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Mit Roland Vrabec (l.) und Falko Götz mussten in der Zweiten Liga in dieser Saison schon zwei Trainer ihren Hut nehmen © Imago

SPORT1-Experte Christian Beeck kritisiert die frühen Trainerentlassungen in Liga zwei. Den 1. FC Union Berlin sieht er auf einem gefährlichen Weg.

Hallo Zweitliga-Freunde,

vier Runden sind gespielt und bei einigen Klubs herrscht schon jetzt Alarmstimmung.

Zum Beispiel in Hamburg. Was St. Pauli bislang auf dem Platz abgeliefert hat, macht mich sprachlos. Von ihnen habe ich viel mehr erwartet - vor allem in der Defensive.

Die Fehler, die in Fürth zu zwei der drei Gegentore führten, hatten mit Liga zwei nichts zu tun. Zweite Liga ist Zweikampf und marschieren - und davon hat Pauli in Fürth nichts gezeigt. Dieser Auftritt hat Roland Vrabec jetzt wohl den Job gekostet.

Hinzu kommt, dass die Neuzugänge bislang nicht so einschlugen wie erhofft. Allen voran Ante Budimir, der als Sturm-Gott herauskristallisiert wurde, was mich schon gewundert hat.

Doch auch die Gestandenen wie Christopher Nöthe und Bernd Nehrig spielen derzeit weit unter ihrer Form. Selbst in der Partie bei ihrem Ex-Verein waren sie mehr als unauffällig. Jetzt heißt es unter dem neuen Trainer Thomas Meggle den richtigen Weg wieder zu finden. Denn der jetzige ist pomadig. Nur ein bisschen mitzuspielen wird nicht funktionieren.

Auch bei Union Berlin gilt es, Ruhe zu bewahren. Sicher ist das Team bislang unter seinen Möglichkeiten geblieben, aber man darf nicht vergessen, dass das Auftaktprogramm mit Karlsruhe, Düsseldorf, Bochum und Nürnberg nicht das einfachste war. Außerdem haben sie drei Punkte auf dem Konto und nicht null.

Aber die derzeitige Gemengelage macht die Sache natürlich sehr sensibel. Simon Terodde wurde weggeschickt und schießt nun in Bochum Tore wie am Fließband. Die Mannschaft hat mit ihrem neuen Trainer Norbert Düwel noch nicht das gezeigt, was sich Union gerne gewünscht hätte.

Und vor allem beim Fall Torsten Mattuschka muss man sich fragen, ob die Berliner nicht hätten anders handeln können. Wenn der Trainer sich gegen einen Spieler entscheidet und der Verein dahinter steht, muss man diese Linie auch konsequent weiterführen. Das ist soweit richtig.

Dennoch muss man Düwel den Vorwurf machen, dass er die Situation nicht früh genug erkannt hat. Die Kommunikation mit dem Spieler einzustellen, ist der falsche Weg. Mit solch einem Thema muss man offener umgehen.

Dass das Ganze dann auch noch sehr unglücklich - um es mal zurückhaltend zu formulieren - nach außen gedrungen ist, ist amateurhaft. Der Verein hatte bislang eine gewisse wunderbare Arroganz und war unverwechselbar. Aber jetzt müssen sie aufpassen, dass aus dieser wunderbaren Arroganz keine unsympathische Überheblichkeit wird und sich alle am Ende der Saison erschrecken.

In Aue haben die Verantwortlichen wie in St. Pauli schon die Reißleine gezogen und Trainer Falko Götz vor die Tür gesetzt. Dass sie zuhause in zwei Spielen zwei derbe Klatschen und dabei acht Tore kassieren ist echt irre. Das hat mich sehr überrascht. Sicherlich, mit Jakub Sylvestr haben sie ihren besten Mann der vergangenen Saison verloren. Aber daran allein kann es ja nicht liegen.

Von diesem Aktionismus jetzt halte ich überhaupt nichts, nach vier Spieltagen so zu reagieren. Du machst dich damit unglaubwürdig. Man kann nicht vor der Saison sagen: Das ist mein Trainer, das ist mein Team, um einige Wochen später alles über den Haufen zu werfen. Vier Partien mal nicht zu funktionieren, kann dir auch zwischen Spieltag 10 und 17 passieren. Auch dann entlasse ich nicht sofort den Trainer.

Falko Götz und Roland Vrabec hätten die Chance bekommen sollen, das Schiff in der Länderspiel-Pause wieder auf Kurs zu bringen. Daher hoffe ich, dass Norbert Düwel, Ricardo Moniz und alle anderen diese Möglichkeit weiterhin bekommen werden.

Euer Christian Beeck

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck seit dieser Saison das Geschehen rund um die Zweite Liga.

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