Video

Jacob "Maelk" Toft-Andersen ist der Team-Manager des FC Schalke 04. Im SPORT1-Interview spricht er über die eSports-Pläne der Königsblauen.

Maelk hat bereits eine Karriere als Dota 2-Profi hinter sich und nahm 2011 am ersten The International teil, wo er mit dem legendären Dota 2-Lineup von "Meet Your Makers" den vierten Platz erreichte.

Später wurde er zum Geschäftsmann und zuletzt zum Inhaber des LCS-Teams Elements. Nun, da der FC Schalke 04 dieses Team kaufte, agiert der Däne als ihr Team-Manager.

SPORT1: Bislang arbeiteten die League of Legends-Spieler von Schalke 04 mit nur einem Coach zusammen. Soll das so bleiben?

Maelk: Wir werden weiterhin Patrick "Nyph" Funke als Chef-Trainer einsetzen. Dabei haben wir jedoch auf jeden Fall vor, zusätzliche Analysten ins Boot zu holen. Wir haben das in der Vergangenheit bereits getan und suchen momentan nach Kandidaten, die wirklich gut zur Teamatmosphäre passen. Außerdem wollen wir einen Personal Trainer engagieren, denn einige unserer Spieler führten bislang einen ungesunden Lebensstil. Um zu unterstreichen, dass sie ebenso Athleten sind, wie traditionelle Sportler, möchten wir sicherstellen, dass sie in Form bleiben.

SPORT1: Werden diese zusätzlichen Mitarbeiter mit den Spielern zusammen wohnen?

Maelk: Mehr oder weniger. Die Spieler werden zusammen wohnen und im Rahmen ihrer Arbeitszeit den Trainer sowie mindestens einen Analysten ständig um sich herum haben. Auch den Personal Trainer möchten wir in ihren Tagesablauf integrieren.

SPORT1: Ist die Erweiterung des Kaders geplant?

Maelk: Wir planen aktuell noch nicht, wie beispielsweise Team Liquid, zehn Spieler aufzustellen und ständig auszuwechseln. Vielleicht wird 2017 dann ganz anders aussehen, aber erst einmal möchten wir auf Synergie setzen. Aus Erfahrung weiß ich, wie schwierig es bereits sein kann, nur fünf Spieler auf er gleichen Wellenlänge zu finden. Aktuell können wir in dieser Hinsicht zufrieden sein, jedoch sollte man darauf nicht zu hastig aufbauen. Wir werden zunächst großen Wert darauf legen, starke Ersatzspieler zu engagieren. Diese sollen langfristig auch aktiv in den Teamalltag integriert werden. Wenn wir soweit sind, sollen diese Ersatzspieler auch auf dem gleichen Niveau trainieren können, wie unsere Start-Aufstellung.

SPORT1: Wird da die Knappenschmiede ins Spiel kommen?

Maelk: Genau, das ist unser Plan. Wir werden für das Jahr 2017 große Mühen in die Talentförderungen investieren und die Einrichtungen in Gelsenkirchen nutzen. Wir schaffen aktuell das nötige Umfeld vor Ort, in dem die eSports-Profis ebenso professionell gefördert werden, wie die Fußballer - das ist ein Passionsprojekt von Schalke, die für die Knappenschmiede ja international berühmt sind, und auch von mir persönlich. Durch meinen Dota 2-Hintergrund habe ich die Erfahrung gesammelt, dass es äußerst wichtig ist, aufstrebende Talente zu erkennen und sie gezielt auf ihrem Weg zu unterstützen. Das wird für uns mindestens genauso wichtig sein, wie das LCS-Team. 

SPORT1: Wie kann man sich die Knappenschmiede für eSports-Profis genau vorstellen?

In der Commerzbank Arena wurde Maelk für die ESL One als Dota 2-Experte an den Analyse-Tisch gesetzt © ESL – Patrick Strack

Maelk: Wir haben vor, Nachwuchs-Talente vollzeitig nach Gelsenkirchen zu holen und ihnen dort die gleichen Vorteile zu geben, die ihre Kollegen aus dem Fußball genießen. Wenn alles gut läuft, würden wir mit ihnen ein Challenger Series-Team stellen und sie im Rahmen des Trainings auf ihre Kollegen aus dem LCS-Lineup loslassen. Ob das auf Anhieb klappt - mal sehen. Aufgrund der starken Konkurrenz ist da vielleicht Skepsis angebracht. Wir sind uns im Klaren, dass es sich um Nachwuchsförderung handelt und man kann nicht direkt von diesen Spielern verlangen, sich mit den Stars zu messen. Langzeitziel wird natürlich sein, dass die Talente, welche dort erzogen werden, irgendwann in das LCS-Team übernommen werden können. Mir geht es darum, dass wir Ausnahmetalenten im Alter von vielleicht 16 Jahren durch die Mittel von Schalke eine Perspektive aufzeigen, die vorher im eSports nie möglich gewesen wäre. Wir können den Eltern demonstrieren, dass eSports etwas ist, das nicht nur ihrem Kind viel bedeutet. Sie müssten sich keine Sorgen machen, denn ihr Kind würde eine Karriere bei Schalke verfolgen. Bislang tun sich Eltern zurecht schwer, zu verstehen, dass das Beitreten eines eSports-Teams der richtige Schritt sein kann, doch einem großen Fußballverein bringt man eher das nötige Vertrauen entgegen. Wir werden bei der Knappenschmiede keine 25-Jährigen verpflichten - es wird stattdessen zu einer unserer Hauptaufgaben, den jungen Talenten die Möglichkeit zu geben, ihre ganze Energie in eSports zu stecken und sich dabei nicht um Vorurteile von Eltern oder Lehrern scheren zu müssen.

SPORT1: Sind während des Summer Splits noch Transfers geplant?

Maelk: Nein, wir werden lediglich nach Ersatzspielern Ausschau halten. Wir glauben an die fünf Spieler, die nun im königsblauen Trikot spielen werden. Darum haben wir uns auch entschlossen, weiter mit ihnen zusammenzuarbeiten. Sie sind zielstrebige und fleißige Individuen, die bereits im letzten Split beweisen konnten, dass die öffentliche Wahrnehmung nicht der Realtität entsprechen muss. Das war auch eine der ersten großen Gemeinsamkeiten, die wir zwischen Elements und Schalke beim ersten Treffen fanden. Schalke legte in der Vergangenheit immer großen Wert auf Engagement und harte Arbeit - es gibt in der EU LCS wohl niemanden, der das besser verkörpert, als diese fünf Spieler. In diesem Jahr werden wir mit diesen Spielern die Playoffs-Teilnahme anpeilen - im nächsten Jahr wird diese Zielsetzung noch einmal angehoben, denn Schalke sollte langfristig immer zur Spitze der Liga gehören. Ich bin mir sicher, dass Steve, Gilius, Fox, MrRalleZ und sprattel dafür die Richtigen sein werden.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel