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Mountain Bike Cycling Day 1: Baku 2015 - 1st European Games
Mountainbiker in der Hitze Aserbaidschans © Getty Images

Baku - Die ersten Tage in Baku beantworten schon einige der wichtigen Fragen zu den Europaspielen. Stimmung, Organisation, Bedingungen - SPORT1 erklärt die Situation vor Ort.

Die Europaspiele in Baku haben ihr Premieren-Wochenende erlebt. Und einige wichtige Fragen zur Veranstaltung sind schon jetzt zu beantworten.

SPORT1 erklärt von vor Ort die Lage in Sachen Stimmung, Organisation und deutschem Auftreten.

-     Wie war die Performance des deutschen Teams bislang?

Einmal Silber (Jonathan Horne, Karate) und zweimal Bronze (Frank Stäbler und Ramsin Azizsir, beide Ringen) standen bis Sonntagabend zu Buche – es hätte etwas mehr sein können. Der durchwachsene Aufgalopp wurde komplettiert vom bislang schwachen Auftritt der Turner, dem Halbfinal-Aus der Tischtennis-Herren ohne den erkrankten Timo Boll und der Auftaktniederlage der Volleyball-Männer gegen Russland. Ein Highlight war die neue Weltbestzeit von Kanut Max Hoff im Halbfinale im K1 über 1000m. Tags darauf purzelten dann die Medaillen in Mingachevir für den Kanuverband.

-     Wie ist die Stimmung?

Dass die Atmosphäre der spektakulären Eröffnungsfeier unter den Zuschauern bei den Wettkämpfen nicht ganz gehalten werden kann, war zu erwarten. Es sind aber beileibe keine Geisterspiele, wie teils befürchtet. Die Stimmung ist, gerade bei den Kampfsportarten, ausgesprochen gut. Allerdings sind es fast ausschließlich Einheimische, die die Tribünen bevölkern, internationale Fans sind rar und allzu oft Teil einer Delegation. Etwas anders ist es unter freiem Himmel, beim Mountainbike oder Triathlon verlor sich kaum jemand an die Strecke.

-     Wie ist die Atmosphäre unter den Athleten?

Die überwältigende Mehrheit genießt das olympische Flair, das Zusammenleben im Athletendorf und die Präsentation in den schmucken, teils pompösen Sportstätten sichtlich. Während die alten Hasen naturbedingt etwas cooler damit umgehen, funkeln die Augen der jungen, unerfahreneren Sportler. Selbst Fahnenträger Fabian Hambüchen zeigt sich beeindruckt. Karateka Jasmin Bleul bezeichnetet die Spiele im Gespräch mit SPORT1 als "Mega-Erfahrung" – obwohl sie gerade eine Medaille verpasst hatte. Und die Sieger vergießen auch hier auf dem Podium Tränen, wenn ihre Hymne gespielt wird.

-     Wie läuft die Organisation?

Im Grunde funktioniert bis jetzt alles, irgendwann, der Weg dorthin ist aber teils etwas steinig. Die Organisatoren scheinen sich die Prämisse gesetzt zu haben: Masse gleich Klasse. Ein Konzept, das nur bedingt aufgeht. Es wimmelt vor hilfsbereiten Volunteers und finster blickenden Sicherheitskräften, aber nicht jeder scheint zu wissen, was genau er zu tun hat. Über das Athletendorf äußerten sich die Sportler zufrieden, es ist brandneu und äußerlich von olympischem Format. Allerdings gibt es baulich hier und da doch Fragezeichen, keine Fernseher in den Zimmern, und  - wesentlich wichtiger - einige Fachverbände klagen über Mängel beim Timing des Transports.

-     Gibt es Kritik in der Bevölkerung an den Spielen?

Ja. Die meisten Bürger freuen sich, zumindest dem Augenschein nach, dass ihr Land für eine Weile im Fokus steht und tun das nach außen offen kund. Doch die heile Fassade bröckelt auch stellenweise. "Wir leben in einer schlechten Zeit und haben kein Geld", sagt ein Einwohner Bakus zu SPORT1. Ein anderer wird noch deutlicher: "Ich mag die Spiele nicht. Sie sind nicht wichtig für unser Land, nur für den Präsidenten und dessen Familie. Wir verschwenden unser Geld, mit dem wir unsere Probleme lösen könnten."

-     Wie ist das Niveau der Wettkämpfe?

Erwartet vielfältig, weil die Spiele bei ihrer ersten Auflage mit diversen Wettkampfkalendern und Trainingszyklen kollidieren. So lag beim Triathlon beispielsweise die Siegerzeit nur gut zwei Minuten über der Bestmarke von Olympia 2012 in London. Im Volleyball sind viele Mannschaften in Topbesetzung am Start. Die Ringer tragen hier ihre EM aus, auch im Karate zeigte sich die europäische Elite. Bei den olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Schwimmen, die in der zweiten Woche steigen, zeigt sich dagegen nur die zweite oder dritte Garde. Im Wasserball und Wasserspringen fungieren die Wettkämpfe als Junioren-EM, insgesamt ist das Durchschnittsalter der Sportler niedriger.

-     Wie sind die äußeren Bedingungen?

An Wettkampftag drei wurden erstmals Wolken gesichtet. Ansonsten brennt die Sonne erbarmungslos vom Himmel, die Temperaturen übersteigen regelmäßig 30 Grad Celsius. Der Wind vom Kaspischen Meer bläst kräftig, was es für die Freiluftsportarten nicht einfacher macht, aber etwas Kühlung verschafft. Im 250 Kilometer entfernten Mingachevir, wo die Kanuwettbewerbe steigen, ist die Hitze noch extremer – was Hoff & Co. offenbar nicht weiter beeindruckte. Für Dienstag sind 36 Grad angekündigt. "Optimal ist das nicht", sagt Sebastian Brendel, deutscher Olympiasieger im Canadier und Gold-Gewinner von Baku: "Du kannst nicht atmen und läufst Gefahr, einen Sonnenstich zu bekommen".

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