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Köln - Im dramatischen Penalty-Krimi gegen Lettland sorgt Frederik Tiffels für die Entscheidung. Vor der Heim-WM kannten ihn selbst einige seiner Teamkollegen nicht.

Am SPORT1-Mikro wurde Penalty-Held Frederik Tiffels gefragt, was wahrscheinlich ganz Eishockey-Deutschland nach dem Penalty-Krimi gegen Lettland dachte.

"Herr Tiffels, was für ein geiler Typ sind Sie denn bitte?" Die unbekümmerte Antwort des 21-Jährigen: "Boah, keine Ahnung. Ganz normal!"

Doch die Geschichte von Frederik Tiffels bei der Heim-WM ist alles andere als "ganz normal".

Vom Nobody zum Helden

Innerhalb von nur zehn WM-Tagen wurde der Youngster vom Nobody zum Eishockey-Helden.

Bisheriger Höhepunkt des Eis-Märchens: Mit seinem Treffer im Penaltyschießen gegen die Letten beförderte Tiffels die deutsche Nationalmannschaft ins Viertelfinale gegen Kanada am kommenden Donnerstag (ab 19.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

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Dass der gebürtige Kölner vor heimischen Publikum überhaupt die Möglichkeit bekam, zum Helden zu werden, verdankt er Bundestrainer Marco Sturm.

Denn Co-Trainer Geoff Ward hatte dem Bundestrainer davon abgeraten, Tiffels für das Penalty-Schießen auszuwählen.

Die drei Penalty-Spezln vom Doppelzimmer

Aber der Bundestrainer hörte auf sein Gefühl ("Ich habe Tiffi vertraut"). Er setzte auf den Münchner DEL-Profi Dominik Kahun, NHL-Star Leon Draisaitl und Tiffels.

Alle erst 21 Jahre alt und alle einst Teamkollegen in der Talentschmiede der Adler Mannheim, alle bei der WM in einem Zimmer untergebracht.

"Die drei sind in einem Zimmer, auch wenn es nur ein Doppelzimmer ist", verriet Sturm lachend.

Seine Entscheidung für das Penaltyschießen begründete er nach dem Spiel bei SPORT1 so: "Ich hatte einfach das Gefühl, dass die drei Spezln, die immer zusammen sind, die richtigen waren."

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In Sachen Tiffels hat Sturm offenbar ohnehin ein gutes Gefühl. Als er ihn im vergangenen April erstmals für die Nationalmannschaft nominierte, kannten selbst einige seiner neuen Teamkollegen den College-Spieler nicht.

"Ich hatte ihn noch nie gesehen", gab NHL-Torhüter Philipp Grubauer zu und lobte: "Er ist brutal schnell, super dynamisch, kämpft bis zum Gehtnichtmehr. Man merkt, dass er drüben spielt."

Tiffels als einziger Amateur zur WM

Nur wegen der Schulterverletzung des Mannheimer Routiniers Christoph Ullmann war er noch in den Kader gerutscht. Beim sensationellen Halbfinal-Einzug des DEB-Teams bei der Heim-WM 2010 schaute er noch als Schülerspieler der Haie staunend zu. 

Tiffels ist der einzige Amateur im DEB-Team. Bereits 2012 zog es ihn in die USA, wo er zunächst die High School absolvierte und nun für die Western Michigan University spielt.

Dort absolviert er auch ein Wirtschaftsstudium. Im NHL Entry Draft 2015 sicherten sich die Pittsburgh Penguins die Rechte am deutschen Talent - und beobachten seine Entwicklung seitdem genau.

Bald mit Draisaitl in der NHL?

Die starken Auftritte bei der WM werden den Verantwortlichen nicht verborgen geblieben sein. Vielleicht trifft Tiffels in der NHL bald auf seinen alten Kumpel Leon Draisaitl, der bei den Edmonton Oilers bereits den Durchbruch in der besten Liga der Welt geschafft hat.

Draisaitl freute sich nach dem Sieg über Lettland riesig für seinen Jugendfreund. "Überragend!", meinte er bei SPORT1: "Ich könnte mich nicht mehr freuen für ihn. Ich kenne ihn praktisch schon seit ich auf der Welt bin."

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Die meisten deutschen Eishockey-Fans lernen Tiffels erst jetzt so richitg kennen - als leidenschaftlichen Kämpfer auf dem Eis.

Gegen Lettland wurde der Newcomer einmal hart gegen die Bande gechekt, musste vom Eis, rappelte sich wieder auf und wurde zum Matchwinner.

Speedster Tiffels begeistert den Bundestrainer

Bundestrainer Sturm schätzt die Qualitäten seiner Entdeckung. "Freddi ist sehr, sehr schnell unterwegs. Es macht einfach Spaß ihm zuzusehen", sagte der Coach im SPORT1-Studio mit einem verschmitzten Lächeln.

Tiffels selbst schien nach dem Drama gegen Lettland schier überwältigt: "Das kann man jetzt noch gar nicht realisieren. Das wird erst in den nächsten Stunden kommen", erklärte er: "Das war wunderschön. Ein geiler Moment für mich, aber auch für das ganze Team."

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Im Viertelfinale wartet mit Kanada ein scheinbar übermächtiger Gegner. Angst vor großen Namen hat Tiffels aber nicht: "Wir freuen uns auf das Viertelfinale. Es ist ein Spiel. Da ist alles drin."

Ein Spiel. In dem Tiffels erneut zum Helden werden kann.

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