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Serbien und die USA stehen sich am Sonntagabend im WM-Finale gegenüber © Getty Images

München - Schockt Underdog Serbien im Finale der WM die NBA-Profis? Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic sieht Milos Teodosic als Trumpf.

Von Stefan Schnürle

Mit dem Traumfinale zwischen den USA und Gastgeber Spanien ist es nichts geworden.

Doch auch wenn das US-Team als Favorit in das Endspiel der Weltmeisterschaft (ab 20.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 mit Co-Kommentator Marko Pesic und im LIVE-TICKER) geht, scheint Serbien keineswegs chancenlos.

Dabei starteten die Serben eher schlecht ins Turnier. Nach zwei Siegen und drei Niederlagen qualifizierten sie sich als Vierter gerade noch für das Achtelfinale.

Dort platzte beim klaren 90:72-Sieg gegen die Griechen der Knoten. Es folgten der Kantersieg gegen Brasilien und der Triumph gegen Spanien-Bezwinger Frankreich. 

Selbstbewusste Serben

Kein Wunder, dass die Serben nun selbstbewusst in die erste Partie ihrer Geschichte gegen die NBA-Stars gehen. "Bis sie uns 40 Minuten lang zeigen, dass sie das bessere Team sind, werde ich nicht sagen, dass sie das bessere Team sind", sagte der serbische Coach Alexksandar Djordjevic.

Doch Marko Pesic, Geschäftsführer des FC Bayern München, glaubt, dass die USA neben der höheren individuellen Qualität auch von dem einem Tag Pause mehr profitieren werden.

SPORT1 hat dennoch fünf Punkte gefunden, wie Serbien die USA stoppen könnte:

- Superduo Teodosic/Bogdanovic

Milos Teodosic hatte mit einer starken Vorstellung gegen Frankreich entscheidenden Anteil am serbischen Finaleinzug. Seine Dreier-Quote von 48,9 Prozent im Turnier kann sich ebenfalls sehen lassen. Nach den starken Partien in der K.o-Phase bekam er von US-Medien sogar den Spitznamen "Medal Round Milos" verpasst.

Nicht nur für Pesic hat Serbiens Topstar entscheidenden Anteil an der Leistungssteigerung. "Djordjevic hat den angeschlagenen Teodosic in der Vorbereitung geschont. Dadurch ist sein Spielrhythmus verloren gegangen. Nun ist Teodosic wieder fit, wodurch die Serben an Qualität gewonnen haben", sagt Pesic bei SPORT1.

Mit Bogdan Bogdanovic haben die Serben dazu die perfekte Ergänzung. Während Teodosic mit seiner Spielübersicht und genialen Pässen glänzt, besticht Bogdanovic durch seine Spannweite und Explosivität. Gegen die athletischen US-Amerikaner wird es daher auch speziell auf ihn ankommen.

- Internationale Erfahrung

In so einem großen Finale könnte die Erfahrung ein entscheidender Vorteil für Serbien sein. Mit Stephen Curry, Rudy Gay und Derrick Rose besitzt Team USA nur drei Spieler mit WM-Erfahrung. Viele Serben sind dagegen Euroleague und EM-erprobt. Fünf Spieler waren sogar bereits beim Gewinn der Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2009 dabei.

Zudem ist die serbische Mannschaft enge Spielstände gewohnt. Die USA zerstreuten dagegen spätestens im dritten Viertel letzte Zweifel an ihren Siegen (DATENCENTER: Die Basketball-WM). Es wäre interessant zu sehen, wie das US-Team auf einen Rückstand in Hälfte zwei reagieren würde.

- Teambasketball

Das Finale zwischen Serbien und den USA wird auch ein Duell zwischen Teambasketball und Vertrauen auf die individuellen Qualitäten.

Pesic sieht darin die große Stärke der Serben: "Die Spanier hatten viel individuelle Qualität, aber als es schwierig wurde, haben sie Teamgeist vermissen lassen. Bei Serbien dagegen ist der Teamgeist im Verlauf des Turniers gewachsen. Wenn sie so spielen und zusammen verteidigen, wie in der ersten Hälfte gegen Frankreich, haben sie auch gegen die USA eine sehr gute Chance. Das war perfektes Mannschaftsspiel."

- Frontcourt

Der Frontcourt der Serben wird gegen die US-Amerikaner mehr denn je gefordert sein. Das sieht auch Pesic so: "Die Achse Teodosic, Nemanja Bjelica, Nenad Krstic, Miroslav Raduljica wird sicher entscheidend sein. Besonders Bjelica schafft in der Offense viele Räume."

Nicht minder wichtig wird ihre Abwehrarbeit sein. "Serbien hat gegen die Franzosen 30 Minuten unglaublich hohen Druck in der Verteidigung ausgeübt. Das hat dazu geführt, dass sie die Rebounds kontrolliert haben. Gegen ein starkes athletisches Team wie die USA muss der erste Schritt wieder sein, sie vom Korb fern zu halten. Die Defense ist der Schlüssel", sagte Pesic.

Besonders Krstic will es den US-Stars zeigen. Nachdem er sich in der NBA langfristig nicht durchsetzen konnte, kehrte der Serbe nach Europa zurück. Panik kennt er nicht: "Wir werden sicher keine Angst haben. Unser Selbstvertrauen ist hoch. Wir haben auch gegen die USA eine Chance".

- Historie

Zwölf Jahre ist es her, als das damalige Jugoslawien auf dem Weg zum WM-Titel sensationell den Gastgeber USA aus dem Turnier warf. Coach damals war der heutige Bayern-Trainer Svetislav Pesic. Sein Sohn ist überzeugt, dass die serbischen Spieler das nicht vergessen haben.

"Selbstverständlich werden sie auch daraus Selbstvertrauen ziehen. Wie 2002 haben nur die US-Amerikaner etwas zu verlieren. Man muss aber auch sagen, dass das Team 2002 mehr Qualität und Erfahrung hätte. Daher wäre ein WM-Titel der Serben heute eine noch größere Überraschung", sagte Pesic.

Hoffnung macht den Serben, dass erst zwei Mal in der Basketball-Geschichte ein Team seinen WM-Titel verteidigen konnte.

Dabei muss aber auch erwähnt werden, dass die US-Amerikaner seit 62 Spielen und acht Jahren ungeschlagen sind. Nicht nur Tennis-Superstar Novak Djokovic hofft, dass die Serie am Sonntag ihr Ende findet.

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