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Die ESL ONE 2015 in der Frankfurter Commerzbank Arena gilt als größtes eSports-Ereignis Europas. © ESL Helena Kristiansson

Der eSports professionalisiert sich in den letzten Jahren zunehmend. Turniere steigen inzwischen in Fußballstadien, die Teams stellen Analysten und Coaches ein, Drogentests werden durchgeführt. Dennoch hat es der eSports schwer, offiziell als Sportart anerkannt zu werden.

Es ist der letzte entscheidende Spielzug. Der Puls der Spieler liegt bei etwa 160. Der Außenseiter CDEC steht im DOTA 2-WM-Finale gegen Evil Geniuses Gelingt es ihnen jetzt nicht, den nächsten Teamfight für sich zu entscheiden, ist das Match verloren, der WM-Traum geplatzt.

38 Minuten sind gespielt, im vierten Spiel der Best-of-Five-Serie. Die Nerven liegen blank. Jeder Klick muss sitzen. Man liegt bereits mit 9:27 hinten. eSports als Hochleistungssport.

Doch nicht überall werden eSports als Sport gesehen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) vertritt einen klaren Standpunkt: eSports sind kein Sport. Dafür fehle es laut dessen Aufnahmeordnung an einer “eigenen, sportartbestimmenden motorischen Aktivität“ und notwendiger organisatorischer Strukturen. Zumindest im zweiten Punkt hat der DOSB Recht: Eine Verbandsstruktur, wie es sie in klassischen Sportarten gibt, existiert im eSports (noch) nicht.

Parallelen zum Sport vorhanden

Zudem stecken hinter den deutschen und internationalen Topteams selten eingetragene Vereine. Trotzdem spricht viel dafür, dass das Computerspielen auf Wettbewerbsniveau ein “echter” Sport ist. Denn die Gemeinsamkeiten liegen auf der Hand: Die Teams trainieren intensiv - oft acht bis zehn Stunden am Tag. Spiele der Gegner werden analysiert und bewertet. Die individuelle und teamübergreifende Taktik muss hart erarbeitet werden.

Ulrich Schulze, Vice President Pro Gaming der ESL. © Adrian Geiler

Eine gute Kommunikation untereinander während der Matches ist zwingend erforderlich, will man erfolgreich sein. Deshalb hat die Electronic Sports League (ESL), einer der größten Veranstalter von eSports-Events weltweit, eine eindeutige Haltung. “Das ist für uns ganz klar Sport, das gibt’s gar keine Diskussion”, sagt Ulrich Schulze, der Vice President Pro Gaming bei der ESL im SPORT1-Interview. eSports habe “alle Faktoren, die der Sport so mit sich bringt”, so Schulze.

Kämpfen um Anerkennung

Was aber ist mit der vom DOSB beanstandeten, fehlenden Motorik? Die Spieler sitzen natürlich in erster Linie vor dem Monitor. Doch obwohl das eigentliche Spielgeschehen virtuell stattfindet: Die Auge-Hand-Koordination ist im eSports der
Schlüssel zum Erfolg. Je nach Spiel geben Profi-Spieler zwischen 300 und 400 Aktionen jede Minute via Tastatur und Maus ein - also etwa sechs Befehle in der Sekunde. Ein einziger Fehlklick kann die Niederlage bedeuten.

Für CDEC wird die Luft nun knapp. Vier der fünf Helden sterben, nur noch “Agressif” auf “Phantom Lancer” bleibt übrig. Er sucht das Weite, will sich ein letztes Mal in seine Basis retten.

Mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Warten bis die Teamkollegen wieder spawnen. Doch es ist zu spät. Noch bevor er vom Gegner zu Fall gebracht wird, schreibt sein Team “GG” (Anm. d. Red.: steht für "Good game", gilt als "sportlicher Handschlag" nach einer Partie) in den Chat. Es ist zu Ende. Die Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Die Taktik ist dieses Mal nicht aufgegangen.

Das Replay-Material, die Schlüsselszenen - sie werden in Videoanalysen für die zukünftigen Herausforderungen im Nachgang ausgewertet. Wie bei “normalen” Sportarten.
Insbesondere für Veranstalter und Sponsoren wäre die Anerkennung des eSports als Sport wichtig - für die öffentliche Darstellung und gesellschaftliche Akzeptanz. 

Vielen Profi-Spielern ist diese Diskussion aber weniger wichtig. So sagte der deutsche DOTA 2-Profi KuroKy im SPORT1-Interview “An sich ist es mir eigentlich egal,wie es betitelt wird”. 

Ein (e)Sportler konzentriert sich eben auf das wesentliche: Die nächste Partie.

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