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Dario „TLO“ Wünsch bei der dritten Saison der World Championship Series © ESL - Patrick Strack

Dario „TLO” Wünsch ist erfolgreichste aktive deutsche StarCraft II-Spieler. Bei der BlizzCon versorgt er die Zuschauer aber nur mit seinen Analysen.

Von Johannes Gorzel

SPORT1 führte ein zweiteiliges Interview mit Dario “TLO” Wünsch. Der Deutsche erspielte rund 80.000 US-Dollar in StarCraft II. Als einer der Stars der Beta stellt er ein Urgestein der Szene dar.

2010 wagte er den Trip nach Korea, um für Team Liquid in der koreanischen GSL zu spielen. Er verbrachte damals mehrere Monate in Südkorea, um sein Training zu optimieren.
Bei der BlizzCon ist er auf dem Livestream zur StarCraft II-Weltmeisterschaft zu sehen, während er als Analyst Einblick in die Gedankengänge der Profis gibt. Diese Aufgabe hat er auch in der letzten Woche übernommen, als das Achtelfinale ausgespielt wurde.

SPORT1: Was waren für dich am vergangenen Wochenende die Highlights?

TLO erreicht bei der zweiten Saison der WCS das Viertelfinale © ESL - Helena Kristiansson

TLO: Die größte Überraschung für mich war der Sieg von Rogue gegen Maru. Letzterer ging als einer der Favoriten ins Turnier und wurde dann 3:0 überrollt. Die Spiele waren dabei schockierend einseitig. Außerdem hätte FanTaSy fast gegen herO gewonnen. Mit Lilbow wurde der einzige Vertreter der westlichen Szene leider im Nu eliminiert.

SPORT1: Wie ist Rogue diese Überraschung gelungen?

TLO: Er schien zu wissen, was Maru vorhat. Maru wollte sehr aggressiv spielen, um davon abzulenken, dass er hinter dem Störfeuer eigentlich gierig spielte. Das hat Rogue gekontert, indem er selbst noch offensiver spielte.
Maru wollte seinem Gegner so schnell wie möglich Schaden zufügen, um mit einem Vorteil in die späten Spielphasen zu gehen, doch Rogue hat es gar nicht so weit kommen lassen.
Mit starkem Timing und gut überlegten Angriffen konnte der Zerg-Spieler die Spiele früh entscheiden. Einmal nutzte er dafür sogar einen Nydus-Wurm – ein Tech, den wir sonst sehr selten sehen. 

Südkorea das Maß aller Dinge

SPORT1: Hast du das Gefühl, dass du bei der WM mithalten könntest?

TLO: Da muss ich realistisch sein. Ich bin nicht schlecht, aber mit den besten Koreanern kann ich nicht mithalten. Wenn das der Fall wäre, dann wäre ich mit Abstand der beste Spieler der westlichen Szene. Das bin ich nun mal nicht.

SPORT1: Wieso ist Südkorea in StarCraft II so dominant?

TLO: Es gibt den eSport einfach schon länger in Korea und deshalb sind sie uns in Sachen Infrastruktur weit voraus. Während in Europa die meisten Spieler von zuhause aus trainieren, gibt es dort Teamhäuser mit Coaches und Koch.
Die besten Spieler sind daher in Korea konzentriert auf einem Fleck. Aufgrund der Latenzzeit ist es uns auch nicht möglich, online mit diesen Leuten zu trainieren. Daher ist es schwierig, den Rückstand dauerhaft aufzuholen.

SPORT1: Könnte sich dies mit dem neuen Teil von StarCraft II ändern?

TLO: Ich denke nicht, dass StarCraft II: Legacy of the Void daran etwas ändern wird. Um das zu erreichen, müssen wir die südkoreanische Infrastruktur imitieren. Wir bräuchten bessere Trainingsbedingungen, die durch Unternehmungen der Teams und neue Turnierstrukturen erreicht würden.

In der zweiten Ausgabe des Interviews spricht TLO darüber, wie seine Spielerkarriere durch eine Verletzung über zwei Jahre behindert wurde.

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