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Tyson Fury (r.) nahm Wladimir Klitschko seine Weltmeister-Gürtel ab
Tyson Fury gewann im November 2015 den Titel von Wladimir Klitschko © Getty Images

Hat Tyson Fury den Rückkampf gegen Wladimir Klitschko wegen Dopings platzen lassen? Laut englischer Medien soll Fury bereits vor dem ersten Fight überführt worden sein.

Wladimir Klitschko winkt auch ohne ein erneutes Duell gegen Tyson Fury die Rückkehr auf den Box-Thron.

Der britische Titelträger soll einem Bericht des Sunday Mirror zufolge schon vor seinem Punktsieg über den Ukrainer im vergangenen November unter Dopingverdacht gestanden haben.

Der Brite, hieß es in dem Bericht weiter, sei bereits mehrere Monate vor dem WM-Kampf gegen Klitschko im November 2015 positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getest worden. Das unerlaubte Mittel dient zum Muskelaufbau.

Doch weder der britische Profi-Boxverband (BBBofC) noch die britische Anti-Doping-Agentur (Ukad) hätten damals Maßnahmen eingeleitet. Sollte sich der Verdacht erhärten, hätte Fury in Düsseldorf gar nicht gegen Klitschko antreten dürfen.

Dementi lässt nicht lange auf sich warten

"UK Anti-Doping diskutiert nicht und gibt auch keine Details frei, solange der Untersuchungsprozess nicht abgeschlossen ist", wird Ukad-Sprecherin Sophie Ashcroft zitiert. Im September soll die verbotene Substanz bereits bei Furys Cousin Hughie Fury nachgewiesen worden sein.

Fury indes ließ die Gerüchte umgehend dementieren. "Wir sind von der Geschichte verblüfft", heißt es in einem Statement seines Promoters Hennessy Sports. "Fury bestreitet jede Art von Dopinganschuldigung. Er freut sich auf seine Genesung und die Titelverteidigung gegen Wladimir Klitschko im Oktober."

Erst am Freitag hatte Fury den für den 9. Juli angesetzten Rückkampf gegen Klitschko wegen einer Knöchelverletzung platzen lassen. Daraufhin war der Vorfall ans Tageslicht gekommen. Sollte sich der Verdacht erhärten, hätte Fury im Herbst 2015 gar nicht zum Kampf antreten dürfen.

Klitschko-Lager abwartend

Beim WM-Kampf zwischen Klitschko und Fury am 28. November, als Klitschko von Herausforderer Fury überraschend einstimmig nach Punkten entthront worden war, hatte es bereits Gerüchte und Anschuldigungen im Hinblick auf Doping gegeben. So hatte Fury nach dem Fight behauptet, dass man ihm einen positiven Doping-Test anhängen wollte. Bei Doping-Kontrollen im Rahmen des Boxkampfes in Düsseldorf hatte es keine Auffälligkeiten gegeben.

Aus den nun aufgekommenen Spekulationen um Fury wollte Klitschko-Manager Bernd Bönte keine voreiligen Schlüsse ziehen. "Wir warten die Nachforschungen und Rückschlüsse der sehr renommierten britischen Anti-Doping-Agentur und des britischen Box-Verbandes ab", sagte Bönte dem SID am Sonntag.

Sollte sich jedoch der Doping-Verdacht bestätigen, müsste Fury seine Titel der WBA und WBO zurückgeben, der Kampf von Düsseldorf würde als sogenannter "non contest" gewertet. Klitschko wäre damit wieder Titelträger und gleichzeitig seit 2004 als Profi unbesiegt.

Klitschko schon bei erstem Kampf misstrauisch

In den letzten Wochen hatte sich der Ukrainer in Tirol auf den Rückkampf vorbereitet, ehe ihn am Freitag die Absage des Rückkampfes erreichte. Klitschko hatte nur einen Tag zuvor in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe erwähnt, dass ihm beim Kampf im November Furys überdurchschnittliche Ausdauer auffallend vorgekommen sei.

"Was allerdings ein Faktor war, war sein Stil. Der war schon außergewöhnlich, und ich gebe zu, dass ich damit nicht klargekommen bin. Ich bin in der Hoffnung durch die Runden gestolpert, dass er irgendwann müde werden würde und ich dann meine Schläge ins Ziel bringen könnte. Aber das ist nicht passiert", sagte Klitschko.

Erst im April war das Profiboxen von einem prominenten Doping-Fall überschattet worden: WBA-Weltmeister Felix Sturm wurde nach seinem Sieg in der WM-Revanche gegen den Russen Fjodor Tschudinow positiv auf die anabole Substanz Hydro-XY-Stanozolol getestet.

Sturm hatte sich allerdings juristisch gegen die Vorwürfe gewehrt, zumal der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) von der positiven Probe nicht informiert worden war. Das Verfahren dauert an.

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