München - Bochums neuer Trainer Gertjan Verbeek spricht im SPORT1-Interview über seinen neuen Klub, seine Spielphilosophie und die Ziele.

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Gertjan Verbeek hatte die Lacher gleich auf seiner Seite.

Der 52-Jährige sagte am Montag bei seiner Vorstellung als neuer Trainer des VfL Bochum, dass es den Gegnern zukünftig "dünn durch die Hose laufen soll, wenn sie nach Bochum kommen".

Verbeek, bis April in Diensten des 1. FC Nürnberg, ist gut gelaunt zurück.

Er hat in Bochum einen Vertrag bis zum 30. Juni 2016 unterschrieben und hat mit seinem neuen Klub viel vor. Im SPORT1-Interview spricht Verbeek über seine neue Aufgabe, seinen Stil und die Ziele.

SPORT1: Herr Verbeek, willkommen zurück. Warum fiel die Wahl auf den VfL Bochum?

Gertjan Verbeek: Der Verein hat die Ambition, wieder in der Bundesliga zu spielen. Das ist auch meine Ambition. Zudem baut man auf die Jugend. Eines meiner Ziele ist es, Spieler zu entwickeln. Ich bin mir sicher, dass ich dem Verein mit meiner Philosophie, Fußball zu spielen, helfen kann. Der VfL besitzt ein sehr gutes Niveau, ich bin sehr neugierig auf die Arbeit in Bochum. Die Vorfreude ist groß, ich bin stolz, nun beim VfL sein zu dürfen.

SPORT1: Inwieweit gab die Nähe zu Ihrer Heimat den Ausschlag für Ihre Entscheidung?

Verbeek: Das ist nicht entscheidend, denn ich werde mir eine Wohnung in der Umgebung des Vereinsgeländes suchen. Es ist nicht gut, wenn man jeden Tag eine so lange Strecke zum Arbeitsplatz zurücklegen muss. Das erwarte ich auch von meinen Spielern, denn es ist wichtig, ausgeruht und frisch zu sein.

SPORT1: Bochum ist Ihr zweiter Job in Deutschland. Was wollen Sie anders machen als in Nürnberg?

Verbeek: Die Zeit in Nürnberg ist für mich abgeschlossen. Jetzt bin ich beim VfL. Ich muss zunächst erst einmal sehen, welche Spieler wir zur Verfügung haben und was wir aus dieser Mannschaft herausholen können. Das ist ein Prozess.

SPORT1: Sie sagten bei Ihrer Vorstellung, dass Sie mit dem VfL schnellstmöglich in die Bundesliga wollen. War das nicht zu euphorisch?

Verbeek: Ich finde nicht, denn im Wort "schnellstmöglich" steckt auch der Prozess, von dem ich zuvor sprach. Fakt ist jedoch: Je schneller der VfL in der Bundesliga spielt, desto besser ist es für alle Beteiligten. Aber wir wissen alle, dass es nicht von heute auf morgen geht.

SPORT1: Was wissen Sie über den VfL?

Verbeek: Er ist ein absoluter Traditionsverein. Ich wusste schon einiges über den Verein durch Rein van Duijnhoven und Rob Reekers, den ich schon sehr lange kenne. Die Atmosphäre im Stadion ist super, das konnte ich schon bei den Spielen gegen St. Pauli und Erzgebirge Aue feststellen.

SPORT1: Wie wollen Sie den VfL wieder in die Spur kriegen?

Verbeek: Die Mannschaft kann Fußball spielen, das hat man zu Beginn der Saison gesehen. Es folgte eine schlechtere Phase. Aber die letzten Spiele sind nicht der Maßstab. Wir müssen das Selbstvertrauen zurückbringen. Das Wichtigste innerhalb einer Mannschaft sind mentale Qualität und Kommunikation, daran werden wir arbeiten.

SPORT1: Für Sportvorstand Christian Hochstätter waren Sie die erste Wahl. Wie hat er Sie überzeugt?

Verbeek: Christian hat den Kontakt aufgebaut. Er ist mit sehr viel Enthusiasmus an mich herangetreten und hat mir die Gründe erläutert, warum er auf mich gekommen ist. Das hat mir sehr gut gefallen und meine Wahl für den VfL unterstützt.

SPORT1: Was haben Sie in den letzten Monaten nach Ihrem Aus in Nürnberg gemacht? Waren Sie nur in Ihrem Holzhaus, welches Sie in Ihrer Heimat gebaut haben?

Verbeek: Nürnberg hat mich damals kurz vor dem Saisonende entlassen. Ich hatte noch einen Vertrag, auch für die Zweite Liga. Bis alles geklärt war, war es zu spät, um zu Saisonbeginn bei einem neuen Verein anzufangen. Ich bin zurück in meine Heimat gegangen und habe mir ein Haus gebaut. Das hat mir sehr viel Vergnügen bereitet, ich bin ein kreativer Mensch. Es gab auch einige Anfragen von Vereinen, die ich allerdings abgelehnt habe.

SPORT1: Sie stehen für Offensiv-Fußball und wollen sich da auch nicht in Ihr Konzept reinreden lassen. In Nürnberg wurde Ihnen das am Ende zum Verhängnis. Werden Sie sich etwas ändern und würden Sie sich auch etwas anpassen?

Verbeek: Meine Mannschaften spielen nach vorne. Spaß hat man nur, wenn man den Ball hat. Hat man ihn nicht, muss man ihn sich so schnell wie möglich wiederholen. Agieren statt zu reagieren, das ist meine Philosophie. Das ist natürlich nicht immer in jedem Spiel möglich, aber die Intention muss sein, so viel Ballbesitz wie möglich zu haben.

SPORT1: Warum geht es für den VfL mit Ihnen wieder nach oben?

Verbeek: Wir werden versuchen, mehr Tore zu schießen und weniger zu kassieren. Dann wird es schnell besser. Wir wollen attraktiv spielen und mehr Punkte holen als in der Hinrunde. Zudem müssen wir zu Hause mehr Spiele gewinnen. Unser Stadion muss eine Festung sein, die Gegner müssen wieder Angst davor haben, nach Bochum zu kommen.

SPORT1: Wie werden Sie Weihnachten verbringen?

Verbeek: Es ist schade, dass ich jetzt noch zwei Wochen auf den Start warten muss. Ich fahre jetzt erst einmal in den Skiurlaub in die Schweiz. Und dann kann es am 5. Januar losgehen.

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