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Valerien Ismael ist seit der Saison 2014/15 Trainer des 1. FC Nürnnerg

Nürnberg - Nach der Niederlage gegen Düsseldorf herrscht beim 1. FC Nürnberg Frust. Der Club offenbart überwunden geglaubte Probleme.

Am Ende entlud sich der pure Frust des 1. FC Nürnberg über die bereits dritte Saisonniederlage beinahe in einer Massenschlägerei.

Nach einem Foul des Düsseldorfer Torschützen Sergio da Silva Pinto an Cristian Ramirez (81.) entwickelte sich eine wilde Schubserei, bei der Schiedsrichter Florian Meyer Schlimmeres verhinderte.

Es war ein seltenes Aufbäumen der Nürnberger, die das Duell der Aufstiegsaspiranten völlig verdient 0:2 (0:1) verloren. Ein neuerlicher Schock für den hoch ambitionierten Club.

Rückfall in alte Probleme

"Wir fangen wieder bei Null an", sagte der Sportliche Leiter Wolfgang Wolf mit blasser Miene. Nach dem 4:0 bei Union Berlin 17 Tage zuvor hatte Coach Valerien Ismael noch verkündet, man habe die Geburtsstunde einer neuen Mannschaft erlebt.

Am Montag aber sahen nur 26.588 Zuschauer im Grundig-Stadion die alten, längst überwunden geglaubten Probleme. Obwohl mit Torhüter Raphael Schäfer und Kapitän Jan Polak zwei Stützen zurückgekehrt waren.

"Das ist eine Niederlage, die uns sehr weh tut und die für mich unerwartet kommt", sagte Wolf deshalb. Auch er hatte fest an eine Trendwende geglaubt.

Fans reagieren mit Pfiffen

Stattdessen sah er Mängel über Mängel. "Wir konnten uns offensiv nicht durchsetzen, waren konteranfällig. Unsere Mannschaft ist einfach noch nicht eingespielt, die Mechanismen stimmen noch nicht", sagte er.

Dennoch dürften sich Verantwortliche und Spieler "jetzt nicht verrückt machen lassen". Angesichts der trüben Lage mit Platz zehn und fünf Punkten Rückstand auf die Plätze eins bis vier haben diese Botschaft nicht alle verstanden. Viele Fans jedenfalls pfiffen am Montag.

Durchhalteparolen beim Club

Ismael blieb nach den Gegentoren durch Erwin Hoffer (23.) und da Silva Pinto (62.) nichts anderes übrig, als erneut über die "Umbruchphase" zu referieren, in der sich sein neu formiertes Team nach wie vor befände.

Mantraartig wiederholte er: "Wir brauchen Zeit." Polak formulierte dieselbe Diagnose so: "Wir dürfen die Köpfe nicht hängen lassen, müssen Geduld haben, weitermachen, an uns glauben."

"Ohne Plan und Ideen"

Das allerdings fällt nach den Eindrücken von Montag schwer. "Dass das Nürnberger Publikum an dieser 'neuen Mannschaft' bald Gefallen findet, scheint nach diesem Auftritt wieder sehr fraglich", schrieben die "Nürnberger Nachrichten".

Die "Nürnberger Zeitung" sah einen Club "ohne Plan und Ideen", kurz: "Ein Armutszeugnis."

Lehrstunde der Düsseldorfer

Düsseldorf war abgezockter, bot den klügeren Spielaufbau, war fast immer einen Schritt schneller. "Sie haben es uns vorgemacht, wie es geht", sagte Schäfer in Anspielung auf das Zweikampfverhalten. Fünf Düsseldorfer sahen Gelb, nur ein Nürnberger - Timo Gebhart, bezeichnenderweise wegen einer Frustaktion (90.+2).

"Wir waren von der Spielanlage her 90 Minuten die bessere Mannschaft", stellte Düsseldorfs Coach Oliver Reck zufrieden fest.

Die Fortuna ist als Siebter mit acht Punkten zumindest wieder auf Tuchfühlung zur Spitze. Und wirkte viel reifer als der Club. "Schnelle Ballgewinne, schnelles Umschalten - das ist uns perfekt gelungen", sagte Reck.

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