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SPORT1-Experte Rick Goldmann ist heiß auf die Finalserie der DEL © SPORT1-Grafik: Imago

Beim DEL-Playoff-Finale 2017 treffen zum ersten Mal in der DEL-Geschichte die Finalisten des Vorjahres wieder aufeinander. SPORT1-Experte Rick Goldmann analysiert die Chancen von München und Wolfsburg.

Liebe Eishockey-Freunde,

"Wenn Du Meister werden willst, musst Du München schlagen", hat Pavel Gross gesagt. Und Gross behält Recht. Wolfsburgs Trainer fordert mit seinen Grizzlys also Titelverteidiger Red Bull München in den DEL-Finals (Spiel 1 am Sonntag ab 16.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) heraus.

Erstmals in der DEL-Geschichte treffen damit die Finalisten des Vorjahres wieder in der Endspielserie aufeinander. Und gerade das schreit nach ein paar Fragen: Was haben die Wolfsburger aus der Niederlage des Vorjahres gelernt? Was wird sich Pavel Gross einfallen lassen?

Ich bin mir sicher, dass es dieses Mal keinen Sweep geben wird. Dafür hat Wolfsburg gerade im entscheidenden sechsten Halbfinale nahezu perfekt gespielt. Finalwürdig eben. Kaum Schüsse zu gelassen, hinten abgeklärt und vorne wahnsinnig effektiv.

Und dazu haben sie einen Top-Keeper. Vielleicht hatte Felix Brückmann von den Zahlen her keine herausragenden Halbfinals, aber in den entscheidenden Momenten hat er die Big Saves gemacht. Zweiter Shutout im entscheidenden Halbfinal-Spiel sechs sagt alles.

Nürnbergs Offensiv-Power hat nicht gereicht. Wieder hat Gross seine Mannschaft perfekt eingestellt gegen das System des Gegners. Aber: Gegen Don Jacksons Münchner hatte er letzte Saison kein Mittel. Damals hatten die Wolfsburger allerdings auch reichlich Verletzungspech. Jetzt scheint es so, als würden zum großen Höhepunkt sogar die Langzeitverletzten zurückkommen.

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Und Gross' Mannschaft hinterlässt den Eindruck, dass sie sich in den Playoffs von Jahr zu Jahr weiterentwickelt und auch noch einmal zulegen kann. Perfektes Beispiel: Gerrit Fauser.

Was Wolfsburgs Stürmer in den diesjährigen Playoffs zeigt: Wahnsinn! Was er kämpft, welchen Einsatz er zeigt, das ist fast übermenschlich. Aber zu dem ganzen Kampf, Willen, Einsatz zeigt er auch noch Torjägerqualitäten. Sieben Tore in 13 Playoff-Spielen. In der Regular Season hat er nur elf Mal getroffen – in 50 Spielen. Das ist genau das, was Fauser, was Wolfsburg in diesen Playoffs ausmacht: Das Niveau im entscheidenden Moment noch einmal erhöhen.

Und hier sehe ich den Gegensatz zu Red Bull München. Ja, die Münchner haben sich recht souverän durchgesetzt. Aber ich sehe sie noch nicht auf dem Level, das sie in der Meistersaison gezeigt haben. Da fehlt noch etwas.

Und im Gegensatz zum letzten Jahr hat diesmal München die Verletzungssorgen. Deron Quint wird nicht mehr eingreifen können, der Routinier hinterlässt eine Lücke. Aber wenn eine Mannschaft diese stopfen kann, dann die Münchner.

Das hat die Jackson-Truppe auch in den Halbfinals gegen die Eisbären gezeigt. Bis auf Spiel drei waren es enge Partien, aber der EHC war in den entscheidenden Momenten da. Die Eisbären waren dagegen platt. Das war ihnen bereits im zweiten Halbfinale anzusehen.

Hier zeigt sich auch wieder Münchens Tiefe. Alle vier Reihen sind torgefährlich und treffen. Und dann haben sie noch ihr großes Plus im Vergleich zu Wolfsburg – die Special Teams. Mit 23,7 Prozent ein herausragendes Powerplay und mit 96,9 Prozent ein schier unüberwindbares Penalty Killing. Völlig irre: München hat mit zwei eigenen Toren in Unterzahl mehr Tore geschossen als der Gegner in Überzahl gegen sie.

Die #geilstezeit hält also, was sie verspricht. Das werden absolut wahnsinnige, enge Finals.

Noch kurz zu einem anderen Thema: Der Absage der NHL für die Olympischen Spiele in Pyeongchang.

Ich kann die Entscheidung von Commissioner Gary Bettman und der Liga absolut nicht nachvollziehen. Es ist ein riesiger Rückschritt für das Ansehen des Eishockeys. Unsere Sportart beraubt sich seiner größten Werbefläche - dem olympischen Turnier.

Noch unverständlicher ist die Entscheidung, wenn NHL-Boss Bettman gleichzeitig verkündet, nach China zu gehen, dort Vorbereitungsspiele auszurichten, um auf dem asiatischen Markt für die NHL - für Eishockey - zu werben. Nach Südkorea aber will er nicht. Das soll noch einer verstehen...

Mir tut es auch für die jungen deutschen NHL-Spieler wie Leon Draisaitl, Tobi Rieder oder Philipp Grubauer leid. Sein Land bei Olympia zu vertreten, ist für einen Sportler das absolut Größte. Diese Momente werde ich nie vergessen.

Aber von der Nachricht lassen wir uns die DEL-Finals nicht vermiesen. Denn die machen auch richtig gute Werbung für unseren Sport!

Euer Rick

Rick Goldmann, 40, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft.

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