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Stefan Ortega-TSV 1860 München-Trinkflasche-Flutlicht
Stefan Ortega wechselte vor der Saison aus Bielefeld zu 1860 München © getty

München - Vor dem Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern spricht 1860-Torwart Stefan Ortega bei SPORT1 über die prekäre Lage bei den "Löwen".

Es ist die Ironie des Schicksals.

Für Stefan Ortega persönlich verlief die erste Hälfte der Zweitliga-Saison positiv. Der 22 Jahre alte Torwart, der erst im Sommer von Arminia Bielefeld zu 1860 München gewechselt war, wurde nach dem Verkauf des früheren Stammtorwarts Gabor Kiraly die neue Nummer eins im Verein.

Inzwischen gehört er in der Mannschaft zu den Führungsspielern.

Doch die "Löwen" stecken tief in der Krise. Nach 17 Spieltagen steht das Team auf Platz 16. Es herrscht Abstiegsangst pur (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (ab 17.15 Uhr LIVE im Sportradio auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER) spricht Ortega im SPORT1-Interview über die kritische Lage bei 1860, seine Rolle und verrät, warum er zuletzt ausflippte.

SPORT1: Herr Ortega, der Blick auf die Tabelle lässt jeden "Löwen"-Fan erstarren, oder?

Stefan Ortega: Es ist wirklich keine schöne Situation. Wir haben uns die Vorrunde ganz anders vorgestellt, sind mit völlig anderen Erwartungen in die Saison gegangen. Wir sind in einen Negativstrudel geraten. Und nach den Erfolgserlebnissen gab es immer wieder einen Dämpfer. Natürlich strotzt man in so einer Situation nicht vor Selbstvertrauen. Trotzdem müssen wir versuchen, so gelassen wie möglich zu bleiben.

SPORT1: Wie sieht es da bei Ihnen aus? Sie kennen das Horrorszenario noch aus der vergangenen Saison mit Bielefeld.

Stefan Ortega-DSC Arminia Bielefeld-Abstieg
In der vergangenen Saison stieg Stefan Ortega mit Arminia Bielefeld aus der 2. Bundesliga ab © getty

Ortega: Leider ja. Ich habe das alles schon mal erlebt und deshalb sind mir die ganzen Emotionen im Abstiegskampf nicht neu. Ich habe für mich einen Weg gefunden, wie ich dabei dennoch Kraft tanken kann. Ich rufe zum Beispiel regelmäßig meinen Mentaltrainer in Bielefeld an. Für mich ist es ganz wichtig, mich in solchen Phasen mit vertrauten Personen auszutauschen, natürlich aus dem Sport, genauso wie mit meiner Familie.

SPORT1: Sie hielten nach der Niederlage in Nürnberg eine Brandrede und meinten, dass es einen Riesen-Knall geben müsse. Was war der Grund für diesen Wutausbruch?

Ortega: Das musste raus, weil die Situation einfach so ist, wie sie ist. Jeder, der auf die Tabelle schaut, weiß, dass es bei 1860 um den Klassenerhalt und um Arbeitsplätze geht. Wir als Mannschaft stehen zuerst in der Pflicht, weil wir für die sportliche Lage verantwortlich sind, aber es geht auch darum, dass man als Verein nach außen hin zeigt, dass man eine riesige Einheit ist. Alle arbeiten für die "Löwen" und alle wollen Erfolg.

SPORT1: Bei 1860 ist es selten ruhig. Ist das belastend?

Ortega: Ja. Diese negative Stimmung, die versucht wird von außen reinzubringen, kann man als Spieler natürlich nicht komplett abschütteln. Ich denke, im Verein sind wir in der letzten Zeit alle zusammengewachsen. Jeder weiß, um was es geht.

SPORT1: Sie gehörten in den letzten Wochen noch zu den besten "Löwen". Können Sie die Situation besser verarbeiten?

Ortega: Es gibt in jedem Beruf Leute, die etwas schüchtern sind und andere, die vorweg gehen können. Die, die mit ihrer Charaktereigenschaft so stark sind und vorweg gehen wollen, müssen schauen, dass sie so positiv wie möglich denken und den Kopf hoch halten. Aber letztendlich ist es wichtig, dass alle mitziehen.

SPORT1: Fehlt bei 1860 in der jetzigen Situation nicht ein Typ wie Gabor Kiraly?

Ortega: Ich habe mit Gabor nur kurz zusammen gespielt. Wir haben auf jeden Fall Typen, die vorweg gehen können. Und dass die Jungen, die spielen, erst in diese Rolle reinwachsen müssen, ist auch klar.

SPORT1: Ganz ehrlich, wie groß ist Ihre Angst vor dem Abstieg?

Stefan Ortega-TSV 1860 München-am Boden
Stefan Ortega steht mit 1860 nach der Hinrunde auf Platz 16 © getty

Ortega: Angst ist ein schlechter Berater. Wir müssen uns mehr mit dem Klassenerhalt beschäftigen als mit dem Abstieg. Angst lähmt alles, wir haben Respekt vor der aktuellen Situation, aber wir erstarren nicht vor dem Wort Abstieg wie das Kaninchen vor der Schlange.

SPORT1: Es gab in der Hinrunde tolle Spiele wie bei St. Pauli, in Bochum oder bei Union Berlin. Aber: 1860 ist die zweitschlechteste Heimmannschaft. Wie kommt das?

Ortega: Es gibt dafür eigentlich keine Erklärung. Vielleicht ist der Druck auswärts unterbewusst einfach geringer als zu Hause, wo wir mit dem Ziel ins Spiel gehen, den Gegner zu beherrschen.

SPORT1: Die Kritik an Trainer Markus von Ahlen wächst. Warum ist er der Richtige?

Markus von Ahlen-TSV 1860 München-Jacke
In den ersten zehn Spielen unter Markus von Ahlen gelangen den Löwen drei Siege © getty

Ortega: Markus ist sehr engagiert und macht sich 24 Stunden Gedanken um 1860 und darum, wie er uns besser machen kann. Dazu ist er ein sehr emotionaler Trainer, was in einer solchen Situation absolut wichtig ist. Aber wir als Mannschaft müssen auf dem Platz unsere Leistung zeigen, nicht er.

SPORT1: Jetzt geht es im Traditionsduell gegen die "Roten Teufel". Was macht Ihnen Hoffnung auf Besserung?

Ortega: Schlechter kann es nicht werden. Es muss jetzt in die Köpfe rein, dass wir siegen müssen. Wir haben jetzt gegen Lautern und gegen RB Leipzig zwei schwere Spiele vor der Brust. Jedem ist die Lage absolut bewusst und jeder hat den Willen, dass wir da gemeinsam raus kommen.

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