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Eines der wichtigsten Gesichter der Hearthstone-Szene: Gnimsh © D. Gorr

Marcin Filipowicz ist eines der Gesichter der Hearthstone-Szene. Er castet viele große Turniere und spielt selbst jeden Monat etliche Stunden Hearthstone.

Von Dorian Gorr

Vor anderthalb Jahren fasste der polnische Hearthstone-Profi Marcin Filipowicz, besser bekannt als Gnimsh, den Entschluss die Seiten zu wechseln: Er wollte fortan als Caster Hearthstone-Spiele kommentieren, anstatt selbst regelmäßig an Turnieren teilzunehmen.

Mittlerweile ist er neben Dan „Frodan“ Chou die Stimme der Hearthstone-Szene. Im Interview mit SPORT1 spricht er über seinen Entschluss und was es braucht, um ein guter Caster zu sein.

SPORT1: Gnimsh, eigentlich warst du selbst Hearthstone-Profi. Wann und weshalb kam der Entschluss, es doch eher als Caster zu versuchen?

Gnimsh: Die Entscheidung fiel im Januar vergangenen Jahres. Zu dem Zeitpunkt interessierte Casting mich bereits sehr, aber ich war noch immer als Pro-Gamer bei Cloud9 unter Vertrag und wusste nicht so recht, was genau ich will. Allerdings merkte ich, dass ich als Profi mittlerweile gegen eine Wand lief.

Ich hätte noch so viel härter arbeiten müssen, um wirklich der Profi zu werden, der ich sein wollte. Caster zu sein, erschien weniger stressig, deshalb probierte ich es mehr aus. Ich entdeckte, dass auch das sehr viel Arbeit ist, aber die Entscheidung fiel schließlich aufs Casting, weil es mir sehr viel Spaß machte.

SPORT1: Was muss man haben, um als Caster gut zu sein?

Gnimsh: In erster Linie muss man ein sehr guter Spieler sein. Du musst erkennen, was genau passiert, warum ein Spieler genau diesen Spielzug wählt. Spieler machen schließlich Fehler, aber um diese zu erkennen, musst du dich selbst mit dem Spiel bestens auskennen. Sonst machst du dich lächerlich, wenn du die ganze Zeit sagst, dass jedes Play großartig ist und dann kommt der Spieler anschließend zum Interview und betont, wie schlecht er war und was für Fehler er gemacht hat.

Außerdem musst du lernen, Informationen über das Spiel schnell und gut verpacken zu können, damit Leute es verstehen und sich zeitgleich unterhalten fühlen. Zu guter Letzt musst du jemand sein, der gut mit Menschen kann. Die Leute, mit denen du zusammenarbeitest, wechseln ständig. Manche sind stiller, andere gesprächiger. Für solche Situation musst du ein Gespür entwickeln.

SPORT1: Was war dein Schlüsselerlebnis in Sachen Casting?

Gnimsh: Ich habe schon früher Artikel und Turnierberichte für andere verfasst, aber das erste Mal, dass ich richtig castete, war in Marseille der Millenium Cup. Ich und Amaz spielten, aber casteten das Turnier. Und dort merkte ich, wie gut es mir gefiel, diesen Fluss einer Show zu kontrollieren.

SPORT1: Vermisst du es manchmal, auch als Spieler aktiv zu sein?

Gnimsh: Nicht sonderlich. Ich spiele ja noch immer sehr viel Hearthstone, bin also jeden Monat mit Frust und Freude dieses Spiels vertraut. Ich kämpfe jeden Monat um die oberen Legend-Ränge und ab und zu spiele ich auch mal in polnischen Turnieren. Das hilft mir ja wiederum, ein besserer Caster zu sein. Allerdings: Wenn ich zu irgendeinem Turnier direkt als Spieler eingeladen werden würde, dann wäre ich mit Sicherheit auch wieder dabei.

SPORT1: Einige junge Hearthstone-Spieler haben mit Sicherheit den Wunsch, ebenfalls professionelle Caster zu werden. Was ist dein Tipp für den Einstieg?

Gnimsh: Neuen Castern rate ich immer: Baut euch ein Portfolio auf. Zuerst musst du richtig gut in dem Spiel werden, das du casten möchtest. Dann solltest du dich dabei filmen, wie du Spiele aus Spaß kommentierst. Die Videos sollte man auf einen eigenen YouTube-Kanal hochladen, damit andere Leute dir sagen können, was ihnen gefällt und was du besser machen könntest. Schau dir außerdem andere Caster an und versuche herauszufinden, was sie so gut macht. Stimmübungen sind ebenfalls hilfreich. Dafür gibt es tolle Tutorial-Videos auf YouTube. Und zuletzt bietet auch Blizzard oft neuen Talenten eine Chance, ihr Können als Caster unter Beweis zu stellen.

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