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Cris (l.) und GerdamHerd (z.v.l.) wechselten im November zu Liquid © DreamHack – Sebastian Ekman

In diesem Jahr entwickelten sich die beiden deutschen Heroes of the Storm-Spieler Cris und GerdamHerd von No-Names zu Stars der Szene.

Von Johannes Gorzel

Christoph „Cris” Gowitzke und Raoul „GerdamHerd” Saurbier sind die beiden deutschen Heroes of the Storm-Spieler, die zuletzt für einen Aufwind bei Team Liquid sorgten. Mitte Dezember spielten sie zusammen bei der World Cyber Arena um das Preisgeld von 125.000 US-Dollar – dabei waren sie Anfang des Jahres noch Konkurrenten.

SPORT1: Hättet ihr im Januar erwartet, was euch im Laufe dieses Jahres wiederfuhr?

GerdamHerd: Ich weiß nicht einmal, wo ich im Januar stand. (lacht) Ich lebe von Tag zu Tag.

Cris: (lacht) Das ist typisch Gerd. Ich weiß es aber noch! Damals spielte ich noch bei Team Dignitas ein anderes MOBA namens Infinite Crisis. Im Januar vollzog ich zusammen mit meinen damaligen Kollegen gerade den langsamen Wechsel zu Heroes.

SPORT1: Wie erklärt ihr euch das Phänomen, dass einige Spieler offenbar lieber Rand-MOBAs anstatt der etablierten Titel League of Legends oder Dota 2 spielen?
GerdamHerd: (lacht) Rekt!

Cris: Das kam bei uns tatsächlich einfach auf die Spiele an. Meine Teamkollegen und ich haben Heroes von Anfang an gemocht. Wir wussten gleichzeitig, dass unser aktueller Haupt-Titel Infinite Crisis keine große eSport-Zukunft hatte. Damals steckten wir auch nur durchschnittlich eine Stunde täglich in das Training und mehr war gar nicht nötig, um in der Szene mitzuhalten. Es war eine Zwischenstation und dessen waren wir uns bewusst.
Ich habe auch vorher LoL gespielt und war mehrmals Challenger. Es wurde mir einfach langweilig, weshalb ich mir ein neues MOBA suchte. Neben dem Studium konnte ich mir mit Infinite Crisis einen kleinen Studentenlohn verdienen, ohne dafür die Zeit zu investieren, welche LoL von mir abverlangt hätte.

Liquid und Fnatic sind die Erzrivalen der europäischen Heroes-Szene © DreamHack – Sebastian Ekman

SPORT1: Was hast du studiert?

Cris: (lacht) Ich studiere offiziell sogar noch und mache aktuell eine Pause – technischen Umweltschutz an der TU.

GerdamHerd: Das ist ganz lustig, weil ich ursprünglich den gleichen Studiengang einschlagen wollte. Wir kannten uns damals noch gar nicht! Meine beiden Eltern haben dieses Studium sogar beendet.

SPORT1: Lasst uns zur eigentlichen Frage zurückkommen. Hättet ihr damals erwartet, dass ihr heute hier stehen würdet?

GerdamHerd: Auf keinen Fall. Damals wechselte ich von Team zu Team und die Heroes-Szene war unglaublich schnelllebig. Nur eines war immer einheitlich: El Nexo (später Team Liquid) rund um LucifroN und VortiX zerstörte uns jedes Mal.

SPORT1: Cris, hältst du es für eine Macke von Gerd, dass er von Tag zu Tag lebt und einige Dinge dabei offenbar zur Nebensache werden?

Cris: (lacht) Ich weiß es nicht, könnte sein. Ich kann von mir selbst zumindest behaupten, dass ich weiß, was ich im Januar gemacht habe.

GerdamHerd: Cris ist von uns beiden auf jeden Fall der, der die Dinge plant. Das spiegelt sich auch im Team-Alltag wider. Er führt Excel-Tabellen mit Statistiken zu Helden und behält ein Auge auf Strategien.

Cris: Das stimmt. Meine Tabellen erfreuen sich in der Heroes-Community auch relativ großer Beliebtheit, weil ich sie als öffentliches Nachschlagewerk anbiete. Gerd steht mit mir da auch in gewisser Weise in Synergie, denn seine Kreativität gibt uns oft gute Denkanstöße.

SPORT1: Welchen Vorsatz würdet ihr euch gegenseitig für 2016 formulieren?

Cris: Gerd, du solltest irgendetwas gegen dein Schnarchen machen. (lacht) Und bitte ändere deinen Schlafrhythmus, damit ich morgens mit dir Duo-Queue spielen kann.
GerdamHerd: Cris, bleib so wie du bist. Wenn wir so weiter machen, wie es aktuell läuft, dann können wir im kommenden Jahr zum besten Heroes of the Storm-Team Europas werden.

SPORT1: Haltet ihr das tatsächlich für ein realistisches Ziel?

Cris: Ich denke, wir sind uns einig, dass wir beide noch viel dazulernen müssen. Mit Team Liquid verfügen wir allerdings über eine Organisation, die dabei hinter uns steht. Das wissen wir angesichts unserer vorigen Erfahrungen in der noch teilweise unreifen Heroes-Szene sehr zu schätzen.

GerdamHerd: Stimmt, da kann ich voll zustimmen. Liquid ist das sechste Team, in dem ich dieses Jahr spiele, doch hier werden die Dinge anders angegangen. Wir beide profitieren auch enorm von der Erfahrung, die LucifroN und VortiX als eSport-Veteranen mitbringen. Es ist auf jeden Fall realistisch, dass wir im kommenden Jahr Europa dominieren.

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