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Maik Zirbes (r.) bestritt sein erstes Euroleague-Heimspiel für Roter Stern Belgrad gegen Galatasaray Istanbul

Center Maik Zirbes wagt als erster deutscher Nationalspieler den Schritt nach Serbien. SPORT1 stellt er sein neues Leben vor.

Von Florian Pertsch

München/Belgrad - Manchmal passt es einfach nicht.

Nationalspieler Maik Zirbes hat diese Erfahrung in Bamberg gemacht, wo er trotz Deutscher Meisterschaft mit den Brose Baskets 2013 als Tibor Pleiß' Nachfolger stets einen schweren Stand hatte.

Nach der verkorksten Saison 2013/14 und dem überraschenden Playoff-Aus in Runde eins gegen die Artland Dragons zog er einen Schlussstrich und suchte sich eine neue Herausforderung.

Serbien statt Spanien

Pleiß zog es von Bamberg nach Spanien, und auch Maximilian Kleber, Kollege in der Nationalmannschaft, entschied sich in Santiago de Compostela für eine neue Heimat in der Liga ACB.

Zirbes aber wollte zu den Wurzeln des europäischen Basketballs, nach Serbien, und entschied sich für Traditions-Klub Roter Stern Belgrad, der an diesem Freitag in der Turkish Airlines Euroleague gegen Olympiakos Piräus (ab 19 Uhr LIVESCORES) antritt.

Und bislang bereut Zirbes "die bessere Option und Perspektive" nach seiner Vertragsauflösung nicht: "Ich wollte einfach in dieses Nest, wo so viele gute Basketballer herkommen", sagt er im Gespräch mit SPORT1. "Ich kannte Belgrad bereits durch Auswärtsspiele und ein paar Urlaube. Es ist wunderschön hier, und die Menschen sind fast übertrieben freundlich."

Disziplin und individuelle Klasse

Bei der Trainingsarbeit ist allerdings Schluss mit lustig.

Zirbes wollte sich weiterentwickeln, von der "Jugo-Schule lernen", die sehr viel Wert auf Disziplin und individuelle Klasse legt.

Er ist bei Belgrads Trainer Dejan Radonjic, der sein Team zum Auftakt der ABA Liga zu sechs Siegen in Serie geführt hat, genau an der richtigen Adresse gelandet.

"Das Training ist härter als alles was ich bisher erlebt habe", beschreibt der Center das Belgrader Trainings-Bootcamp: "Wenn du denkst, es geht nichts mehr, wirst du so lange getriezt, bis du wieder kannst. Ich war schon mehrmals überrascht, wie fit ich eigentlich bin."

Schleifer mit Prinzipien

Radonjic legt extrem viel Wert auf Defense und Fastbreak - und setzt seine Prinzipien teils recht deutlich durch.

"Mir wird den ganzen Tag in den Arsch getreten. Im Training ist lachen komplett raus. Aber es macht trotzdem unfassbar Spaß."

Druck durch den Coach, Druck durch den Center-Kollegen.

"Ich lerne in jedem Training"

In Boban Marjanovic hat Zirbes einen der dominierenden Big-Men der aktuellen Euroleague-Saison in der Rotation vor sich.

16,3 Punkte und 7,3 Rebounds liefert der 2,21-Meter-Riese auf europäischer Bühne ab und beschränkt die Einsatzzeit des Deutschen auf gut elf Minuten (3,3 Punkte, 1,7 Rebounds) im Schnitt.

Dennoch sieht Zirbes die Situation positiv: "Er ist der beste Center, gegen den ich bis jetzt gespielt habe. Er ist nicht nur riesig, auch seine Fußarbeit ist außerordentlich. Ich lerne in jedem Training von ihm."

Kleine Teams, kleine Geldbeutel

Sportlich ist das Abenteuer Serbien also ohnehin kein Rückschritt für Zirbes, auch wenn die Mehrheit der Teams kleiner ist und finanziell nicht so stark wie in Spanien: "Ob ich jetzt in Spanien unter einem serbischen Trainer spiele oder in Serbien, ist ja wohl ziemlich egal. Den europäischen Basketball prägen sie ohnehin - egal wo."

Und auch die Belgrader Fans haben es Zirbes angetan. "Bamberg wird nicht umsonst als Freak City bezeichnet, aber so krass wie hier, ist es wahrscheinlich in ganz Europa nicht."

Fast ehrfürchtig erzählt er von seinem ersten Euroleague-Heimspiel gegen Galatasaray Istanbul (76:68).

Gesänge und Tänze auf der Tribüne

"Mehr als 20.000 Leute waren in der Halle. Sitzplätze gibt es dann wie bei uns in Deutschland nicht mehr. Hier stehen alle, singen, tanzen und brüllen. Das ist schon etwas ganz anderes", sagte Zirbes über die Atmosphäre in der Kombank Arena.

Auch im Zuspruch durch die Fans erkennt Zirbes Unterschiede zu seiner Zeit in Bamberg: "Wenn das Spiel gewonnen wird, ist es ein Verdienst der Mannschaft. Egal, ob man selbst drei Airballs oder 20 Dreier geworfen hat."

Sportlich ist also in Ordnung, wären da nur nicht ab und an die Tücken des Alltags.

Kraftfutter für den Euroleague-Kracher

"Die Leute haben hier unendlich viel Zeit. In einem Laden musst du immer zehn Minuten mehr an der Kasse einberechnen, egal wie viele Menschen vor dir dran sind", sagt Zirbes mit süffisantem Unterton: "Der Verkehr ist im Gegensatz zu Trier oder Bamberg eine ganz andere Hausnummer. Damit muss ich noch zurechtkommen."

Woran er sich dagegen sehr gern gewöhnt, ist die serbische Küche.

"Hier gibt es sehr viel Fleisch, das empfinde ich als sehr positiv", sagt Zirbes und lacht.

Bei den harten Trainingseinheiten von Trainer Radonjic und dem anstehenden Euroleague-Kracher gegen Olympiakos Piräus kann er das Kraftfutter sicher auch gut gebrauchen.

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