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Amazing und seine Kollegen nach ihrem Sieg im EU LCS Summer Halbfinale © Riot Games

In der dritten Ausgabe des vierteiligen Interviews mit Maurice „Amazing“ Stückenschneider offenbart der Deutsche seine Meinung zur Rolle von Coaches in League of Legends. Außerdem erklärt er, dass es in naher Zukunft wahrscheinlich keine Transfers bei Origen geben wird.

Von Johannes Gorzel

SPORT1: Die Off-Season ist die Zeit, in der zahlreiche Spielerwechsel geschehen. Könnten uns Änderungen bei Origen erwarten?

Amazing: Ich kann natürlich nur darüber sprechen wie mein Gefühl ist. Ich denke, dass sich unsere Aufstellung nicht verändern wird. Bei Origen haben sich fünf gute Freunde gefunden und es wurden bereits viele lukrative Angebote von anderen Organisationen von mir und meinen Kollegen abgelehnt. 

SPORT1: Ihr habt kurz vor den Worlds einen neuen Coach engagiert. Wird in diesem Bereich auch alles so bleiben wie es ist?

Amazing: Wir müssen definitiv unseren Coaching-Staff expandieren, da wir bislang nur einen Coach und wenige Analysten hatten. Wir arbeiten diesbezüglich noch nicht auf bestmöglichem Level. Wenn es um Strategien und Ideen geht, dann verderben zu viele Köche nicht den Brei.

Coaches als Diskussionsleiter

SPORT1: Würdest du sagen, dass eurem Coach auch mehr Autorität gegeben werden muss?

Amazing: Auf keinen Fall. Nachdem ich in vielen Teams Einblicke erhielt, ist meine Philosophie, dass Spieler für sich im Spiel verantwortlich sind und demnach auch mitbestimmen sollten.

Wenn du einen Coach hast, der sehr autoritär ist, dann wird Spielern oft eine bestimmte Spielweise aufgezwungen. Oft nehmen Coaches in Besprechungen nur das auf, was sie auch hören wollen. Vielleicht verinnerlichen sie das auch, aber sie verstehen dann nicht das Gesamtkonzept.

Niels (l.) und Mithy sind das das Dream-Team in Origens Bot-Lane © Riot Games

Anstatt eine Metallkugel also durch langsames Erhitzen zu formen, presst man das Material in eine Form. Dass daraus dann wirklich eine Kugel resultiert, ist selten.
Um das Spiel langfristig auf hohem Niveau spielen zu können, muss jeder Spieler Autorität erhalten. Du brauchst fünf Führungsspieler, die für sich selbst Verantwortung übernehmen können, aber auch im Team funktionieren.

SPORT1: Deine ideale Vorstellung steht im Kontrast zum Erfolgsrezept der südkoreanischen Teams, oder nicht?

Amazing: Es kommt definitiv auf das Team an. Trainer wie kkOma (SK Telecom T1) lassen den Spielern Freiraum und leiten die Diskussionen.

Sonst könnte jemand wie Faker, der Irelia und Master Yi in der Mitte auspackte, gar nicht existieren. Diese Picks machen im Allgemeinen nicht viel Sinn – sie machen aber für Faker persönlich Sinn. Das ist der springende Punkt.

Das stereotypische südkoreanische Konzept, bei dem der Coach den Spielern ihre Spielweise diktiert, ist inzwischen gar nicht mehr so verbreitet. Die League of Legends-Szene verfügt nun über zahlreiche Veteranen und ihren Meinungen schenkt man auch ein Ohr.

Morgen erscheint der letzte Teil der vierteiligen Serie über Maurice „Amazing“ Stückenschneider.

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