München - Das Jahr des Rekordweltmeisters ist geprägt von Rückschlägen. SPORT1 erklärt er, wie er seinen 17. WM-Titel in Angriff nimmt.

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Von Dominik Laska

Weiter, immer weiter.

Ein Spruch, den ein ehemaliger deutscher Weltklasse-Torhüter einst formulierte.

Getreu diesem Motto könnte man das vergangene Jahr des Phil Taylor untertiteln. Ein Mann, der alles gewonnen hat. Der niemandem mehr etwas beweisen muss. Der aber dennoch nicht zurücksteckt, sondern immer weiter macht. Unermüdlich.

Vor genau einem Jahr begann das, was wohl als das schwerste Jahr des Phil Taylor bezeichnet werden kann.

Mit Ambitionen reist "The Power" zur Weltmeisterschaft und schon in Runde eins wird deutlich: Der Altmeister schwächelt, wirkt nicht souverän, nicht bei der Sache.

In Runde zwei folgt dann schließlich das, was kommen muss. Gegen den jungen Michael Smith scheidet Taylor aus. Und die Leidenszeit beginnt.

Dartswechsel und viel Kritik

Zu Beginn des Jahres 2014 wechselt der Rekordweltmeister seinen Sponsor und damit auch seine Darts. In einem Sport, bei dem der Akteur und sein Spielgerät in einem so hochsensiblen Verhältnis stehen, eine Entscheidung, die von der Darts-Welt mit Argusaugen betrachtet und heiß diskutiert wird.

Horrorszenarien werden erstellt, Kritiker prophezeien dem heute 54-Jährigen gar, er würde nicht wieder zu alter Stärke zurückfinden und die Ära Taylor würde ein unrühmliches Ende finden.

Mit Spannung wird das erste Match mit den neuen Darts betrachtet. Ausgerechnet gegen den Weltmeister Michael van Gerwen und die Kritiker scheinen bestätigt zu werden. 7:0 fertigt "Mighty Mike" Taylor in der Premier League ab. Der erste Whitwash, den Taylor jemals kassiert hatte. Sollten die Kritiker doch Recht behalten?

Der gescholtene Altmeister reagiert jedoch gelassen, bittet immer wieder um Geduld. Er brauche Zeit, um wieder zu alter Stärke zurückzukommen.

Auch private Probleme

Aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch abseits des Sports muss Taylor einen Rückschlag hinnehmen. Nach 23 Jahren wird die Ehe von seiner Jugendliebe Yvonne geschieden, nachdem sie sich schon 2011 getrennt hatten.

Phil Taylor Ladbrokes.com World Darts Championships
Phil Taylor mit Frau Yvonne und Tochter Natalie nach dem WM-Titel 2006 © Getty Images

"Es ist schlimm und ich bin immer noch traurig", gibt Taylor in einem Interview mit dem "Mirror" einige Zeit später zu.

Zusätzliche Ablenkung und psychische Belastung für einen ohnehin schon kriselnden Rekordweltmeister. Doch wie schon so oft in seiner Karriere belehrt er alle Kritiker eines besseren. In eindrucksvoller Manier.

"The Power" schlägt zurück

Nach einem schwachen ersten halben Jahr 2014 gewinnt "The Power" zum 15. Mal das World Matchplay, das Turnier, welches er selbst als sein Lieblingsturnier bezeichnet.

Die Formkurve geht wieder nach oben und er bestätigt mit dem Titel beim Grand Slam of Darts in Wolverhampton, dass er pünktlich zur Darts-WM  (ab 18. Dezember täglich LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) wieder Ansprüche auf den Titel anmeldet.

"Meine Form ist ganz gut, in letzter Zeit konnte ich ein paar kleinere Turniere gewinnen", sagt Taylor im Gespräch mit SPORT1 und er erklärt weiter: "Ich liege ganz gut in der Zeit so kurz vor der Weltmeisterschaft, denn ich habe noch zwei Wochen Zeit vor der WM zu trainieren. So etwas hatte ich seit Jahren nicht."

Persönliches Trainingslager als Rezept

Kraft will "The Power" in vertrauter Umgebung finden. Ruhe und eine gute Vorbereitung sollen das Rezept für den 17. WM-Titel sein: " Ich hatte seit Jahren nicht so viel Zeit zum Trainieren".

"Ich war seit zehn Jahren nicht mehr zwei Wochen am Stück zuhause. Ich kann früh ins Bett, kann mich nochmal ausruhen und mich gesund ernähren. Es geht immer trainieren, schlafen, trainieren, schlafen. Ich mache nichts anderes und ich bin die ganze Zeit zuhause. Das ist wie ein Trainingslager."

Mit perfekter Vorbereitung also der erneute Angriff auf die Krone. Das soll die Erfolgsformel in diesem Jahr sein und "das gibt mir vielleicht die Chancen auch diese WM zu gewinnen", sagt der Mann aus der Darts-Hochburg Stoke-on-Trent.

Taylor wird nachdenklich

Doch mittlerweile ist da auch noch ein anderer Phil Taylor. Immer wieder spricht die lebende Darts-Legende, wie wichtig ihm seine Familie ist. Zum Thema Karriereende befragt, sagt Taylor vor kurzem in einem Interview mit dem "Guardian", er wolle "noch zwei oder drei Jahre weiter machen".

So langsam muss man sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass die Ära Taylor in die finale Phase übergeht. Dass eines Tages in naher Zukunft der Tag kommen wird, an dem er die Pfeile an den Nagel hängt.

Immer öfter hört man heraus, dass Taylor seine Prioritäten überdenkt: "Du vermisst alles. Meine Kinder werden größer, meine Enkelkinder werden größer. Ich möchte noch ein bisschen Zeit mit ihnen verbringen."

Vielleicht wäre ja gerade ein 17. WM-Titel der nötige Anreiz, um schon früher als angedacht der jungen Garde das Feld zu überlassen und der unvergleichlichen Ära Taylor ein mehr als ruhmreiches Ende zu bereiten.

Oder würde es Taylor dann doch halten wie einst Oliver Kahn? Weiter, immer weiter?

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