Mit der Verpflichtung von Lienen geht der FC St. Pauli Risiko. Der Rollentausch von Meggle ist ein cleverer Schachzug.

Von Holger Luhmann

Diese Überraschung ist dem FC St. Pauli gelungen.

Als der Tabellenletzte der Zweiten Liga seine Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel in Ingolstadt abhielt, saß dort plötzlich Ewald Lienen auf dem Podium - und wurde als neuer Trainer vorgestellt.

Es ließe sich anmerken, dass Lienen, der sich einst selbst als "Öko-Sozialist" bezeichnete und Autogramme im Zirkus von Brot und Spielen verweigerte, vorzüglich zum alternativ geprägten Hamburger Kiez-Klub passt.

Doch sportlich ist diese Entscheidung schwierig einzuordnen.

In den vergangenen Jahren war Lienen in Rumänien und Griechenland tätig. Sein letztes Arbeitszeugnis in Deutschland stammt aus der Saison 2010/2011. Mit Arminia Bielefeld stieg er aus der Zweiten Liga ab.

Dies sind nicht gerade Referenzen, die einen als potenziellen Retter auszeichnen.

Verzichtet werden soll an dieser Stelle auf das Wortspiel, dass St. Pauli sich mit Lienen, der wegen seiner pedantischen Art und Vorliebe für Notizen den Spitznamen "Zettel-Ewald" verliehen bekam, verzetteln könnte.

Als Wagnis ist die Verpflichtung des 61-Jährigen aber durchaus zu bezeichnen.

Die zweite Personalentscheidung ist da eher nachzuvollziehen.

Der bisherige Trainer Thomas Meggle wird Sportdirektor und löst in dieser Funktion den entlassenen Rachid Azzouzi ab.

Meggles Herz schlägt für den Klub, er kennt die Strömungen. Mit ihm auf einer anderen Position wahrt St. Pauli zumindest ein Stück Kontinuität, bewahrt Identität und besänftigt die eigenen Fans.

Meggle weiter einzubinden, ist deshalb ein schlauer Schachzug.

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