SPORT1-Experte Christian Beeck kritisiert Trainer Norbert Düwel von Union Berlin nach dem Stinkefinger-Eklat scharf.

Hallo Zweitliga-Freunde,

beim 1. FC Union Berlin brechen nun endgültig harte Zeiten an. Vom Wechsel auf der Trainerposition von Uwe Neuhaus zu Norbert Düwel hat man sich viel versprochen, doch der Neuanfang ist fürchterlich in die Hose gegangen.

All das, was an komplexen Konzepten zum Thema mentale und emotionale Neuausrichtung gemeinsam ausgetüftelt wurde, funktioniert nicht. Am Ende ermittelt nun der DFB gegen Düwel wegen seiner Stinkefinger-Geste - weil der Trainer nicht mit Emotionen umgehen kann - und das völlig zu Recht.

Das was er da gemacht hat, ist eine Beleidigung für den gesamten Berufsstand der Sportpädagogen. Es ist eine hohe Auszeichnung und große Ehre, in der Zweiten Liga als Trainer zu arbeiten. Die öffentliche Wahrnehmung ist enorm. Bei allem Respekt: So etwas darf einfach nicht passieren!

Bauchschmerzen habe ich auch mit der Beleidigungsversion. Ich kenne die Union-Fans und Sponsoren sehr gut und kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine solche Intensität stattgefunden hat. Was wirklich war, werden wir wohl nie erfahren.

Schlussendlich muss man als Trainer damit leben, dass man richtig was abbekommt, wenn es nicht läuft. Das gehört dazu. Der Fußball ist hochemotional für den Moment, steckt voller Traditionen und den dazugehörigen Ängsten. Trainer werden für diese Situationen ausgebildet und sollten dieses Handwerk beherrschen. Schließlich sind Sie Vorbilder für viele Millionen von Menschen, die diesem wunderbaren Sport treu sind.

In der aktuellen sportlichen Situation kann der Verein das Theater um den Trainer natürlich überhaupt nicht gebrauchen.

Die Mannschaft ist dermaßen verunsichert und hat von der körperlichen Präsenz her immer etwas weniger zu bieten als der Gegner. Von einer taktischen Ausrichtung ist leider auch nicht viel zu erkennen, die Spieler wirken streckenweise mehr als unvorbereitet auf diverse Stresssituationen.

Es hapert also an sehr vielen Ecken und Enden und Freitag steigt das Ostderby in Aue. Es kann jetzt nur noch über den bedingslosen Einsatz funktionieren. Die Grundtugenden müssen zwingend her, erst dann sind fußballerische Zaubereien angebracht.

Trotz der positiven Zahlen auf der Mitgliederversammlung in der letzten Woche, so richtig Aufbruchstimmung ist nicht aufgekommen. An der Börse heißt es dann immer, es ist alles engepreist. In der Zukunft muss gespart werden. Die fetten Jahre sind vorbei, in denen man den Markt mit beachtlichen Investitionen bestimmt hat. Nun heißt es, mit dem vorhanden Personal die Klasse halten.

Das Gesamtbild ist somit traurig und sehr sehr schade. Ich bin in diesem Verein fußballerisch geboren und habe vieles mit aufgebaut, aber wenn ich mir das jetzt in Ruhe anschaue, tut es mir leid.

Der Verein steht sich im Grunde selbst im Weg, weil alles immer ganz besonderes sein soll. Auf Dauer kann man sich nicht von bestimmten Voraussetzungen im Fußball entfernen. Das ganze Projekt wird, wenn man nicht aufpasst, abschließend im Amateurbereich enden.

Die Verantwortlichen müssen jetzt ganz genau hinschauen, wenn sie in den nächsten Wochen richtiges tun wollen. Sie und Ihre Kompetenzen sind gefragt, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Denn wenn dieser Verein absteigt, dann gibt es wieder richtige Probleme.

Euer Christian Beeck

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck seit dieser Saison das Geschehen rund um die Zweite Liga.

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