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John Bryant sieht sich in der "besten Verfassung" seines Lebens

München - John Bryant sieht sich in der "besten Verfassung" seines Lebens. Er will Barcelona ärgern - zusammen mit Neuzugang Bo McCalebb.

Von Adrian Geiler

John Bryant grinst verschmitzt.

Wie ein kleiner, braver Schuljunge, der eine gute Note nach Hause gebracht hat, stellt der 2,11-m-Hüne des FC Bayern München fest: "Ich bin in der besten Verfassung meines Lebens."

Aber sofort schiebt er hinter: "Im Team gibt es viele, die länger als ich durchhalten."

Bryant überzeugt

Diese tolle Form drückt sich auch in beeindruckenden Zahlen aus. Bryant ist der zweitbeste Scorer des Meisters in Beko BBL. In der Rebound-Statistik der Liga ist er in den Top 5.

Noch stärker präsentiert sich der ehemalige Ulmer in der Euroleague, in der nun der spanische Spitzenverein FC Barcelona zu Gast ist (Do., ab 20.10 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

Mit 16,4 Punkten pro Partie liegt er in der Scorerliste auf dem 13. Platz. Außerdem räumt keiner so stark unter dem Korb auf wie Bryant.

Im Schnitt neunmal ist er zur Stelle. Kein Spieler in der Turkish Airlines Euroleague ist besser.

Endlich austrainiert

Die wichtigste Euroleague-Statistik für den 28-Jährigen ist aber ein andere. Nur Starneuzugang Dusko Savanovic stand länger auf dem Feld als Bryant.

Vor einem Jahr, als der US-Amerikaner zum FCB kam, war das noch undenkbar.

Als er noch das Trikot von ratiopharm Ulm trug, schien der ein oder andere über seine nicht austrainierte Form sogar glücklich.

Manch einer stellte sogar einen Zusammenhang zwischen Form und Gewicht her: Je schwerer und untrainiert Bryant zu Saisonbeginn ist, desto besser ist er.

Am Ende der Saison war er platt und konnte keine Akzente mehr setzen.

US-Workout löst Fitness-Problem

Erstmals in seiner Karriere kam Bryant fit aus der Sommerpause nach Deutschland zurück.

Das Geheimnis für die "beste Verfassung" seines Lebens ist simpel: "Ein Workout in den USA hat mich in Form gebracht."

Insbesondere in der Regeneration profitiert er: "Ich muss keine extra Sachen mehr machen und bin deswegen nicht mehr müde. Es ist leichter ? mental und physisch."

McCalebb ist mit dabei

Seit Tagen ist prominente Unterstützung für Bryant und Bayern München im Gespräch: Bo McCalebb.

Der Mazedonier konnte seit 2010 in jedem Jahr mindestens einen Titel gewinnen, gilt als einer der erfolgreichsten Spieler Europas.

Am Donnerstag folgte die Bestätigung: McCalebb kommt ? und ist gleich spielberechtigt gegen Barcelona.

"Der FC Bayern war jetzt für mich die beste Wahl, und ich bin bereit zu spielen", sagte McCalebb nach dem Vertragsabschluss.

"Wir sind sehr stolz, dass sich ein Spieler dieser Güte für uns entschieden hat", zeigt sich Manager Marko Pesic hocherfreut.

Auch sein Vater und Trainer Svetislav, der den Transfer schon angedeutet hatte, dürfte mit dem langersehnten Ersatz für die verletzten Paul Zipser, Anton Gavel und Kapitän Bryce Taylor zufrieden sein.

Pesic sieht keine Chance

Weit weniger glücklich ist der knorrige Serbe, wenn über die Tabelle der Euroleague spricht. Über ein Weiterkommen in die Top 16 spreche er erst, "wenn wir das ein oder andere Spiel gewonnen haben. Im Moment haben wir keine große Chance."

Mit einem Sieg aus vier Spielen ist München Fünfter ? Rang vier würde zum Einzug in die nächste Runde reichen.

In der Hammergruppe mit Fenerbahce, Athen und Barcelona schlägt sich die Pesic-Mannschaft achtbar. In beinahe jeder Partie war man ebenbürtig ? auch beim Hinspiel in Katalonien (81:83).

Barcelona gut drauf - "Kämpfen bis zum Umfallen"

"Wir haben in Barcelona eines der besten Spiele in dieser Saison gemacht", sagt Pesic.

Doellmann, Navarro und Huertas und Co. führen die Gruppe C der Euroleague an. Am Wochenende besiegten sie den Tabellendritten der spanischen Liga Valencia klar mit 76:57.

Nicht einmal geriet die Mannschaft von Trainer Xavi Pascual in Rückstand.

"Wir werden kämpfen bis zum Umfallen, um die Chance zu haben, das Spiel zu gewinnen", verkündet Pesic trotzig.

"Wir haben auf jeden Fall eine Chance", sagt auch Bryant: "Es wird nicht leicht, wir sind nicht der Favorit. Wir sind von Verletzungen geplagt."

Bryant will überraschen

"Du weißt nicht, was passieren wird", teilt Bryant mit, "vielleicht haben sie einen schlechten Tag und wir einen guten. Es wird ein Test des Willens."

Plötzlich weicht dem spitzbübischen Lächeln ein ernster, aufgeweckter Blick.

"Jeder wird sein bestes geben. Wenn wir unser Spiel spielen und jeder seine Aufgaben in der Defensive erledigt, werden wir überraschen können."

Und stolz wäre er dann sicher auch.

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