückte, sondern der anschließende Draft in die NBA.

Auch damals waren es die Dallas Mavericks, die einem 22-jährigen Deutschen die Chance gaben. Der junge Detlef Schrempf wollte im Leverkusener Ortsteil Boddenberg eigentlich erst Fußball spielen. Doch mit der Zeit wuchs der den jugendlichen Teamkollegen über den Kopf und als dann der oft unvermeidliche Alkohol bei den anderen in Spiel kam, war für ihn Schluss.

"Waren zu grün hinter den Ohren"

Ein Zufall sorgte dafür, dass Schrempf später den größten Triumph seiner Laufbahn im Basketball feiern konnte. Vor knapp 20 Jahren, 1996, stand er mit den Seattle SuperSonics im NBA-Finale gegen die übermächtigen Chicago Bulls.

Zusammen mit den jüngeren Gary Payton und Shawn Kemp verlor er allerdings das Duell der Giganten mit 2:4 in den Playoff-Spielen. Michael "Air" Jordan und Co. waren zu stark. Schrempf, der Mann mit dem Bürstenhaarschnitt: "Wir waren damals noch zu grün hinter den Ohren. Eigentlich war der Halbfinal-Triumph über Utah schöner als das Finale."

Ein Rückblick nach Leverkusen: Schrempf spielte mit einer Basketball-Schulmannschaft in der Wilhelm-Dopatka-Halle, der Heimstätte des Bundesliga-Teams von Bayer Leverkusen.

Ein gewisser Otto Reintjes sah den jungen Schlaks dort spielen. Der Ex-Profi von Bayer und spätere Klub-Manager erkannte das Talent von Schrempf und war auch sein erster Förderer. Reintjes empfahl den Wechsel in die USA. Dort begann der inzwischen 2,08 Meter große Schrempf seine Laufbahn an der Centralia High School und dann an der University of Washington.

Die Grundlage für den späteren Draft durch die Mavs. Danach spielte der Power Forward für die Indiana Pacers und später für die Sonics. Nach seinem Abschied aus der NBA im Jahre 2001 wendete er sich auch mit Hilfe seiner Frau Mari, einer ehemaligen deutschen Hürdenläuferin, gemeinnützigen Dingen zu.

Erfolg im Sport ist nicht alles

Er gründete die "Detlef Schrempf Foundation" zu Gunsten von ärmeren Familien und Kindern. Erst in diesem Jahr sprach der langjährige Profi über seinen behinderten Sohn Michael (22). "Er hat eine Reihe von Einschränkungen. Er ist lernbehindert und seine Entwicklung ist verlangsamt. Außerdem hat er Probleme mit der Fein- und Grobmotorik der Hände", sagte Schrempf der Sport Bild, "dazu kommen sprachliche Probleme und mit den Sinnesorganen." Aber er würde arbeiten, spiele in der Freizeit Basketball und Fußball."

Jetzt sucht der 52-Jährige, der in Seattle als Anlageberater arbeitet, mit seiner Frau ein Haus, in dem Michael mit ebenfalls behinderten Freunden unter Aufsicht wohnen kann. Die Situation seines Sohnes prägt den Menschen Schrempf, so wie auch sein Engagement für die Foundation: "Schon in den ersten zwölf Jahren hatten wir über acht Millionen Dollar gesammelt."

Das ist für Schrempf mindestens genau so wichtig wie seine sportlichen Erfolge.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung  vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996, 1997 sowie 1998 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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