vergrößernverkleinern
Floyd Mayweather Jr. v Manny Pacquiao
Floyd Mayweather besiegte Manny Pacquiao einstimmig nach Punkten © Getty Images

Der Kampf gegen Floyd Mayweather war kein Spektakel, musste er aber auch nicht sein. Mayweather ist verdienter Sieger - und tritt als Bester der Welt ab.

Und das soll der Jahrhundertkampf gewesen sein?

Es ist der erste Gedanke, nach dem großen WM-Vereinigungsduell zwischen Floyd Mayweather und dem unterlegenen Manny Pacquiao.

Man sah ein taktisch geprägtes Geplänkel, in dem am Ende auch noch der vorn gesehen wird, der anders als sein Gegner kaum etwas fürs Auge getan hat.

Und man kann in dem Moment auch nachvollziehen, wenn Graciano Rocchigiani über einen "langweiligen Sch…kampf" flucht. Und Deutschlands Trainerlegende Ulli Wegner wegen des Urteils gegen Pacquiao die Welt nicht mehr versteht.

Trotzdem: Beide liegen hier nicht richtig.

Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen"
Sieht Mayweather als würdigen Sieger: SPORT1-Redakteur Martin Hoffmann © SPORT1

Blickt man nach dem Kampf auf den Statistikzettel, zeigt sich, dass Pacquiaos Offensive zwar schöner aussah, aber allzu selten zum Ziel führte. Und das nicht er, sondern Mayweather Herr des Geschehens war.

Und auch wenn der Kampf nicht das Feuerwerk war, das sich manch einer nach all dem Hype erhofft hatte: Er war ein auf hohem Niveau geführtes Liebhaberstück.

Man muss sich den Fight wahrscheinlich dreimal, viermal ansehen, um schätzen zu lernen, wie Mayweather den "Pac-Man" mit seiner technischen Überlegenheit ausboxte.

Pacquiao rauschte trotz seiner angeschlagenen Schulter nach vorn wie ein Ferrari aus dem Fuhrpark seines Gegners. Mayweather war der Mechaniker-Meister, der den Luxusschlitten während der Fahrt auseinandernahm.

Der 38-Jährige erledigte seine Aufgabe ohne das Tamtam, das er außerhalb des Rings gerne zelebriert. Kein spektakulärer Einmarsch, kein Quatsch-Selfie, - wie es Pacquiao noch vor seinem Einzug schoss -, hundert Prozent Fokus.

Seine einzige Showeinlage lieferte Mayweather dort, wo sie matchpsychologisch sinnvoll war. In der sechsten Runde, nachdem er eine Zwischenoffensive Pacquiaos an seiner Deckung abperlen ließ - und danach immer wieder demonstrativ lässig den Kopf schüttelte: Mit mir nicht!

Mayweather ist ein würdiger Sieger - und trat hinterher mit seinem respektvollen Verhalten gegenüber Pacquiao übrigens auch so auf. Er darf sich zu Recht als größter Boxer der Gegenwart fühlen. Auch größer als Wladimir Klitschko, der leider zu lange nicht mehr auf dem Niveau gefordert wurde, für das er selbst steht.

Größer als vergangene Legenden ist Mayweather trotzdem nicht: Gegen Überfiguren wie Muhammad Ali verliert er klar. Auch, weil Ali außerhalb des Rings mit seinem Eintreten gegen Krieg und Rassenhass für gesellschaftlich große Dinge stand. Während der wegen häuslicher Gewalt verurteilte Mayweather dort eher seine Schattenseiten offenbart.

Boxerisch allerdings hat Mayweather bewiesen, was zu beweisen war und kann als Vollendeter in den Ruhestand gehen.

Dass er vom Spektakel-Faktor her nicht die Erwartungen an den "Jahrhundertkampf" erfüllt hat, muss ihn da nicht stören.

Video
teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel