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"The Flying Scotsman" nimmt bei der Darts-WM erfolgreich Revanche für seine Finalniederlage 2011 und wiederholt seinen Vorjahreserfolg. Die Partie ist lange völlig offen.

Als Gary Anderson den "Jackpot" endlich geknackt und seinen Titel erfolgreich verteidigt hatte, schaute er ein wenig ratlos ins Publikum und winkte nur ab.

In der Neuauflage des verlorenen Endspiels von 2011 revanchierte sich der "Flying Scotsman" und besiegte Adrian Lewis mit seiner schwächsten Turnierleistung in einem hartumkämpften, aber selten hochklassigen Finale der Darts-WM mit 7:5.

"Ich weiß nicht, was heute passiert ist. Ich habe gut gespielt, aber auch Phasen gehabt, die nicht gut waren", sagte ein glücklicher, aber gefasster Anderson: "Ich weiß jetzt, wie sich Taylor und Lewis fühlen. Zwölf Monate bin ich jetzt auf jeden Fall noch Weltmeister".

Zu wenige Triple-Felder für den Champion

Auf den Tag fünf Jahre nach dem ersten Finalduell Anderson gegen Lewis agierten beide vor 3000 gewohnt freudetrunkenen Zuschauern fast über die gesamte Matchdauer ungewohnt verkrampft.

Gerade der favorisierte Anderson, der in den vorangegangenen fünf Turnierrunden nur zwei Sätze abgegeben hatte, verfehlte im ersten Satz in Regelmäßigkeit die Triplefelder. Der Schotte rutschte sogar mehrfach ins Einserfeld ab und geriet folgerichtig in Rückstand. Sein Average stand bei 79 Punkten.

Nach einer kurzen Unterbrechung legte er im zweiten Satz seine Nervosität scheinbar ab. Lewis musste zusehen, wie Anderson erst zwei Legs mit jeweils elf Pfeilen abschloss und die Durchgänge zwei und drei souverän für sich entschied.

Anderson verrechnet sich

Absetzen konnte sich Anderson aber nicht - ganz im Gegenteil: Im vierten Satz leistete er sich einen Rechenfehler, als er anstatt auf die Doppel-6 auf die Doppel-1 zielte und diese traf. Lewis schaffte im entscheidenden Leg den 2:2-Satzausgleich.

Anderson ging wild gestikulierend von der Bühne. Seine Frau Rachel, die ihn aus seinem Tief im Jahr 2012 geholt hatte, musste ihm aufbauende Worte zurufen.

Auch die folgenden Abschnitte teilten beide gerecht untereinander auf. Zwar geizten weder Anderson, der tags zuvor im Halbfinale gegen den Niederländer Jelle Klaasen den einzigen Neun-Darter dieser WM geworfen hatte, noch Lewis nicht mit 180ern. Jedoch offenbarten beide über die gesamte Matchdauer Schwächen auf den Doppelfeldern, was den Punktedurchschnitt sogar unter 100 drückte.

Gerade im achten Satz ließ Lewis viele Chancen auf einen Leg-Gewinn - unter anderen nach einem weiteren Rechenfehler Andersons - aus, sodass sich der Schotte einen Zwei-Satz-Vorsprung erspielte. Nach je einem Zu-Null-Satz trumpfte Lewis im elften Satz noch einmal groß auf, doch Anderson brach im vorletzten Leg der Partie mit einem krachenden 170er-Finish - dem höchsten im Darts - den Willen.

Einen Durchgang später machte er mit dem zweiten Matchdart auf der Doppel-12 den Sack zu.

"Flying Scotsman" schreibt Geschichte

"Ich habe mich gut gefühlt und gedacht, dass ich das 6:6 schaffe", sagte Lewis geknickt. "Ich muss das Match abhaken. Es ist zwar eine Enttäuschung, aber ich habe eine gute WM gespielt."

Nach dem 16-maligen Weltmeister Phil Taylor und Finalgegner Lewis (2011 und 2012) ist Anderson erst der dritte Spieler, dem das Kunststück gelingt, den WM-Titel des führenden Verbandes PDC in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu gewinnen.

Neben der Sid Waddell Trophy erhält der 45-Jährige für den Turniersieg das Rekordpreisgeld in Höhe 300.000 Pfund (rund 400.000 Euro).

Lewis nimmt als Trostpflaster 150.000 Pfund (etwa 200.000 Euro) mit nach Hause und verbessert sich in der Geldrangliste hinter dem führenden Niederländer Michael van Gerwen und Anderson um zwei Plätze auf die dritte Position.

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