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PROTON WORLD DARTS
Vor 21 Jahren: Phil Taylor - noch mit Schnauzbart - feiert den Gewinn der Darts-WM 1995 © Getty Images

Phil Taylor ist Pionier und Galionsfigur seines Sports - und einfach nicht kleinzukriegen. Nach einem schwachen Jahr greift er in London an. SPORT1 zeichnet seine Karriere nach.

Michael Jordan: der Größte im Basketball. Wayne Gretzky: der größte im Eishockey. Muhammed Ali: der Größte im Boxen und vielleicht der Größte überhaupt. Man darf darüber streiten.

Worüber man nicht streiten kann: Phil Taylor ist für das Darts das, was Jordan, Gretzky und Ali für ihre Sportarten sind. Und mehr noch: Kein Sport verdankt seinem Größten so viel wie das Darts Phil Taylor zu verdanken hat.

Dank "The Power" ist das Pfeilewerfen vom belächelten Kneipenzeitvertreib zum Massen-Phänomen geworden, das auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet. Auf der großen Bühne des Londoner Alexandra Palace findet die 23. Weltmeisterschaft statt, Taylor greift nach seinem 17. Titel.

Wenn Taylor bei der PDC World Championship 2016 am Samstag eingreift (LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM, im TICKER und in der neuen Darts-WM-App), werden die Fans wie gewohnt das "Taylor Wonderland" besingen, um den einzigartigen Phil Taylor zu unterstützen.

Dartsscheibe trotz fehlendem Warmwasser

An große Partys und Ruhm war bei seiner Geburt am 13. August 1960 noch nicht zu denken, schon gar nicht in Verbindung mit Darts, in das erst 1973 mit der Gründung der BDO Professionalität Einzug hielt.

Taylor lebte da noch in ärmlichen Verhältnissen in einem Vorort der nordenglischen Arbeiterstadt Stoke-on-Trent. Es gab zwar keine Elektrizität oder fließend warmes Wasser, aber eine Darts-Scheibe an der Küchentür - Taylors Eltern waren selbst leidenschaftliche Darts-Spieler. Eine Leidenschaft, die sich auf ihren Sohn übertrug.

Nachdem er mit 15 die Schule verlassen hatte, startete Taylor als Fleischlieferant, Elektriker und Metallarbeiter die ersten Versuche in der Arbeitswelt, ehe er für achteinhalb Jahre und ungefähr 50 Pfund die Woche Halterungen für Toilettenpapier herstellte.

Das Darts-Feuer im heutigen Superstar wurde 1985 endgültig entfacht. Eric Bristow, fünffacher Weltmeister und unumstrittener Superstar auf dem Circuit, eröffnete wenige Minuten vom Haus der Familie Taylor entfernt ein Darts-Lokal.

Sieg gegen den Förderer

Nach einem Show-Match Bristows sagte Taylor zu seiner Frau Yvonne, er könne den Weltmeister schlagen. Er meinte es ernst. Und seine Frau merkte es. Sie schenkte ihm zum 25. Geburtstag ein Set Darts und ermutigte ihn, sich als Profi zu versuchen.

Drei Jahre und unzählige Trainingseinheiten später - hauptsächlich im ehelichen Schlafzimmer - war der nächste Schritt auf dem Weg zum Darts-Profi getan. Bristow entschloss sich, das große Talent mit 10.000 Pfund zu unterstützen.

Für Taylor war nun ein Traum wahr geworden. Mit dem Geld seines Sponsors konnte er größere Turniere spielen, Preisgelder gewinnen und vor allem Weltranglisten-Punkte sammeln.

Durch konstant gute Leistungen qualifizierte er sich 1990 zum ersten Mal für die Weltmeisterschaft. Die Wettquoten standen nicht gut für den "Crafty Potter", wie Taylor zunächst von Darts-Kommentartor Sid Waddel getauft wurde. Doch der Mann mit dem damals noch markanten Schnauzbart zeigte sich in bester Verfassung und stürmte bis ins Finale.

Dort wartete niemand Geringeres als sein Lehrer und Sponsor. Bristow ging als haushoher Favorit in das Match, doch es kam anders. Taylor brillierte gegen den Ex-Weltmeister, warf acht Mal das Maximum von 180 Punkten und entschied die Partie am Ende klar mit 6:1 für sich. Der Rookie war zum ersten Mal Weltmeister.

Streit zwischen BDO und WDC

Doch nach seinem zweiten WM-Titel zogen dunkle Wolken über der Darts-Welt auf. Taylor und 15 weitere Spieler spalteten sich im Jahr 1993 aufgrund der geringer werdenden Anzahl an Fernsehturnieren von der BDO ab und gründeten den World Darts Council (WDC). Als Reaktion darauf schloss die BDO die Abtrünnigen von allen Events der British Darts Organisation aus und nahm ihnen damit die Möglichkeit, außerhalb des neu gegründeten Verbandes Geld zu verdienen.

Der Zwist zwischen BDO und WDC, einer der größten Rechtsstreits in der Sport-Geschichte, dauerte bis zum Jahr 1997 und verschlang Unsummen an Geld, das teilweise aus dem Privatvermögen einzelner Spieler und Offizieller stammte. Nach Jahren des Streits zwischen beiden Verbänden kam es doch noch zu einer außergerichtlichen Einigung.

Der WDC musste darauf verzichten, sich als Weltverband zu vermarkten, und änderte den Namen in die auch heute noch existierende Professional Darts Corporation. Im Gegenzug dazu räumte die BDO den ehemals verbannten Spielern wieder das Recht ein, bei allen Events der BDO antreten zu dürfen.

Nötig war das längst nicht mehr. Denn schon 1994 stellte der WDC eine eigene Weltmeisterschaft auf die Beine, und es begann die große Dominanz des Phil Taylor. Der Grundstein für die sportliche und finanzielle Zukunft des Darts-Sports war gelegt.

Schwaches Jahr

Die wachsende Begeisterung der Fans und die regelmäßige Medienpräsenz der PDC-Turniere machten Darts wettbewerbsfähig. Taylor war mit acht WM-Erfolgen in Serie (1995-2002) Gesicht des Booms.

Der 16-malige Weltmeister selbst hat seinen Zenit nach mehr als 200 Turniersiegen und über 70 Majortiteln in den vergangenen 23 Jahren inzwischen überschritten. Zum ersten Mal nach zig Jahren gewann der Engländer in diesem Jahr kein Turnier der Masters-Serie.

Doch im Ally Pally greift er erneut an. "Ich könnte zurücktreten, aber ich werde mindestens weiter machen bis ich 55 bin", sagte er nach seinem letzten WM-Titelgewinn 2013 zum Independent. Das wäre dieses Jahr - doch der Abschied des besten Dartspielers aller Zeiten ist nicht abzusehen.

Gut für den Sport.

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