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Sebastian Polter (l.) sorgt mit einem Doppelpack für Unions ersten Saisonsieg

Die Fans skandierten immer wieder "Sieg", die Spieler führten am Mittelkreis um Matchwinner Sebastian Polter ein Freudentänzchen auf: Nach dem 2:1 (0:0)-Coup über den hochambitionierten RB Leipzig brachen im Lager des Zweitligisten Union Berlin alle Dämme.

Die Freude war so groß, dass von der großen Protestaktionen gegen den "Kunstverein" aus Sachsen nach dem Abpfiff kaum noch geredet wurde.

"Das war ein außergewöhnliches Spiel mit außergewöhnlichen Umständen, aber wir haben gut reagiert. Meine Spieler hatten einen unglaublichen Willen", sagte Unions Trainer Norbert Düwel.

Polter kennt den Schlüssel zum Sieg

Doppeltorschütze Polter konnte sein Glück kaum fassen.

"Großartig, ich bin total happy mit den beiden Toren, nachdem es für mich in der vergangenen Saison nicht so gut lief", sagte die Leihgabe von Mainz 05.

"Am wichtigsten ist aber, dass wir als Mannschaft gewonnen haben. Heute hat hier jeder für den anderen gekämpft. Das war der Schlüssel zum Sieg", sagte Polter.

Union war zuvor saisonübergreifend elf Spiele ohne Sieg gewesen.

Angeschlagene Unioner zeigen starke Reaktion

Und unter Düwel hatte es in den ersten fünf Saisonspielen nur Enttäuschungen gegeben.

Die Mannschaft stürzte auf den vorletzten Tabellenplatz ab, der Dauerstreit mit der zum Drittligisten Energie Cottbus abgeschobenen Klub-Ikone Torsten Mattuschka belastete die Stimmung im Team zusätzlich.

Doch alles schien im Spiel gegen RB wie weggeblasen. Union bot vor 21.366 Zuschauern einen großen Kampf und verbesserte sich durch den ersten Saisonsieg auf den 14. Platz.

Polter hatte die Mannschaft (70.) in Führung gebracht, ehe Leipzigs Yussuf Poulsen (76.) mit einem Heber den Ausgleich erzielte. In der 83. Minute war es erneut Neuzugang Polter, der Union jubeln ließ.

Rabenschwarzer Tag für RB Leipzig

"Mit diesem Gefühl müssen wir jetzt nach Kaiserslautern fahren", sagte Düwel mit Blick aufs nächste Spiel.

Auf der anderen Seite erlebte RB Leipzig einen rabenschwarzen Tag.

Der von Brause-Milliardär Dietrich Mateschitz finanzierte Klub verpasste nicht nur den Sprung an die Tabellenspitze, sondern musste auch seine erste Niederlage in der laufenden Saison einstecken.

Zorniger bemängelt Willen

Zorniger war nach dem Abpfiff ziemlich geladen und meinte mit Blick auf die besondere Brisanz: "Ich freue mich, dass es nicht die Traditionsmannschaften geschafft haben, das Stadion zu füllen, sondern wir." Von einem Sieg seiner Elf war er überzeugt gewesen.

"Ich hatte nie das Gefühl, das Union ein Tor macht. Doch dann haben wir zweimal nicht mit Wille, sondern nur mit Talent verteidigt. Und da hat es geklingelt", sagte der Coach.

Frust bei RB-Kapitän Frahn

Leipzigs Kapitän Daniel Frahn war ebenfalls sauer. "Union hat zwei Chancen und macht zwei Tore, das war schon bitter", sagte der Torjäger, der von den Fan-Protesten zu Spielbeginn angeblich nicht viel mitbekam. "Ob die da nun in schwarz, gelb oder blau rumlaufen, ist mir egal. Für mich war es ein Spiel wie jedes andere."

Unions Fans hatten ihrer Wut gegen den angeblichen "Kunstverein" aus Leipzig Luft gemacht. In den ersten 15 Minuten verzichteten sie auf Sprechchöre. Eine seltene Stille breitete sich im Stadion An der Alten Försterei aus.

Protest in Regenjacken

Die 20.000 schwarzen Regenjacken, die zuvor verteilt wurden und den Tod der Fankultur in Leipzig symbolisieren sollten, blieben jedoch weitgehend unbenutzt.

Zudem bekundeten die Anhänger der "Eisernen" ihre Vorbehalte gegen den vermeintlichen Retortenklub mit Plakaten.

"In Leipzig stirbt die Fußballkultur" und "Fußball braucht Mitbestimmung, Treue, Stehplätze, Emotionen, Financial Fair Play, Tradition, Transparenz, Leidenschaft, Geschichte, Unabhängigkeit", war in großen weißen Lettern auf schwarzen Transparenten zu lesen. .

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