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Frederik Cabana (l.) spielte seit 2013 für die Hamburg Freezers
Frederik Cabana (l.) spielte seit 2013 für die Hamburg Freezers © imago

Hamburg löst den Vertrag mit Cabana auf, um dem kranken Profi zu helfen. Doch der unterschreibt woanders. Die Ärzte warnen.

Es ist eine Nachricht, die das deutsche Eishockey polarisiert: Ein Spieler, der seinen Klub krankheitsbedingt um Vertragsauflösung bittet und einen Tag später bei einem anderen Verein unterschreibt. Und das, obwohl die Ärzte ihm dringend vom Spielen abraten.

Viele Fans der Hamburg Freezers reagieren irritiert. Es geht um ihren Klub - und einen ihrer ehemaligen Cracks: Frederik Cabana.

Die Konstellation seiner Verpflichtung durch die Bietigheim Steelers bringt Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Cabana löste seinen bis Saisonende gültigen Vertrag mit den Freezers zum 30. November auf.

Am 1. Dezember schließlich stellte der Tabellenführer der DEL 2 ihn als Zugang vor. Keine 72 Stunden, nachdem er die Hamburger um die Vertragsauflösung gebeten hatte.

Hamburg Freezers: "Fühlen uns getäuscht"

Bietigheim hatte prompt ein Jersey samt eigener Trikotnummer für ihn anfertigen lassen. Das wiederrum gefiel Hamburg überhaupt nicht.

Der Tabellensechste Deutschen Eishockey Liga (DEL) reagierte in Form einer offiziellen Stellungnahme. Darin heißt es unter anderem: "Wir fühlen uns getäuscht."

Etliche Fans reagierten auf verschiedenen Social-Media-Plattformen deutlicher. Sie kommen sich vor wie im falschen Film. Der Fanblock der Freezers hatte in der O2World beim 4:5 gegen die Straubing Tigers jüngst sogar eine eigene Choreographie zum Abschied Cabanas einstudiert.

Gehirnerschütterung zugezogen

Dabei hatte der Kanadier seit Monaten kein Spiel mehr für seinen nunmehr ehemaligen Arbeitgeber bestritten. Der 28 Jahre alte Stürmer hatte sich im Januar eine Gehirnerschütterung zugezogen.

Im Oktober schließlich diagnostizierten die Ärzte bei ihm ein sogenanntes postkommotionelles Syndrom. Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit gelten als Symptome, die Verletzung ist gerade bei Eishockeyprofis in Folge von Bodychecks nicht selten.

"Freddy braucht jetzt vor allem Ruhe, um sich vollständig erholen zu können und dann zu entscheiden, wann und wo er einen Neustart wagen möchte", wird Dr. Jan Schilling, Teamarzt der Freezers, in einer weiteren Stellungnahme zitiert. Der Neustart kam viel plötzlicher als erwartet.

Ärzten warnen eindringlich

"Wir waren sehr überrascht, als wir die Pressemitteilung aus Bietigheim gesehen haben", schilderte Hamburgs Geschäftsführer Uwe Frommhold auf Nachfrage von SPORT1. "Wir haben Wochen und Monate alles getan, um ihm zu helfen, gerade, weil es für einen Profispieler nicht leicht ist, wenn er seinen Beruf nicht ausüben kann."

Die Spezialisten, zu denen der Verein Cabana schickte, hätten diesem auf nicht absehbare Zeit dringend von Leistungssport abgeraten, erklärte Frommhold. "Wenn wir dann sehen, dass er woanders samt Trikot präsentiert wird, ist das schon komisch. Denn wir hätten gerne mit ihm weitergearbeitet".

Er hege keinen Gräuel gegenüber Bietigheim, meinte Frommhold weiter. Doch er mache sich Sorgen um Cabana. "Als er bei uns seine Sachen gepackt hat, habe ich ihm gesagt, dass er langsam machen soll. Ich hoffe nur, dass er sich richtig einschätzt."

Bietigheim erklärt sich

In Bietigheim kann man die Reaktionen aus Hamburg nicht verstehen. Man habe sich nichts vorzuwerfen, heißt es.

"Er hat über einen Freund angefragt, wie es bei uns aussieht. Er kam auf uns zu. Wir sind nicht auf die Suche gegangen", sagte Volker Schoch, Geschäftsführer der Steelers auf Nachfrage von SPORT1.

Seinen Schilderungen zufolge werde Cabana am Dienstag nochmal medizinisch gecheckt, um dann ins Training einzusteigen. Völlig offen sei aber, wann er erstmals spielen werde - und, ob überhaupt.

"Wir lassen niemand aufs Eis, insofern er nicht in der Lage ist, schlittschuhzulaufen", meinte Schoch.

Neid anderer Vereine

Seiner Meinung nach würden die Hamburger "jetzt versuchen, ihre Haut zu retten. Es ist nichts Unbekanntes, dass Freddy Cabana da oben weg wollte". Schoch sprach von familiären Gründen, die letztlich den Ausschlag gegeben hätten.

Cabanas Familie lebt in der Nähe von Heilbronn, keine Dreiviertelstunde von der Bietigheimer Eissporthalle entfernt.

Die Schwaben versprechen sich viel vom neuen Mann. "Bei uns haben andere Vereine angerufen, nach dem Motto, schade, dass ihr uns den weggeschnappt habt", erzählte er. "Wenn er fit ist, ist er für jede Mannschaft der DEL 2 eine Bereicherung."

Mischung aus Sorge und Unverständnis

Insofern er wirklich fit wird. Und vor allem gesund. In Hamburg hinterlässt er eine Mischung aus Sorge und Unverständnis.

Bietigheims Geschäftsführer Schoch will Cabana die Entscheidung über das Wann seiner Rückkehr überlassen. "Wenn ein Arzt seinen Segen abgibt, ist das die eine Sache, wie ein Spieler sich fühlt, die andere", sagte er.

Hoffentlich trifft der Crack auch die richtige.

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