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Chris Fleming und seinem Nationalteam droht das Verpassen der EM 2017 © Getty Images

Die deutsche Nationalmannschaft gerät zur Unzeit in eine Abwärtsspirale. Nach der Niederlage in Dänemark wird der Mega-Gau in der EM-Quali immer wahrscheinlicher.

Auf der Insel Seeland, im Städtchen Naestved, nahm das Horrorszenario erste Konturen an. Und doch klang es so, als hätte es bei den deutschen Basketballern nur einen kleinen Betriebsunfall gegeben.

"An unserer Lage hat sich nicht viel geändert, mit zwei Siegen kommen wir zur EM", sagte Bundestrainer Chris Fleming nach dem Offenbarungseid in Dänemark. Tatsächlich steuert die Nationalmannschaft eher auf eine nie für möglich gehaltene Blamage zu.

Durch das 102:106 beim kleinen Nachbarn aus dem Norden, nach dreimaliger Verlängerung und fast drei Stunden Spielzeit, wird das Aus in der Qualifikation für die EuroBasket 2017 immer wahrscheinlicher. Der Druck ist weiter gestiegen, und hier liegt das Problem.

Österreich der Anfang vom Ende?

Beim Zittersieg eine Woche zuvor in Österreich (61:59) hatte es bereits erste Risse im Nervenkostüm gegeben, seit der Niederlage unter der Woche gegen die Niederlande (71:75) ist die letzte Sicherheit weg.

Gewackelt, gestolpert, gestürzt - es stellt sich die Frage, wie diese mehr als nur angeschlagene Mannschaft mit dieser Situation klarkommen soll.

"Es bringt nichts, jetzt lange zu jammern", sagte Fleming nach der peinlichen Niederlage bei den Dänen, der ersten im 19. Duell der Länderspiel-Geschichte. Dafür ist auch überhaupt keine Zeit, denn schon am Mittwoch wird es richtig ernst. Gibt es in Bamberg eine Niederlage gegen Österreich (ab 19.30 Uhr im LIVETICKER), ist das EM-Ticket wohl futsch.

Erreicht Fleming sein Team noch?

Als Favorit war die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) in die Gruppe B gestartet. Die Auslosung verlief glücklich, kein wirklich starker Gegner war dabei. Die Qualifikation sollte nur der erste Schritt auf dem Weg zum Fernziel Olympia sein. Über Tokio 2020 redet derzeit niemand mehr.

Kein Mumm, kein Selbstvertrauen, keine Klasse - eineinhalb Wochen nach dem ungefährdeten Auftaktsieg gegen die Dänen in Kiel (101:74) war das DBB-Team völlig von der Rolle. Fleming hat es nicht geschafft, seine Spieler vor der Pflichtaufgabe aufzurichten. Ganz im Gegenteil.

An der Atmosphäre lag es jedenfalls nicht, dass die deutschen Korbjäger gegen eine Mannschaft versagten, die ihre drei vorherigen Qualifikationsspiele im Schnitt mit mehr als 21 Punkten Unterschied verloren hatte. Das lauteste in der kleinen, nur halb gefüllten Naestved Hallerne waren die schrillen Schreie der dänischen Cheerleaderinnen.

Der Kopf der Mannschaft fehlt

"Wir haben etwas unsicher, aber eigentlich recht ordentlich begonnen, die Dänen haben allerdings von Beginn an schwierige Würfe getroffen", sagte Fleming. Der Amerikaner hält in der Öffentlichkeit weiter die Hand über seine Mannschaft, auch wenn er sagte: "Im zweiten Viertel haben wir dann unsere Köpfe verloren."

Nach dem Österreich-Spiel hatte sich der Coach noch vehement gegen die Kritik gewehrt, es mangele dem Team an Persönlichkeiten. Doch genau hier liegt das Grundproblem. Niemand taugt zum Anführer, niemand übernimmt Verantwortung.

Schröder wird schmerzlich vermisst

Nun dürfte auch dem letzten EM-Kritiker klar sein, wie gut Dennis Schröder ist. Mit dem NBA-Star von den Atlanta Hawks, hatte es 2015 für das deutsche Team gegen Weltklasse-Teams wie Serbien oder Spanien eine Siegchance gegeben, ohne den dynamischen Point Guard reicht es nicht einmal gegen Dänemark.

Schröder pausiert in diesem Sommer aus nachvollziehbaren Gründen, denn er wird in der kommenden Saison bei den Hawks Starter und 2017 Free Agent. Sein Vertreter Maodo Lo ist jedoch der einzige Guard von Format in Flemings aktuellem Aufgebot und kann es im Alleingang nicht richten.

Die vorzeitige Abreise von Tibor Pleiß tut weh, aber auf den großen Positionen liegt mit Danilo Barthel oder Johannes Voigtmann nicht das Problem. Von auch international erfahrenen Flügelspielern wie Robin Benzing oder Niels Giffey kommt viel zu wenig - auch und gerade als Anführer.

Zuletzt fand 1991 eine EM ohne deutsche Beteiligung statt, jetzt muss auch Fleming liefern.

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