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Winter Game-DEL-Düsseldorf
Mit 51.125 Zuschauern in Düsseldorf stellt die DEL einen Europarekord auf © imago

Düsseldorf - Das große Spektakel in Düsseldorf setzt einen Meilenstein. Die Probleme des deutschen Eishockeys lösen, wird es nicht.

Aus Düsseldorf berichtet Andreas Reiners

Gernot Tripcke konnte seinen Stolz nicht verbergen.

Der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga war sichtlich zufrieden. Denn die DEL hat die Chance des zweiten Winter Game im Düsseldorfer Fußballstadion genutzt und den Sport und sich selbst beeindruckend inszeniert. Publicityträchtig zelebriert. Und dabei das angeschlagene Selbstwertgefühl zumindest ein wenig erhöht.

"Es zeigt, dass wir es auch können und wir die Leute auch gut, in einigen Dingen vielleicht sogar noch besser unterhalten können", sagte Tripcke bei SPORT1.

Noch besser als König Fußball, hinter dem nicht nur das deutsche Eishockey Probleme hat, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Zuschauer anzuziehen. Zu zeigen, dass es diese Sportart auch noch gibt. Und dass auch sie trotz ihres Nischenplatzes einiges zu bieten hat.

Doch Tripcke blieb bei allem verständlichen Enthusiasmus auch Realist. "Es ist aber kein Patentrezept und wird keine Lösung sein. Es werden jetzt nicht alle die Fußball-Rechte zurückgeben und die Eishockey-Rechte kaufen", sagte er.

Europarekord geknackt

Das sicher nicht. Doch die DEL hat mit dem Derby zwischen der Düsseldorfer EG und den Kölner Haien bewiesen, was für ein Potential in dem Sport steckt. Wie viele Zuschauer theoretisch mobilisiert werden können.

Denn beim 3:2-Sieg der DEG wurde mit 51.125 Zuschauern der Europarekord für ein Ligaspiel geknackt. Das Vier- bis Fünffache des Zuschauer-Aufkommens bei einem normalen DEL-Spiel erreicht.

Christof Kreutzer war dann auch nachhaltig beeindruckt. Geradezu überwältigt. Der Trainer der DEG gab schließlich einen Einblick in seine Gefühlswelt. "Für mich als Trainer war es bislang das Allergrößte. Mein Puls war nach dem Spiel noch bei über 500. Es war grandios, so etwas erleben zu dürfen", sagte Kreutzer.

DEG-Kapitän Daniel Kreutzer sprach ebenfalls von einem "Traum und Gänsehaut pur. So etwas erlebt man wahrscheinlich nur einmal. Man sieht auch, was für eine begeisternde Sportart Eishockey ist."

Kostspielig und aufwändig

Vor allem war es ein Spektakel, bei dem die Beteiligten im Vorfeld weder Kosten noch Mühen gescheut hatten, um dem deutschen Eishockey einen dringend benötigten Schub zu verleihen. Den Sport mal wieder in den Mittelpunkt zu stellen, den Fußball in seiner eigenen Heimstätte in den Hintergrund zu drängen. Wenn auch nur für einen Tag.

Ein 8000 Quadratmeter großer weißer Teppich wurde rund um das in 21 Tagen auf dem Fußballrasen installierte Eis verlegt, 40 Sattelschlepper-Ladungen Material wurden angeliefert, 90 Kilometer Kühlschläuche verlegt und 180.000 Liter Wasser zum Frieren gebracht.

Hinzu kamen eine Lasershow, zwei Konzerte der schwedischen Band Mando Diao und ein riesiges Feuerwerk. Ein Legendenspiel zwischen den Altmeistern der beiden Klubs stimmt die Fans nicht nur ein, sondern erinnerte schmerzlich an bessere Zeiten in den 90er Jahren.

2000 Mitarbeiter waren drei Wochen lang mit dem Aufbau beschäftigt, der rund 1,5 Millionen Euro verschlang.

Da war es im Grunde auch egal, dass wegen der Außentemperaturen von zehn Grad, Sturmböen und Regenfällen das Dach des Stadions geschlossen blieb und es letztlich doch kein Freiluft Spektakel wurde. Und auch, dass der Funke vom gut 20 Meter entfernten Spielfeld auf das Publikum zwischenzeitlich nicht so recht überspringen wollte.

Beeindruckt von der Kulisse

Es schien, als seien Spieler und Zuschauer gleichermaßen beeindruckt von der ungewöhnlichen Kulisse. Das brisanteste und traditionsreichste Derby war spannend, blieb jedoch über weite Strecken blass. An einem normalen Tag wäre das Spiel bereits Geschichte. Abgehakt. Doch der Rahmen sorgte dafür, dass an diesem Tag nur wenig normal war.

Der Kölner Moritz Müller brachte es dann auch auf den Punkt: "Es war beste Werbung für unseren Sport. Wir haben gezeigt, dass es auch andere tolle Sportarten gibt und man nicht jedes schlechte Fußball-Drittligaspiel live zeigen muss."

Doch wie geht es nun weiter? Was muss getan werden, um die Euphorie mitzunehmen? Um den Effekt nachhaltig zu nutzen?

"Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Vernünftig arbeiten, mit den Medien sprechen, mit den großen TV-Medien versuchen, mit Highlights immer mehr reinzukommen, um die Leute aufmerksam zu machen", sagte Tripcke und verweist dabei vor allem auf neue oder auch soziale Medien.

"Es soll etwas Spezielles bleiben"

Dass die Liga solch ein Event stemmen kann, hat sie bewiesen. Die DEL wird die temporäre Chance des Winter Game nun aber nicht inflationär verwenden. "Es soll etwas Spezielles bleiben", stellte Tripcke klar.

Heißt: Der normale Turnus alle zwei Jahre ist zwar nicht in Stein gemeißelt, allerdings gibt es derzeit keine Überlegungen, das Spiel jährlich auszutragen. Um den Effekt nicht abzunutzen. "Gespräche und Anfragen laufen, ein offizielles Vergabeverfahren wird es wieder im kommenden Herbst geben", erklärte Tripcke.

Flugplatz oder Rennstrecke?

Wo, ist also noch offen. Um auf Nummer sicher zu gehen und möglichen Wetterproblemen aus dem Weg zu gehen, blieben als Stadien nur Schalke, Frankfurt und eben Düsseldorf mit ihren verschließbaren Dächern als Alternative übrig.

Tripcke will sich jedoch nicht festlegen. "Es gibt ja auch den Charme des Ungewissen", so Tripcke, der auch Schauplätze wie einen Flugplatz oder eine Rennstrecke ins Gespräch brachte.

Bis dahin wird die DEL dann wohl auch wissen, wie nachhaltig das zweite Winter Game wirklich war.

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